Streich Ein neuer Straßenname mit Schablone

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Das Schwätzgäßle in Bietigheim trägt seinen Namen wohl nicht wegen der „Schwätzfreudigkeit“ der Anlieger.⇥ Foto: Martin Kalb

Drei Friedrichs beschlossen eines Nachts das Schwätzgäßle in Friedrichstraße umzubennen und kamen damit auch noch durch. Erst 1975 musste der Name geändert werden.

Dass sich Straßennamen über die Jahrzehnte und gar Jahrhunderte verändern, ist keine Seltenheit. In Bietigheim-Bissingen sorgte gerade der Zusammenschluss 1975 für Dopplungen und so mussten hier und da neue Namen her. So auch beim Schwätzgässle in Bietigheim. Doch nicht nur die Eingemeindung sorgte in dieser Gasse für einen Namenswechsel. Auch Streiche können dafür sorgen, dass sich Straßennamen ändern.

Bereits im Urkatasterplan von 1832 hieß die Straße, die in Bietigheim die Straßen Kirchplatz und Pfarrstraße kreuzt, „Schwäz Gasse“, wie Sonja Eisele, stellvertretende Leiterin des Stadtarchivs, in ihren Unterlagen herausfand. „Es gibt auch die Schreibweise ‚Schätz Gasse’ von 1843“, sagt sie. Mehr als 60 Jahre lang trug die kleine Straße, in der nur ein paar Häuser stehen, aber einen ganz anderen Namen. 1892 wurde das Straßenschild von drei Bewohnern, die mit Vornamen Friedrich hießen, eigenmächtig umbenannt in Friedrichstraße. „Die saßen eines Abends in der Kaiserhalle beisammen und sprachen beim Bier aus der Bietigheimer Brauerei und Bierhalle Schneider über dies und das“, heißt es im Enz- und Metterboten vom 8. November 1952, in dem diese Nacht- und Nebel-Umbennennungsaktion vom damaligen Lehrer Knappe festgehalten wurde. Die Kaiserhalle ist eine ehemalige Gaststätte. „Einer meinte, es sei doch eine Schande, daß sie in der Schwätzgasse wohnen müssen, sie seien doch keine Schwatzbasen, das seien höchstens die Weiber“, so steht es in der  „Plauderei aus Bietigheims Vergangenheit“, wie der Zeitungsbericht von 1952 hieß. „Wie wäre es, wenn wir die Gasse umtaufen? Wir sind drei Fritze, also heißen wir die Gasse jetzt Friedrichstraße.“ Sonja Eisele findet: „Man kann sich richtig vorstellen, wie die Drei in einer Kneipe saßen und sich dachten: ‚Friedrichstraße klingt großartig.’“

Offiziell übernommen

Gesagt getan, mithilfe des „Dampfhannes“, dem Maler Heß, wurde eine Schablone gemacht und in der Nacht pinselten sie den Namen an das Eckhaus von Wilhelm Murr. Es heißt die „Schwätzgäßler“ waren stolz darauf, einen so schönen Namen bekommen zu haben. Elf Jahre später wurde der Straßennamen offiziell vom Gemeinderat übernommen und bis 1974 hieß das Schwätzgässle Friedrichstraße. Allerdings blieb der Name nicht dauerhaft. Durch den Zusammenschluss mit Bissingen gab es ein Problem: Bissingen hatte auch eine Friedrichstraße. Diese war benannt nach König Friedrich von Württemberg. Deshalb wurde die Bietigheimer Friedrichstraße zum 1. Januar 1975 umbenannt und erhielt wieder ihren ursprünglichen Namen Schwätzgässle.

 
 
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