Die EnBW baut in Walheim eine Klärschlammverbrennungsanlage, die für viele Diskussionen sorgt. Ein weiteres Projekt, das nun auf die Gemeinde zukommt, hat das Tochterunternehmen EnBW Netze BW am Donnerstag im Gemeinderat vorgestellt: ein neues Umspannwerk, das elektrische Energie vom Höchstspannungsnetz (220, 380 Kilovolt) ins Hochspannungsnetz (110 Kilovolt) und von dort ins Mittelspannungsnetz (20 Kilovolt) umwandelt.
Strom Umspannwerk in Walheim geplant
Kommt das rund 40.000 Quadratmeter große Werk neben die Klärschlammverbrennung oder auf eine Freifläche Richtung Hofen? Netze BW haben das Projekt im Gemeinderat vorgestellt.
Das Werk soll auf einer Fläche von rund 40.000 Quadratmetern entstehen. Netze BW haben dafür verschiedene Standorte geprüft. Einer befindet sich auf dem Gelände der EnBW direkt neben der künftigen Verbrennungsanlage. Ein weiterer Standort, der zur Diskussion steht, befindet sich laut Leiter Systemübergreifende Infrastruktur, Richard Huber, auf einer Freifläche oberhalb der Anlage Richtung Hofen. Die dortigen Grundstücke gehören Privatleuten. „Freude löst das Projekt nicht aus“, sagte der Walheimer Bürgermeister Christoph Herre nach der Sitzung des Gemeinderats. Der Standort auf der Freifläche sei „keine echte Alternative, er würde auf Gegenwind stoßen“. Auch wenn es schon Vorplanungen für den Standort auf dem EnBW-Gelände gibt, noch steht eine Entscheidung darüber aus, heißt es vonseiten der EnBW.
Zwei ältere Umspannwerke
Das neue Umspannwerk, das für die Stromversorgung der Region zentral sei, soll die beiden bestehenden, älteren Umspannwerke aus den Jahren 1963 und 1980 ersetzen. Angesichts des wachsenden Strombedarfs bestehe „massiver Handlungsbedarf“, sagte Huber: „Wir müssen in der Region aufgrund steigender Leistung die Netze verstärken.“
„Im Endeffekte muss die Netze BW bauen“, sagte Herre. Die Diskussion im Gemeinderat sei sachlich verlaufen, aber auch emotional. Aus Sicht der Gemeinde sei es schwierig zu vermitteln, „dass Walheim immer der beste Standort ist“, sagte er: „Wir werden zum Dienstleister für Strom, für unseren eigenen Bedarf ist das Umspannwerk zu groß.“ Derzeit würden in der Kommune 15 Hektar für Energieerzeugung genutzt. Diese Flächenbilanz bliebe mit einem Umspannwerk auf dem EnBW-Gelände unverändert. Käme es jedoch auf die wertvolle Freifläche, würden daraus laut Bürgermeister 20 Hektar – die Energieerzeugung würde damit rund 25 Prozent der bebauten Wohnfläche der Kommune ausmachen.
Die Tochter Netze BW müsse mit der EnBW über den Standort neben der Klärschlammverbrennungsanlage wie mit einem externen Eigentümer verhandeln, sagte Huber. Obwohl es bereits intensive Gespräche und Vorplanungen gebe, sei es schwierig, eine endgültige Zusage von der EnBW zum Standort zu bekommen.
Gespräche laufen
Neben einer hohen technischen und genehmigungsrechtlichen Komplexität sei der Planungsaufwand an dieser Stelle höher als bei der Freiflächenvariante, die gasisoliert gebaut werden könnte. An beiden Standorten würde Netze BW rund 45 Millionen Euro investieren. Für die Freiflächenanlage oberhalb des EnBW-Geländes müsste zunächst mit Privatbesitzern verhandelt werden.
Die Kommune würde nahe der Verbrennungsanlage natürlich lieber ein Mischgebiet entwickeln, sagte Herre. „Aber das Gelände gehört der EnBW.“ Und die Signale aus der Kommune für den Standort neben der Verbrennungsanlage „sind angekommen“, ist sich der Bürgermeister sicher.
Die Gespräche zwischen EnBW und Netze BW über den Standort auf dem Kraftwerksgelände laufen, bestätigte der EnBW-Sprecher Konventionelle Erzeugung, Christopher Engelmann. Der Austausch über „räumlich-technische Erfordernisse der Anlage sind noch nicht abgeschlossen, sodass wir noch keine Angabe dazu machen können, ob sich das Bauvorhaben auf dem EnBW-Gelände realisieren ließe.“
Aus Sicht der Netze BW muss der Standort leitungstechnisch gut einzubinden sein, darf nicht im Naturschutzgebiet oder in einem Hochwassergebiet liegen. Auch darf es kein zu starkes Gefälle geben, beschreibt Huber die Voraussetzungen für die Standortwahl.
Baubeginn in 2028 geplant
Neuere Umspannwerke seien leiser als ältere Werke, die Brandschutzvorgaben würden eingehalten, bei den elektromagnetischen Felder würden Grenzwerte „um ein Vielfaches unterschritten“, sagte Huber.
Dem Leiter Infrastruktur zufolge werden in den Umspannwerken in Walheim rund 20 Megawatt aus dem Stromnetz bezogen. Aufgrund des steigenden Bedarfs bei Industriekunden kommen mittelfristig weitere 30 Megawatt hinzu. Diese Lastenanforderungen sollen am neuen Standort berücksichtigt werden. Profitiert die Kommune wenigstens finanziell von einem neuen Umspannwerk? Den Gewerbesteueranteil, der Walheim zugute komme, sei kaum nennenswert, so Huber: „Aber sicherer Strom ist ein hohes Gut.“
Mit einer Entscheidung für eine der Varianten rechnet er frühestens im Sommer 2026. Dann könnte auch mit endgültigen Planung begonnen werden. Baubeginn wäre dann in 2028, die Anlage könnte 2031 in Betrieb gehen.
