Strukturelle Finanzprobleme in Sachsenheim Der Eichwald als Hoffnungsschimmer

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In Sachsenheim fehlt für viele Projekte das Geld. Die Sanierung des Rathauses kostete jüngst 12,5 Millionen Euro. ⇥ Foto: Martin Kalb

Die strukturellen Finanzprobleme sind laut Stadt vielschichtig und lassen sich nicht so einfach lösen.

Der Stadt Sachsenheim droht in den kommenden Jahren ein neuer Schuldenberg. Dass rund eine Million Euro, die bei der insolventen Greensill-Bank angelegt sind, futsch sein könnten, macht es nicht besser. Die Stadt spricht seit jeher von einem „strukturellen Finanzproblem“. Was es damit auf sich hat und was getan werden kann, wollte die BZ von der Verwaltung wissen.

Was ist Sachsenheims Problem?

Sachsenheim besteht aus sechs weit voneinander entfernten Ortsteilen, plus Egartenhof, Langmantel und Kirbachhof als weitere Streusiedlungen. „Durch die großen Entfernungen können sich zudem zentrale Strukturen nicht so leicht etablieren“, weiß Raichle. Infrastruktur wie Feuerwehrhäuser oder Kindergärten müssen mehrfach vorgehalten werden. Die überwiegend forst- und landwirtschaftliche Struktur mit Handwerksbetrieben unterscheide sich „erheblich zu den Gemeinden mit städtischer, industrieller Struktur“ wie Kornwestheim, Bietigheim-Bissingen oder Schwieberdingen.

Welche Schwierigkeiten bringt das mit sich?

Im Vergleich nähmen kleinere Kommunen, wie Bönnigheim, Sersheim oder Tamm „deutlich mehr oder sogar ein Vielfaches an Gewerbesteuer ein“. Über die Jahrzehnte seien das „viele, teilweise Hunderte Millionen Euro“, so Raichle. Dazu käme, dass Sachsenheim „im Vergleich zu umliegenden Kommunen über wenig Arbeitsplätze vor Ort“ verfüge, auch wenn die Tendenz steige. Die Verwaltung sieht eine „Schlafstadt-Problematik“. Wegen der geringen industrielle Prägung liegen auch Einkommens- und Umsatzsteuer „unter denen von Gemeinden ähnlicher Größe“.

Das Vorhalten von Infrastruktur in den kleinen Stadtteilen sei vergleichsweise teuer. „Denn eine Stadthalle kostet im Unterhalt das gleiche, egal ob diese für 700 Einwohner oder für 2500 Einwohner zur Verfügung steht.“ Dies gelte auch für Verwaltungsdienstleistungen, Friedhöfe, Straßen, ÖPNV, Nahversorgung, Ärzte oder Apotheken, aber auch Wasser- und Abwasser.

Wie kann sich die Lage ändern?

„Die Sachsenheimer Wirtschaftsstruktur wird sich grundlegend nicht ändern lassen, vor allem im Hinblick auf die starken Konkurrenzstandorte im direkten Umfeld“, meint Raichle mit Blick auf Bietigheim-Bissingen oder Vaihingen. Allerdings habe die Corona-Pandemie einen digitalen Wandel hervorgerufen, was unweigerlich zu Veränderungen führen werde. Wie sich das auf Sachsenheim auswirke, „kann bis dato noch nicht prognostiziert werden“. Aber die Stadt hofft: „Insbesondere von der Entwicklung elektrischer Antriebssysteme (E-Mobilität) und den digitalen Prozessinnovationen im Automotive-Bereich, dem Handwerk und den industriellen Dienstleistungen können die örtlichen Firmen, vor allem die des Gewerbeparks Eichwald, perspektivisch profitieren.“ Doch müsse dann auch Gewerbeflächen zur Verfügung stehen.

Was wurde schon unternommen?

Ein positives Beispiel sei der Gewerbepark Eichwald. Auch wenn der noch nicht so hohe Gewerbesteuereinnahmen bringt, wie man sich vielleicht erträumt hatte, betont Raichle: „Seitdem der Gewerbepark besteht, hatte Sachsenheim zehn Jahre mit den höchsten Gewerbesteuereinnahmen.“ Durch die dortigen Arbeitsplätze steigen auch die Anteile an der Einkommenssteuer.

Zudem sieht man weiter Potenzial bei der Schaffung von Wohnraum, auch wenn man bei der massiven Expansion der letzten Jahre erkennen musste, dass die neuen Flächen auch Folgekosten, beispielsweise für (neue) Kindergärten oder Schulen bringen. „Helfen würde auch die Ansiedlung weiterer großflächiger, sprich umsatzstarker Einzelhandelsbetriebe.“ Das sei aber „aufgrund der regionalplanerischen Einstufung als Kleinzentrum nicht ohne weiteres möglich“.

 
 
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