Zwölf kerngesunde Obstbäume wurden hier gefällt“, ärgert sich Wolfgang K. aus Löchgau, der seinen vollen Namen nicht nennen will, der aber der BZ bekannt ist, und weist auf die brach liegende Fläche im Gewann Kühlingsgrund, nordöstlich von Löchgau, hin. Ein Kirschbaum und elf seiner Apfelbäume waren im Januar 2024 den Maßnahmen zum Bau der Süddeutschen Erdgasleitung (SEL) der Firma Terranets BW zum Opfer gefallen. „Meine Halbstammbäume waren topgepflegt und hatten richtig gut getragen“, äußert er verbittert. Nun ist das rund sieben Ar große Grundstück trotz zahlreicher Anmahnungen noch immer nicht zu nutzen.
Süddeutschen Erdgasleitung Löchgau Statt Obstbäumen Disteln und Unkraut
Noch immer ist Terranets BW der Pflicht, die durch den Bau der Süddeutschen Erdgasleitung entstandenen Schäden in Löchgau zu rekultivieren, nicht nachgekommen.
Rüde Aufforderung und Drohung mit „Besitzeinweisung“
Die ersten allgemeinen Infos zur geplanten Erdgasleitung hatte Wolfgang K. 2020 in einem Schreiben der Firma Mailänder Consult, im Auftrag von Terranets, erhalten. Im darauffolgenden Jahr war die Aufforderung erfolgt, K. solle einen Gestattungsvertrag unterschreiben, der erlaube, seine Bäume zu fällen. Da konkrete Angaben zur Wiederaufforstung fehlten, verweigerte der skeptische Grundstückseigentümer seine Unterschrift zunächst. Er wollte sichergehen, dass später wieder Halbstammbäume gepflanzt würden, und sprach deshalb im Juli 2022 den Projektleiter der Firma Terranets darauf an. Dieser legte ihm dar, dass BUND und Nabu die Pflanzung von Hochstämmen fordere, nur wenn ein Eigentümer ausdrücklich auf die Pflanzung anderer Bäume bestünde, würde diese genehmigt werden.
Der Projektleiter versprach jedoch, dass bei K. tatsächlich Halbstammbäume angepflanzt würden, deren Sorten er frei wählen dürfe. Im Gegenzug dazu wollte K. den Gestattungsvertrag unterzeichnen, sobald eine sichere Zusage zur Pflanzung dieser Bäume vorliege.
Doch dann traf im September desselben Jahres die rüde Aufforderung von Mailänder Consult ein, dem Einschlag zuzustimmen; ansonsten würde „eine vorzeitige Besitzeinweisung vom Regierungspräsidium Stuttgart“ beantragt werden, die eine Zwangsreißung zur Folge habe. Aufgebracht verlangte K. daraufhin die schriftliche Bestätigung seiner Vereinbarung mit dem Projektleiter, musste allerdings weitere zwei Mal nachhaken, ehe ihm die Genehmigung im Januar 2024 endlich zugestellt wurde – der Monat, in dem mit dem Fällen der Bäume begonnen wurde.
Die Neupflanzung sollte wiederum im Herbst 2025, spätestens im Frühjahr 2026 stattfinden. „Ich habe aber unzählige Male nachgefragt, wie es weitergeht und keine Antwort erhalten“, grollt K.
Auch im April 2026 hatte er die Firma Mailänder Consult angeschrieben und die Empfehlung des Landratsamts mitgeschickt, die nahelegte, welche Baumsorten gepflanzt werden sollten. Von Brettacher, Roter Boskoop, Gewürzluiken und dem Kirschbaum Burlat war unter anderem die Rede. Als zwei Monate später abermals keine Rückmeldung erfolgt war, übergab K. seine Unterlagen der Pressesprecherin von Terranets BW, die zusicherte, diese weiterzuleiten.
Hinhaltetaktik von Terranets seit Herbst 2025
Dennoch erhielt er erst auf zweimalige Nachfrage die Erwiderung, dass nun doch Hochstämme gepflanzt würden – und zwar im Winter 2026/27. „Die wollen mich mit ihrem Bla-Bla-Bla einfach nur hinhalten“, so K., inzwischen richtig sauer.
Erneut verfasste er im Juni 2026 ein Schreiben, in dem er darauf hinwies, dass das Gelände seit den Erdgasarbeiten 50 Zentimeter zu hoch ist, die Grenzmarkierungen nach wie vor fehlen, anstelle von Weidegras nur Unkraut wächst, Obst ohnehin nicht zu ernten ist und noch nicht einmal markiert wurde, wo die Gasleitung verläuft. „Ohne diese Markierungen können keine Pflanzungen vorgenommen werden“, erklärt K. frustriert. Die zweiwöchige Frist, die er der Firma Terranets BW setzte, verstrichen wiederholt ohne Antwort, genauso wie sein anschließendes Schriftstück an den Projektleiter.
Auch andere Grundstückseigentümer in Löchgau sind von den Maßnahmen betroffen und zutiefst verärgert - wie ein Grundstücksnachbar, der seine nun von Disteln und sonstigem Unkraut bewachsene Wiese nicht mehr als Futtermittel verwenden kann.
Stellungnahme von Terranets BW
Auf die Anfrage der BZ zum Stand der Rekultivierung entlang der verlegten Gasleitung in Löchgau antwortete Rebecca Penno, die Leiterin der Unternehmenskommunikation der Terranets BW in Stuttgart, Folgendes: „Der Bau von Gastransportleitungen ist wie alle Infrastrukturprojekte, die im öffentlichen Interesse liegen, mit Eingriffen in privates Eigentum verbunden. Daher ist es Terranets BW wichtig, Eingriffe so umsichtig wie möglich umzusetzen. Dafür ist Terranets BW mit allen betroffenen Eigentümern und Bewirtschaftern im direkten und persönlichen Austausch, um eine einvernehmliche Lösung zu erreichen.
Beim Bau von Neubauleitungen gilt grundsätzlich: Kein vom Bau Betroffener soll schlechter gestellt sein als vor dem Bau. Daher entschädigt Terranets BW alle im Zusammenhang mit dem Leitungsbau entstehenden Schäden – dazu zählen auch Pacht- und Ernteausfälle. Alle Flächen werden nach Abschluss der Baumaßnahme fachgerecht rekultiviert.
Im vorliegenden Fall sind wir unserem Anspruch, Anliegen zeitnah mit Eigentümern und Bewirtschaftern zu klären, nicht gerecht geworden. Wir haben im Anschluss an die Verlegung der Gasleitung im Jahr 2025 erste Rekultivierungsmaßnahmen umgesetzt. Weitere Rekultivierungsmaßnahmen, wie zum Beispiel die Pflanzung von Gehölzen, sind noch nicht umgesetzt. Aufgrund des heißen Sommers nimmt die fachgerechte Rekultivierung mehr Zeit in Anspruch als zuvor angenommen. Unser Ziel ist es, die betroffenen Flächen zeitnah angemessen zu rekultivieren und eine individuelle Lösung zu finden, die den spezifischen Bedingungen der Beteiligten gerecht wird. Wir streben eine zügige Klärung an. Wir bitten um Verständnis, dass wir Details im direkten Kontakt mit Betroffenen klären.“
