Im vergangenen Spätsommer hatte Friedrich Hampel vom Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung (IREUS) der Universität Stuttgart eine Haushaltsbefragung in Tamm zum Thema Klimawandel und dessen Folgen für die Stadtbewohner umgesetzt (die BZ berichtete). In der jüngsten Sitzung des Tammer Gemeinderat stellte er nun die Ergebnisse vor.
Tamm Größte Risiken sind Hitze und Starkregen
Eine Haushaltsbefragung zeigt, dass Bürgerinnen und Bürger in Tamm Handlungsbedarf bei der Stadtplanung sehen, um Auswirkungen des Klimawandels abzuschwächen.
„Wir haben eine Rücklaufquote von 16,3 Prozent. Das ist wirklich sehr gut“, lobte Friedrich Hampel das Engagement der Tammer Bürgerinnen und Bürger bei der Befragung. Dabei wurde deutlich, dass die Befragten vor allem Hitze und Hagel als deutlich steigende Risiken ansehen, die sie auch persönlich betreffen.
Es zeigte sich, dass sowohl die Ortskerne als auch Haltestellen als Orte mit den stärksten Hitzebelastungen empfunden werden. Die Parks in Tamm werden laut Befragung als deutlich wärmer eingestuft als das in anderen befragten Kommunen der Fall ist. Überraschenderweise werden die Arbeitsplätze in Tamm als nicht übermäßig warm empfunden, so die Ergebnisse der Befragung.
Stadt kühler gestalten
Rund 80 Prozent der Befragten seien bereit, auch privat für einen besseren Hitzeschutz des Hauses oder der Wohnung zu investieren. 96 Prozent finden, dass die Anpassung an Hitzewellen bei der Stadtplanung eine hohe Priorität haben solle. Zwar fühlten sich 79 Prozent der Befragten gut informiert über die Schutzmöglichkeiten vor Hitze, „aber nur 53 Prozent fühlen sich gut vorbereitet auf Hitzeperioden“, erklärte Hampel.
69 Prozent der Befragten haben ein Starkregenereignis miterlebt und 18 Prozent waren sogar davon betroffen. 83 Prozent der Betroffenen haben während des Starkregenereignisses in ihrem aktuellen Haus gelebt, doch nur 52 Prozent haben danach Schutzmaßnahmen getroffen. „Am häufigsten informieren sich die Befragten zu Schutzmaßnahmen über das Internet mit 21 Prozent. 13 Prozent gaben an, Informationsangebote öffentlicher Stellen zu nutzen“, erklärte Hampel.
Laut der Analyse des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung standen die Teilnehmer vielen möglichen Klimaschutzmaßnahmen positiv gegenüber. „Die Reduzierung der Flächenverbrauchsrate wird eindeutig befürwortet, ebenso wie die Pflanzung zusätzlicher Straßenbäume pro 100 Meter Straße, sagte Hampel. Eine Begrünung der Fläche im Straßenraum lehnten die Befragten jedoch ab. „Dadurch würden Parkplätze wegfallen“, ergänzte Hampel. „Ich tue mich schwer, das Ergebnis einzuordnen, die Mehrheit ist für Maßnahmen, aber wie sollen wir diese Aussagen jetzt greifen?“, fragte Wolfgang Günther (LLT).
„Das ist eine statistische Erhebung des Meinungsbildes. Ich kann ihnen deshalb jetzt nicht sagen, pflanzen sie hier einen Baum“, antwortete Hampel.
Klimawandel stärker im Blick
„Die Bereitschaft, auch Geld zu investieren in Maßnahmen, ist in der Bevölkerung da“, resümierte Karin Vogt (Grüne) die Inhalte der Befragung. Die Ergebnisse seien ein Ansporn, bei zukünftigen Bauvorhaben Themen wie die Begrünung der Fassaden mehr mit in den Blick zu nehmen und bei der Ausweisung neuer Wohngebiete auch an das Thema Starkregen zu denken. „Wir als Räte müssen uns dafür sensibilisieren und auch die Bürger in die Pflicht nehmen“, sagt Vogt.
Hitzeschutz und Schutz vor Starkregen wurden in privaten Haushalten vor allem dann nicht umgesetzt, wenn die Bewohner zur Miete wohnten, erklärte Hampel.
„Wir halten diese Informationen für sehr wichtig, denn in den nächsten Jahren werden diese Themen verstärkt auf uns zukommen und Entscheidungen von uns fordern“, sagte Jürgen Hottmann (AWV) zum Abschluss der Befragungsvorstellung.
