Mit einem 300 Seiten starken Dokument zum Haushaltsplan hat die Verwaltung die finanzielle Lage der Stadt zusammengefasst. Wie so viele andere Kommunen im Kreis muss auch Tamm sparen, denn die Ausgaben übersteigen die Einnahmen deutlich. Und so gaben die Fraktionen des Gemeinderats in der jüngsten Sitzung des Gremiums ihre Statements zum Haushaltsplan 2026 ab.
Tamm Haushalt 2026: Sparzwang, aber kein Stillstand
Der Gemeinderat Tamm hat den Haushaltsplan 2026 verabschiedet. Ein Minus von 8,73 Millionen entsteht, doch das Gremium ist zuversichtlich.
Ein Minus von 8,73 Millionen Euro steht im Tammer Haushaltsplan und das entsteht durch deutlich gestiegene Kosten und auf der anderen Seite geringere Einnahmen. Gerade die deutlich gesunkene Gewerbesteuer sowie die erhöhte Kreisumlage sind mit ein Grund für die angespannte Haushaltslage. Jürgen Hottmann (AWV) schlug deshalb in seinem Statement vor, dass man die Erweiterung des Gewerbegebiets um den Bauhof noch „intensiv diskutieren“ solle. Die Aufgabe sei jetzt „bei den Pflichtaufgaben die Kosten zu minimieren“ und die „freiwilligen Leistungen der Stadt zurückzufahren“, betonte Hottmann. Gerade bei den hohen Personalkosten, die mit rund 15 Millionen Euro den Haushalt belasten hofft Hottmann auf Einsparungspotenzial wie zum Beispiel beim Personal in den Kindergärten und bei der Gebäudereinigung.
Grundschule und Feuerwehr
Zwei weitere große Posten im Haushalt, sind die Fertigstellungen zweier Gebäude: dem Feuerwehrgerätehaus und der Grundschule Hohenstange. Dabei fallen Kosten in Höhe von 8,85 Millionen Euro an. „Es könnte schlimmer sein. Bleiben wir optimistisch. Es werden bestimmt auch wieder bessere Jahre folgen“, blickt Hottmann zuversichtlich in die kommenden Jahre.
Auch Wolfgang Günther (LLT) sieht in den Sparaufgaben, die nun auf Tamm zukommen große Herausforderungen: „Wir müssen darauf achten, dass Einsparungen sozial ausgewogen, nachvollziehbar und langfristig tragfähig sind.“ Dabei konstatiert er der Verwaltung eine gute Arbeit: „Die Stadt spart gezielt und verantwortungsvoll.“ Doch regte er an, bei den Einnahmequellen nochmals genauer hinzusehen. Man müsse den „Mut haben sich von Gebäuden im Stadtbesitz zu trennen, für die es keine zwingende kommunale Nutzung mehr gibt“ und nannte als Beispiele das alte Feuerwehrgebäude, die Bücherei am Kelterplatz sowie das Gebäude in der Rathausgasse. Ebenso wie Hottmann betonte Günther, dass man sich weiterhin für den Schanzacker und gegen die dortige Bebauung einsetzen wolle.
„Tamm entwickelt Zukunft: Wir gestalten sie bewusst und verantwortungsvoll“, betonte Dr. Dietmar Zeh (CDU). Er hob unter anderem das Thema Mobilität hervor mit dem Ausbau von Fuß- und Radwegen und der Verbesserung der Verkehrsführung. „Gerade Fragen der Übersichtlichkeit und der sicheren Schulwege zeigen, dass hier weiterer Handlungsbedarf besteht“, so Zeh. Mit Blick auf den Ausbau des Nahwärmenetzes betonte Zeh: „Die Umstellung auf alternative Energieträger ist wichtig.“
Er bedauerte, dass große Investitionen wie das neue Feuerwehrgerätehaus oder die Grundschule Hohenstange „in nächster Zukunft sicher nicht möglich sein werden“. Doch gleichzeitig forderte er: „Diese Situation darf nicht zum Stillstand führen. Sie darf nicht bedeuten, dass wir uns auf ein reines Verwalten zurückziehen.“ Es sei wichtig in Tamm „Räume für Begegnungen zu schaffen“ und da sei die neue Bibliothek ein wichtiger Punkt. Die Kosten für diese betragen im diesjährigen Haushalt 400.000 Euro.
„Tragfähiger Kompromiss“
Karin Vogt (Grüne) bezeichnete den Haushaltsplan 2026 als „angespannten, aber insgesamt tragfähigen Kompromiss“. Allerdings bleibe er hinter den Erwartungen zurück. Sie erklärte „Klimaschutz ist keine Kür, sondern Pflichtaufgabe“ und bedauerte, dass die geplante Photovoltaik-Anlage auf dem Parkplatz der Realschule nicht realisiert wird. Das Projekt hätte „eine effiziente Nutzung bereitsversiegelter Flächen und wirtschaftliche Vernunft miteinander verbunden“. Dem widersprach Bürgermeister Martin Bernhard klar: „Wenn sie wirtschaftlich wäre, wäre ich der Letzte der es nicht umsetzt.“ Kritisch sah Vogt auch die Reduzierung der Ausgaben für die Unterhaltung der Gebäude. „Wäre nicht jeder Cent in die Sanierung von Gebäuden eine gute und nachhaltige Investition?“, fragte sie und verwies auf den Sanierungsstau bei der Sporthalle Maystraße, der „letztendlich zu höheren Kosten“ geführt habe. Sie wünschte sich, dass man bei aller notwendigen Haushaltsdisziplin den „sozialen Zusammenhalt im Blick“ behalten müsse und das „freiwillige Leistungen, Vereine, kulturelle Angebote und ehrenamtliches Engagement keine verzichtbaren Extras“ seien.
Es gibt viel zu tun
„Infrastruktur auszubauen und vorhandene Ressourcen nutzen wird unsere Aufgabe bleiben“, sagte Esther Krain (SPD) mit Blick auf den Haushalt. So zeigte sie gleich mehrere Themen auf, die in der Zukunft angegangen werden sollten, wie zum Beispiel die Weiternutzung des Gebäudes in der Heilbronner Straße 92, die Umgestaltung des Quartierplatzes und der geplante Bürgergarten im Egelsee. „Es gibt nach wie vor viel zu tun, einiges muss angepackt werden und manches weiterhin warten. Was nicht warten darf und sollte sind Themen wie die Verkehrssicherheit für alle“, sagte Krain. Wie ihre Vorredner bedankte sie sich für die gute Arbeit der Verwaltung und den intensiven Austausch zum Haushalt.
Der Tammer Gemeinderat stimmte dem Haushaltsplan 2026 einstimmig zu.
Liquide Mittel und Schulden in Tamm
Lag die Pro-Kopf-Verschuldung 2024 in Tag noch bei 13 Euro, so wird sie nun in den kommenden Jahren deutlich ansteigen. 781 Euro werden es 2025 sein. Für dieses Jahr rechnet die Verwaltung dann mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 1220 Euro, die sich voraussichtlich bis 2029 auf 1790 Euro steigern werde.
Die liquiden Mittel, die der Stadt zur Verfügung stehen, gehen in den kommenden Jahren stark zurück. Waren es 2024 noch rund 24 Millionen Euro, so kann die Verwaltung 2026 nur noch auf knappe 16 Millionen zurückgreifen, die bis 2029 voraussichtlich auf rund sechs Millionen Euro zurückgehen werden.
