Einer der Hauptangeklagten im Prozess um Bestechung in der Staatsanwaltschaft Stuttgart durch Leute aus der Sicherheitsbranche hat der verbotenen rockerähnlichen Gang „Red Legion“ angehört. Das berichtete am siebten Verhandlungstag ein darauf spezialisierter Polizeibeamter.
Tamm/Stuttgart Zeuge: Angeklagter war einst bei verbotener Kurden-Gang
Zwei Männer einer Sicherheitsfirma stehen wegen Bestechung vor Gericht. Ein Zeuge brachte wenig Licht ins Dunkel.
Brüllender Gorilla-Kopf
Der Angeklagte trage auch das ursprüngliche Logo der Gruppierung: ein brüllender Gorilla-Kopf, auf der linken Wade als Tattoo, berichtete der Ermittler weiter. Ein weiteres Tattoo auf der Brust – „1% no merci“ – sei eine Symbolik der Rockerbande Hells Angels und stehe für die Überzeugung, man stehe außerhalb der normalen Gesellschaft. 2009 sei der Angeklagte Vizepräsident der „Black Jackets“ und an Straftaten beteiligt gewesen, bevor er nach 2013 „die Seiten wechselte und sich der ‚Red Legion‘ anschloss“. Zunächst seien diese Gruppierungen eher Straßengangs gewesen, später wurde es politisch. Die mehrmals den Namen wechselnde kurdisch geprägte und strukturierte „Red Legion“ stand in zahlreichen Auseinandersetzungen mit den nationaltürkisch geprägten „Osmanen Germania“.
Dagegen finden sich keine Bezüge zu diesen Gruppen und dem Wachtmeister sowie dem zweiten Hauptangeklagten aus der Sicherheitsbranche, sagte der Beamte auf Nachfragen einiger Verteidiger. Dieser 36-jährige Mitangeklagte ließ durch einen seiner drei Verteidiger kurz und knapp erklären, dass die Vorwürfe gegen ihn so stimmten, wie sie in der Anklageschrift aufgeführt seien, es tue ihm leid und er übernehme dafür die Verantwortung.
In Anschläge verwickelt?
Die beiden Kollegen aus einer Sicherheitsfirma stehen wegen Bestechung eines Wachtmeisters und einer Mitarbeiterin einer Geschäftsstelle der Staatsanwaltschaft vor Gericht. Darüber hinaus verdächtigt die Staatsanwaltschaft die beiden, in die Streitigkeiten der Sicherheitsbranche mit Brandanschlägen und Auftragsmorden involviert zu sein. Dabei wurde in Tamm ein Mitarbeiter schwer verletzt. Das Verfahren endete für die Auftragskiller aus den Niederlanden vor Kurzem vor dem Landgericht Heilbronn mit langjährigen Haftstrafen.
Wenig Licht ins Dunkel konnte der letzte Zeuge an diesem Verhandlungstag bringen. Der Betreiber eines Sicherheitsdienstes aus Reutlingen hatte vom Hörensagen die Information an die Polizei gegeben, dass es zwischen zwei Sicherheitsfirmen zum Streit wegen unbezahlter Rechnungen in Höhe von bis zu 700.000 Euro gekommen sei. Er vermutete, dass die einen daraufhin beschlossen, sich ihr Geld mit Gewalt von den anderen zu holen. Petra Häussermann
