Wenn es draußen regnet und die Blätter im Wind treiben, dann soll die neue Bücherei in Tamm ein Ort sein, an dem man sich gerne aufhält. „Vielleicht sitzt dann jemand am Fenster mit einem Buch oder auch einem Tablet in der Hand. Es regnet ein wenig an die Scheibe, es ist ein krisseliger Herbsttag – und trotzdem fühlt man sich wohl in den Sesseln, im ganzen Ambiente und in der Atmosphäre, die wir geschaffen haben“, sagt die Tammer Büchereileiterin Stefanie Uhl.
Tamm Zukunft der Bücherei: Neues Konzept „Open Library“ geplant
Umzug, neues Konzept, mehr Möglichkeiten: Ab 2026 öffnet die Bücherei Tamm im Neubau gegenüber dem Rathaus.
Für sie steht fest: Die neue Bücherei soll nicht nur ein Haus für Bücher sein, sondern vor allem ein „Ort des Seins“. Noch ist Geduld gefragt. Ende Mai 2026 soll der Umzug in das neue Gebäude gegenüber dem Rathaus abgeschlossen sein. Geplant ist ein moderner Bau mit deutlich mehr Platz, barrierefreiem Zugang und neuen Aufenthaltsmöglichkeiten – darunter ein Lesegarten. Mit dem Umzug verbunden ist auch ein Abschied von alten Medien: CDs und DVDs werden künftig nicht mehr angeboten. Im Vordergrund steht die Aufenthaltsqualität. Uhl spricht vom Konzept des „dritten Ortes“ neben Zuhause und Arbeit – ein Raum, in dem man sich ohne Verpflichtung aufhalten, Kontakte knüpfen oder eine kleine Auszeit nehmen kann. „Hier werde ich als Mensch wahrgenommen und als Mensch angenommen“, beschreibt sie das Leitbild.
„Open Library“ erweitert Nutzungsmöglichkeiten
Ein Kernstück der Neuausrichtung ist die sogenannte „Open Library“. Sie ermöglicht den selbstständigen Zugang zur Bücherei auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten. Der Eintritt erfolgt künftig über Chipkarte und RFID-System – ein drahtloses Identifikationsverfahren, das Funkwellen nutzt –, ergänzt durch Kameratechnik. „Das ersetzt keine Mitarbeiter. Die persönliche Beratung, der Kontakt und die Unterstützung bleiben im Vordergrund“, betont Uhl.
Mit einem Schmunzeln bezeichnet sie die Rolle ihres Teams als „eierlegende Wollmilchsau“ – eine Anlaufstelle für jedes Anliegen. Der Grundgedanke sei stets, der Öffentlichkeit etwas zurückzugeben und niedrigschwellige Angebote zu schaffen. „Ich würde mich freuen, wenn man, sobald man etwas braucht, zuerst an die Bücherei denkt – ob Neubürger-Infos, eine Krabbelgruppe oder ein Sportangebot“, sagt sie. Ihre Überzeugung speist sich auch aus internationalen Eindrücken. Die British Library in London sei für sie ein Vorbild: „Dort findet alles statt.“ Diese Offenheit und gesellschaftliche Verankerung wünscht sie sich auch für Tamm.
Bildung, Teilhabe und neue Ideen für die Gemeinde
Gleichzeitig sieht Uhl die Einrichtung als wichtigen Baustein für Bildung und Chancengleichheit. „Nicht jedes Kind hat zuhause Ruhe- oder Rückzugsräume. Manche haben keinen Laptop, um beispielsweise eine Präsentation oder Bewerbung zu schreiben“, erklärt sie. In der Bücherei gebe es die Möglichkeit, Technik zu nutzen, zu lernen und zu arbeiten – ohne Leistungsdruck oder Bewertungssystem, aber mit gleichen Chancen. So könne die Bücherei ein zweiter Bildungsort neben der Schule werden.
In zehn Jahren sieht Uhl die Bücherei als lebendigen Treffpunkt des Gemeindelebens – mit ruhigen Angeboten, größeren Veranstaltungen und Literatur im Zentrum. „Es gibt wenig, was schöner ist, als von Büchern umgeben zu sitzen und seinen Tag zu genießen.“
