Tanz in Ludwigsburg Schwebende Paare und Techno-Beats

Von Michael Soltys
Die São Paulo Companhia de Dança  ist im Forum in Ludwigsburg ein gern gesehener Gast. Foto: /Iari Davies

Der Auftritt der São Paulo Companhia de Dança im Forum am Schlosspark wurde von den Zuschauern und Zuschauerinnen bejubelt.

Die São Paulo Companhia de Dança ist ein gern gesehener Gast im Ludwigsburger Forum. Zuletzt sorgte die Tanztruppe aus Brasilien im vergangenen Jahre mit ihren Choreografien für großen Jubel. Das war auch am vergangenen Wochenende nicht anders, als das von Inês Bogéa geleitete Ensemble an zwei Abenden im Forum gastierte. Minutenlang gab es Beifall für die Athletik, die makellose Synchronität und die Eleganz der rund 30 Tänzerinnen und Tänzer.

Für ihren diesjährigen Auftritt hatte die Companhia zwei ihrer jüngsten Produktionen mit nach Ludwigsburg gebracht, die erst vor kurzem uraufgeführt wurden: „Ataraxia“ des Kubaners George Céspedes und „I’ve Changed My Mind“ des israelischen Choreografen Shahar Binyaminis, der aus dem Stuttgarter Theaterhaus bekannt ist.

Bekanntes von Marco Gecke zu Beginn

Für den Beginn des Abends setzte die Companhia allerdings auf Bekanntes: „Le Chant du Rossignol“ (Der Gesang der Nachtigall), ist ein Tanz des in Stuttgart bestens bekannten Choreografen Marco Goecke, der er bereits 2009 für das Leipziger Ballett kreiert hat.

Harte Schwarz-Weiß Kontraste entstehen, wenn sich die Tänzer im direkten Licht dreier Scheinwerfer bewegen, das sie von oben trifft. Nur selten wird einer der Körper in wärmeres Licht gesetzt. Aus dem Nebel treten Paare und Gruppen hervor, mit vibrierenden, unruhigen, flirrenden, zitternden Bewegungen und Drehungen. Mal Flügel schlagend, mal wie mit einem Lineal gezogen. Erst unter einem sanften Regenschauer, der auf die Bühne des Forums niedergeht, kommen die Tänzer zur Ruhe, untermalt von der Musik Igor Strawinskys.

Welch ein Gegensatz zum zweiten Stück des Abends. Maurice Ravels „Le Tombeau de Couperin“ und Hans Zimmers Musik zu „Blade Runner“ geben unter anderem Takt und Rhythmus vor. Die Kostüme der Tänzer erinnern von hinten an die Bemalung urzeitlicher Völker. Vielleicht im brasilianischen Urwald? Es ist ein Hinweis auf die Zeitlosigkeit des Gegensatzes von Individuum und Gruppe. Aus kreisenden Bewegungen über der Erde isolieren sich einzelne Paare, die tänzerisch das Thema der Beziehungen variieren, innig und fremd, intensiv und kühl. Mit Geräuschen, die an Bagger, Züge und Blitze erinnern, bricht die Moderne ein.

Schwebende Umarmungen sind die stärksten Momente

Die Hebungen, die mal tastenden, mal hastigen Bewegungen aufeinander zu und voneinander weg, die schwebenden Umarmungen der Paare: Sie gehörten zu den stärksten Momenten des Abends. Ebenso wie der Schluss, der die Choreografie perfekt umsetzt. Vor blutrotem Hintergrund finden sich die Tänzer wieder zur Gruppe zusammen, in einem Miteinander von fließenden, harmonischen Bewegungen.

Hip-hop, Punk und Techno-Beats bilden die Begleit-Musik zu „Ataraxia“. Ist das ironisch gemeint? Denn mit „Seelenruhe“, wie der Titel ins Deutsche übersetzt heißt, hat die Choreografie wenig zu tun. Ihre Stärke ist die Synchronisierung des Balletts.

Im Rechteck formiert, beobachtet und kommentiert die Truppe den „Breakdance“ Einzelner in ihrer Mitte. Digitales Zucken durchzieht die Körper. Wie das Publikum eines Konzerts bewegen sich die Tänzer zu den simplen Rhythmen zwischen Punk und Heavy Metal, stampfen auf den Boden, schwingen die Arme über dem Kopf.

Vollendete Einheit zu Techno-Beats

Vollends zur Einheit formieren sich die Körper, wenn minutenlang Techno-Beats ertönen. Wieder spielt das Licht in der Inszenierung eine zentrale Rolle: Schmale weiße Streifen erinnern an das „Null und Eins“ des digitalen Zeitalters. Das wirkt am Schluss etwas eintönig, aber das hat Techno wohl so an sich.

 
 
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