Es war ein echter Derby-Kracher auf neutralem Boden: Die Latein-Formationen der TSG Bietigheim und des TSC Residenz Ludwigsburg lieferten sich einen harten Kampf um den Podestplatz beim Saisonauftakt der 1. Bundesliga.
Tanzen Platz drei nach Ziffernpatt
Das knappe Derby-Duell zwischen den Latein-Formationen aus Bietigheim und Ludwigsburg verspricht auch für die kommenden Bundesliga-Turniere höchste Spannung.
Beim ersten Ligaturnier 2026 im niedersächsischen Buchholz musste eine neu eingeführte Regelung sogleich angewandt werden: Sie entscheidet die Platzierung bei Punktegleichheit und besagt, dass im genannten Fall der Wertung in den beiden Kategorien „Technische Qualität“ und „Bewegung zur Musik“ ein höherer Stellenwert zugedacht wird. Die acht Wertungsrichter hatten im großen Finale am Samstagabend den beiden Teams die gleichen Platzierungsziffern vergeben und somit ein Patt verursacht. Weil die TSG Bietigheim aber in den höher eingestuften Kategorien vorne lag, wird sie in der Ergebnistabelle nun auf Rang drei geführt. Die Tänzerinnen des TSC Residenz müssen sich mit Platz vier begnügen, sind den Nachbarn aus Bietigheim aber dichter auf den Fersen als noch bei der Deutschen Meisterschaft im November, als die Formation bereits angekündigt hatte, den Platz auf dem Treppchen angreifen zu wollen.
Neue Regelungen zu Saisonbeginn
Auch wenn sie ihnen in diesem Fall zum Vorteil war, zeigt sich TSG-Trainer Stefan Cramer im Gespräch mit der BZ nicht allzu begeistert von der neuen Regelung. Hintergrund ist, dass die vier Wertungskategorien zu zwei Zweierpaketen zusammengefasst und den Wertungsrichtern zugeordnet werden. So kümmern sich vier Juroren um die technische Qualität und die Bewegung zur Musik und die anderen vier Juroren um die sogenannten „Teamskills“ sowie Choreografie und Präsentation. Dass also nicht mehr alle Juroren alle Kriterien in ihre Gesamtbewertung einfließen lassen dürfen bzw. müssen, sieht Cramer kritisch. Das kann zur Folge haben, dass die Platzierungen, die die Juroren vergeben, weiter auseinander liegen als bisher gewohnt. So hatte die TSG – ebenso die Residenz – jeweils Wertungen zwischen Zwei und Fünf. Sprich: Mancher Kampfrichter stufte das Team als zweitbestes aller Teilnehmer ein, manch anderer nur als fünftbestes. Normalerweise lägen die Platzierungen nur um maximal einen Platz über oder unter dem Durchschnitt, erläutert Stefan Cramer.
Große Zufriedenheit
Diese Wertungsmethode kennt die Branche bereits von der Deutschen Meisterschaft, wo sie ebenfalls angewendet wird – allerdings mit zwölf Juroren und zwei Streichergebnissen. „Extreme Wertungen werden in der Liga nicht rausgefiltert“, bedauert Cramer. Das übertrage jedem Juror mehr Macht.
Mit der Leistung seiner Mannschaft ist der langjährige TSG-Trainer aber sehr zufrieden. Die neue Kür „Electric Love“ habe sich gut entwickelt, „wir tanzen stabiler, kompakter und langsam geht sie in Fleisch und Blut über“, hat Cramer beobachtet. Die Mannschaft sei sehr gut zusammengewachsen, am Turniertag leicht zu coachen gewesen und habe zeigen können, was sie sich vorgenommen hätte. In seinem Team sieht er das Potenzial, die Qualität noch weiter auszubauen, denn um Ludwigsburg in Schach zu halten und gleichzeitig peu à peu den Angriff auf die zweitplatzierten Buchholzer zu starten, „muss die Kür exzellent werden“, weiß Cramer.
An der Tabellenspitze blieb auch am Samstagabend alles wie gehabt: Als Seriensieger grüßt das A-Team des Grün-Gold-Clubs Bremen seit Jahren nicht nur vom Liga-Thron, sondern hat im November auch wieder seinen Weltmeistertitel verteidigt. So war es also keine Überraschung, dass auch der Sieg beim Bundesligaauftakt nur über die Bremer ging. Dahinter hat sich Blau-Weiss Buchholz mittlerweile auf dem zweiten Platz etabliert und das vor heimischer Kulisse erneut bestätigt. Der neue Derby-Kracher bringt hingegen Spannung in den Kampf um Platz drei.
Spannung vor nächstem Duell
Für den kommenden Wettbewerb in Ludwigsburg verspricht dieses Duell Hochspannung im Hexenkessel, wenn zwar die Residenz aus ihrem Heimvorteil Kapital schlagen will, die Bietigheimer aber auch zahlreiche Fans vor Ort dabei haben werden. Knappe Ergebnisse seien zwar nie das Ziel eines Sportlers, weiß Stefan Cramer, doch als leistungsorientierte Tänzer ziehen sie zusätzliche Motivation aus dem engen Duell und hoffen, sich von der Konkurrenz weiter absetzen zu können. Für die Zuschauer verspreche das noch mehr Unterhaltung und Spannung, glaubt der Coach und ist überzeugt, dass seine Mannschaft top vorbereitet nach Ludwigsburg fahren wird.
