Tanzen TSG Bietigheim verpasst den zweiten Platz nur knapp

Von Sandra Bildmann
Die Latein-Formation der TSG Bietigheim zeigte am Samstag eine herausragende Leistung. Fast hätte es dabei sogar für Platz zwei gereicht. Doch auch Rang drei im Heim-Turnier ist ein voller Erfolg. Foto: /Oliver Bürkle

Punktgleich mit Blau-Weiß Buchholz landen die Bietigheimer bei ihrem Heim-Turnier am Ende auf Rang drei.

So knapp war es noch nie. Duellierte sich die Latein-Formation der TSG Bietigheim zu Saisonbeginn noch mit dem TSC Residenz Ludwigsburg um Platz drei, muss sich nun die Konkurrenz auf Platz zwei in Acht nehmen. Stück für Stück rückten die Bietigheimer dem Team von Blau-Weiss Buchholz auf die Pelle. Dass deren Position in der Liga keine Selbstverständlichkeit mehr ist, wurde spätestens am Samstagabend in der Sporthalle am Viadukt deutlich, als die TSG Bietigheim erstmals punktgleich gewertet wurde: Vier Wertungsrichter sahen Bietigheim auf Zwei und Buchholz auf Drei, die vier anderen Juroren waren umgekehrter Meinung. So ergab sich ein Platzierungspatt, der nur deshalb zu einer Rangliste führte, weil in einem solchen Fall die Wertungskategorien unterschiedlich gewichtet werden.

Zum wiederholten Male ein Gleichstand

Nicht zum ersten Mal in diesem Jahr musste das zur aktuellen Saison neu eingeführte Regelwerk bemüht werden, um bei Gleichstand zu entscheiden. Statt wie früher sieben Wertungsrichter, werden nun acht eingesetzt. Vier nehmen oben auf der Tribüne Platz und beurteilen die sogenannten „Teamskills“ und den Bereich von Choreografie und Präsentation. Unten am Rand des Parketts beobachten die anderen vier Juroren das Geschehen und bewerten die Kategorien „technische Qualität“ und „Bewegung zur Musik“. Letztgenannte Kriterien werden bei Gleichstand priorisiert. Ob das ausgerechnet in der Disziplin des Formationstanzens die richtige Entscheidung des Verbands war – darüber ist man in der Szene geteilter Meinung.

In der Viadukthalle entschieden nach sportlichem Patt also die Regeln, dass Buchholz auf Platz zwei und Bietigheim auf Rang drei geführt werden. In der technischen Qualität kann die TSG also noch zulegen, hinsichtlich Choreografie, Präsentation und Teamfähigkeiten haben die Bietigheimer jetzt schon die Nase vorn. „Wir waren sensationell gut, das war unser bester Durchgang des Jahres“, schwärmte Cheftrainer Stefan Cramer hocherfreut und fügte zwinkernd an: „Besser geht’s immer, aber heute nicht.“ Das Ergebnis nähmen sie nun als Lob und Arbeitsauftrag mit zum Abschlussturnier der Saison: „Nächste Woche haben wir nochmal eine Chance.“

Abstieg für Ludwigsburg trotz Verbesserung

Nach drei von fünf Bundesligaturnieren herrschte bereits im Vorfeld des Wettkampfs im Ellental Klarheit über Tabellenspitze und Abstiegszone. Der Sieg ging erneut einstimmig an den Weltmeister, das A-Team des Grün-Gold-Clubs aus Bremen. Im Mittelfeld setzte sich der TSC Residenz Ludwigsburg auf Platz vier deutlich vom Bremer B-Team ab. Dahinter konnte die Formation des 1. TC Ludwigsburg zwar den kleinen Heimvorteil nutzen und verbesserte sich in der Tageswertung von Platz sieben auf sechs. Die Mannschaft des Trainerquintetts um Rainer Schönamsgruber hat im Kampf um den Klassenerhalt aber nur noch theoretische Chancen. Der Aufsteiger vom niedersächsischen TSC Walsrode wird seine Choreografie „Beautiful“ auch nächste Saison in der ersten Liga zeigen dürfen. Für den 1. TC Ludwigsburg hingegen wird das Heimturnier am kommenden Samstag in der Rundsporthalle zur Abschiedsvorstellung aus dem Oberhaus. Am Ende des Feldes landeten erneut die Gäste der TSG Bremerhaven, die somit aller Voraussicht nach ebenfalls absteigen werden.

Nach den sportlichen Ereignissen wurden im Rahmen der Siegerehrung des Turniers auch weitere Auszeichnungen vorgenommen. Zunächst überreichte Matthias Müller, Präsident des Sportkreises Ludwigsburg, Turnierleiter Jörg Weindl zu dessen eigener Überraschung für sein ehrenamtliches Wirken die silberne Ehrennadel des Württembergischen Landesportbunds. Im Anschluss wurden einige Tänzerinnen und Tänzer ausgezeichnet, darunter auch Tim Diehl, Deborah Tripi, Laura Agliano, Dhurata Hoxha und Jessica Haug von der TSG Bietigheim für jeweils 50 Turnierteilnahmen. Bei nur fünf Ligaturnieren im Jahr umso erstaunlicher, denn das Quintett im Alter zwischen 19 und 24 Jahren bleibt dem Formationstanzen damit schon seit über zehn Jahren treu. Die vier Frauen haben alle vor etwa 13 Jahren bei der TSG mit dem Tanzen begonnen. Nach der Kinderformation wechselten sie ins C-Team, das in der Landesliga antritt, und arbeiteten sich allesamt ins A-Team hoch.

Deutsche Meisterschaft 2027 in Bietigheim

„Das ist so cool“, sprudelte es aus der Jüngsten, Deborah Tripi, heraus, „wahrscheinlich checke ich das erst, wenn ich 40 bin, dass ich das mit 19 schon geschafft habe.“ Jessica Haug sagte: „Es ist schön, diese Anerkennung für die Arbeit und Entwicklung der letzten Jahre zu bekommen.“ Für Laura Agliano ist es „einfach krass“ und „ein Meilenstein“, dieses Ziel erreicht zu haben, erzählte sie und fügte hinzu: „Die 100 muss noch geknackt werden!“ Alle wollen sie noch jahrelang bei der TSG weitertanzen. Zumal am Samstagabend ein weiteres Highlight verkündet wurde: Im November 2027 wird die TSG Bietigheim in der Ege-Trans-Arena Gastgeber der Deutschen Meisterschaft im Formationstanz sein.

 
 
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