So mancher Zuschauer hatte bei den ersten beiden Saisonturnieren der Latein-Formationen in der Ersten Bundesliga beim Blick auf die Bewertungen verwundert die Augenbrauen hochgezogen: Insbesondere das Urteil über die Auftritte der TSG Bietigheim und des TSC Residenz Ludwigsburg waren geprägt von Uneinigkeit unter den Juroren, die mit ihren Einschätzungen - auch derselben Kategorie - oft beträchtlich auseinander gingen.
Tanzen TSG-Formation wird Dritte in Bremen
Das Bundeliga-Team des TSG Bietigheim verbesserte sich damit im Vergleich zum vorherigen Turnier. Gastgeber Grün-Gold-Club Bremen dominiert das Heim-Turnier.
Ganz anders zeigte sich die Lage nun am vergangenen Samstag beim Turnier in Bremen: Kein Jurymitglied setzte die Bietigheimer mehr auf den vierten oder gar fünften Platz.
Bietigheimer von der Jury besser bewertet als zuletzt
Alle Bewertungen sahen das Team weiter vorne, dreimal bekam es sogar die „Zwei“. Dem Ziel, sich deutlicher von Ludwigsburg abzusetzen und sich peu à peu an die bislang stets Zweitplatzierten von Blau-Weiss Buchholz heranzupirschen, kommen die Tänzerinnen und Tänzer immer näher. Die Niedersachsen hatten es sich auf dem Platz des ersten Verfolgers von Seriensieger Bremen bislang gemütlich eingerichtet, doch die Performances der TSG Bietigheim, die mit ihrer zu dieser Saison neu entwickelten Kür „Electric Love“ ihren Schwierigkeitsgrad nochmals deutlich erhöht hatten, fordern Buchholz zunehmend heraus. Mittlerweile tanzen die acht Paare ihre Choreografie noch durchgängiger, harmonischer und souveräner.
Als besonders gelungen befand TSG-Cheftrainer Stefan Cramer am Samstagabend, dass die Mannschaft noch kompakter und präziser aufgetreten sei und das Thema in der Musik noch besser vertanzt habe. „Wir selbst hatten das Ziel, mit einer sehr guten Leistung unseren Weg und unsere Entwicklung deutlich zu machen. Das ist gut gelungen“, resümierte Cramer, der nach einer sehr guten Vorrunde die Leistung im Finale nochmals als Steigerung empfand.
Auch Team-Captain Leni Baur war super zufrieden: „Ich denke, wir können das Ergebnis als eine Art Sprungbrett sehen. Unsere Arbeit wurde mit der Wertung belohnt und wir können uns jetzt trauen, zuhause anzugreifen.“ Am Turniersieg des Gastgebers bestand indes erneut kein Zweifel. Das A-Team des Grün-Gold-Clubs Bremen erhielt für seine Darbietung „Last Dance“ wieder die Höchstwertung von acht Einsen. Hinter Buchholz und Bietigheim landeten diesmal der TSC Residenz und das Bremer B-Team auf einem geteilten vierten Platz. Im Unterschied zum Platzierungspatt zwischen Bietigheim und Ludwigsburg zu Saisonbeginn, als die TSG in den höher gewichteten Kategorien vorne lag, konnten die Platzierungen diesmal nicht eindeutig vergeben werden. Da auch innerhalb der Wertungsbereiche Gleichstand herrschte, wurde der fünfte Platz nicht vergeben.
1. TC Ludwigsburg vor Abstieg in die zweite Liga
Im kleinen Finale gab es indes keine Verschiebungen: Aufsteiger TSC Walsrode hat seinen sechsten Rang vor dem 1. TC Ludwigsburg verteidigt und hat damit mehr als eine Hand am Klassenerhalt, während es für die Mannschaft um Trainer Rainer Schönamsgruber mit seiner Kür „Iconic“ fast unmöglich wird, den Abstieg in die zweite Bundesliga zu verhindern. Erneut am Ende des Feldes rangierte die Formation der TSG Bremerhaven. „Das Gefühl, das wir in der Mannschaft hatten, war Gänsehaut pur“, sagte die langjährige Tänzerin Laura Agliano, „es war noch nicht die beste Leistung im Finale und wenn wir da noch etwas drauf legen, werden wir dieses Ergebnis vielleicht noch an unserem Heimturnier toppen können.“
Mit dem geht es nämlich am 28. Februar weiter, wenn die TSG die Konkurrenz in der Viadukthalle empfängt. Auch Stefan Cramer ist mehr als zuversichtlich: „Mit einer Platzierung so nah an Buchholz haben wir nicht gerechnet, aber sie natürlich erhofft. Nun bringen wir die Spannung nach Bietigheim. Wir arbeiten konsequent weiter und wollen es daheim natürlich so spannend wie möglich machen.“
