Thementag in Kirchheim Der Demenztest hat’s in sich

Von Gabriele Szczegulski
Von links: Patrizia Mecheels, Andrea Fritz und Sibylle Zimmer repräsentieren das Soziale Netzwerk Kirchheims. Foto: Oliver Bürkle Foto:  

Bei einem Parcours von Schülern können Besucher selbst erfahren, wie Kranke sich fühlen. 

„Muss ich mir Sorgen machen, dass ich eine beginnende Demenz habe?“, fragt eine Besucherin des Demenz-Thementages im Christof-Weiss-Haus in Kirchheim. Sie hat mehrere der Test auf dem Demenzparcours absolviert und es geht ihr wie vielen anderen der insgesamt 70 Besuchern: Es ist ganz schön schwierig, ein Spielzeugauto über gemalte Straßen zum Eiffelturm zu führen und zwar spiegelbildlich. Denn die Aufgaben sind in Holzkästen versteckt und der Tester sieht das Bild in einem Spiegel an der Rückseite des Kastens. Alle zehn Tests sind schwierig und lassen verzweifeln.

Die meisten scheitern an dem Demenzparcours

Immer gibt es zuerst eine Geschichte mit Seniorin Erna, die an ihrer Vergesslichkeit, Konzentrationslosigkeit und Verwirrtheit im Alltag verzweifelt, dann müssen die Geschicklichkeitsaufgaben erfüllt werden – vielmehr scheitern die meisten daran. Der Parcours ist dem interaktiven Weg „Demenz begreifen“ des Diakonischen Werks nachempfunden. „Genauso fühlen sich Demenzkranke“, sagt die 15-jährige Hevat Türe aus der neunten Klasse der Schule auf dem Laiern, als eine Testerin wieder kopfschüttelnd aufgibt. „Es geht nicht darum, es zu schaffen, sondern zu merken, so fühlt sich ein Demenzkranker“, versucht sie zu trösten.

In Kooperation mit der Gemeinde haben die Neuntklässlerinnen diesen Parcours aufgebaut. „Diese Tests sind so konzipiert, dass jeder sich so fühlt, wie ein Demenzkranker, der sich in dieser Situation befindet“, sagt Andrea Fritz vom Sozialen Netzwerk Kirchheim. Gemeinsam mit Sibylle Zimmer von der evangelischen Kirche und Patrizia Mecheels von der Ortsgruppe des Deutschen Roten Kreuzes bildet sie ein Dreierteam. Der Thementag in Kooperation mit der Schule auf dem Laiern findet zum ersten Mal statt. Abends gab es einen Vortrag von Dr. Daniel Kopf, Altersmediziner am Krankenhaus Bietigheim-Bissingen. Unter dem Titel „Demenz – Außen- und Innenansichten, Vorbeugen und Hilfe“ erklärte er die Erkrankung.

„Unser Ziel ist es, jung und alt zusammenzubringen, generationenübergreifende Projekte zu starten“, sagt Zimmer. „Wir wollen für die Themen der Generationen sensibilisieren“, so Mecheels. Dazu wurde schon ein Generationenpicknick im Ochsengarten veranstaltet, es gab einen Geschichtennachmittag und ein Theaterstück, das Schüler und Schülerinnen für Seniorinnen und Senioren aufführten.

Da waren Hevat Türe und Suemi Guadagno auch schon dabei. „Es ist so schön, sich mit den Senioren zu treffen“, sagt Hevat Türe. Bevor sie sich auf den Thementag Demenz vorbereiteten, „sagte uns allen der Begriff gar nichts“, so Suemi Guadagno. „Aber es kann jederzeit auch meinen Opa treffen“, sagt sie. Drei Wochen lang haben sich die Neuntklässlerinnen mit dem Thema beschäftigt und anschließend Präsentationen erarbeitet.

 
 
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