Theo-Lorch-Werkstatt Bönnigheim Wünsche der Beschäftigten an den „Herrn Minister“

Von Gabriele Szczegulski
Der Geschäftsführer der Theo-Lorch-Werkstätten, Stefan Wegener (links) konnte Minister Manfred Lucha und die Landes-Behindertenbeauftragte Nora Welsch in Bönnigheim begrüßen. Foto: /Oliver Bürkle

Manfred Lucha besucht während seiner Sommertour die 2024 eröffnete Werkstatt.

Gerne dürfe der „Herr Minister“ noch einmal wiederkommen und in der Theo-Lorch-Werkstatt arbeiten, wie das auch schon Bürgermeister Albrecht Dautel gemacht habe, sagte Oliver Stahl, der in einer der Fördergruppen der Werkstatt arbeitet. Darauf konnte ihm Manfred Lucha, Minister für Soziales, Gesundheit und Integration des Landes Baden-Württemberg, keine definitive Antwort geben.

Der Minister wollte unbedingt nach Bönnigheim

Lucha hatte sich gewünscht, auf seiner dreiwöchigen Sommertour durchs Land, auch die Theo-Lorch-Werkstatt in Bönnigheim, einem von fünf Standorten der Einrichtung im Landkreis Ludwigsburg mit circa 100 Beschäftigten zu besuchen. Erst im Mai 2024 war die Werkstatt eröffnet worden. Anderthalb Stunden Zeit hatte der Minister, um sich die Werkstatt anzusehen und mit den Beschäftigten zu sprechen, bevor es für ihn weiterging zur Pflegeschule der RKH-Kliniken Ludwigsburg in Kornwestheim.

Neben Oliver Stahl war auch die Beschäftigte Tamara Fiedler gekommen und sie hatte ein Anliegen: Es sei fast unmöglich, trotz barrierefreien Haltestellen in den Bus gefahrlos ein- und auszusteigen. Auch wäre es für sie und andere schwierig, sich im Bus auf den Platz zu begeben oder vor dem Halt aufzustehen, da nur wenige Busfahrer auf Menschen mit Behinderung Rücksicht nehmen würden. Lucha und auch Nora Welsch, seit Juni die Beauftragte der Landesregierung für die Belange von Menschen für Behinderte, die den Minister begleitete, versprachen, dies bei Gesprächen mit den Busunternehmensverbänden anzusprechen.

Welsch hat sich selbst, so sagte sie, die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben als Schwerpunkt gesetzt. „Es ist mir das größte Anliegen, dass Menschen mit Beeinträchtigungen gut arbeiten können und sich langfristig selbst finanzieren können“, sagte sie.

Wohnsituation in Bönnigheim ist verbesserungsfähig

Oliver Stahl lebt in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Beeinträchtigungen der Einrichtung „Insel“ in Bönnigheim, die parallel zur Gründung der Theo-Lorch-Werkstatt eingerichtet wurde. Gemeinsam mit sieben anderen Menschen mit Behinderung lebe er dort, sonst gebe es für ihn keine Möglichkeit, in Bönnigheim eine Wohnung zu finden, so Stahl. Noch mehr Beschäftigte der Werkstatt würden gern in die Nähe ihrer Arbeit ziehen. Lucha sagte, er unterstütze die weitere Gründung von Wohngemeinschaften für Menschen mit Beeinträchtigungen, momentan könne angesichts der angespannten Finanzlage das Land aber die Förderung nicht erhöhen. Auch die Forderung nach einem neuen Schlüssel des Verhältnisses von Beschäftigten und Betreuern – von 12 zu 1 auf 10 zu 1 – sei derzeit nicht finanzierbar. Der Leiter des Finanzbereichs der Theo-Lorch-Werkstätten, Joachim Knoll, hatte dies zur Sprache gebracht, da eine bessere Betreuung fördere, dass Behinderte schneller in Beschäftigung kommen. Lucha sagte, er setze sich dafür ein, den Einrichtungen zu ermöglichen, über ihre Mittel flexibler zu verfügen, damit sie dort, wo es benötigt werde, Geld umverteilen könnten.

Tamara Fiedler hatte noch einen Wunsch: Bei Wahlen sollte es mehr Unterstützung für „Menschen wie mich“ geben. Fotos der Kandidaten auf den Stimmzetteln, Wahlveranstaltungen auch für Menschen mit Beeinträchtigungen, die Möglichkeit, an Wahlveranstaltungen teilnehmen zu können, schlug sie vor. Lucha sagte, das Institut für politische Bildung sei schon dran, Wahlbroschüren in leichter Sprache zu erstellen, die Idee mit den Fotos wolle er weitergeben.

 
 
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