Thomas Wiesbauer, der neue IHK-Präsident der Bezirkskammer Ludwigsburg, im Gespräch „Die Masse an staatlichen Vorgaben bremst“

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Thomas Wiesbauer ist neuer Präsident der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg. Foto: Andreas Dalferth

Der Bietigheim-Bissinger Thomas Wiesbauer ist zum Präsidenten der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg gewählt worden. Er will sich für Bürokratieabbau und eine nachhaltige Standortpolitk einsetzen.

Die Wahl des Bietigheim-Bissinger Unternehmers und CDU-Gemeinderats Thomas  Wiesbauer (52) zum Präsidenten der Ludwigsburger Bezirkskammer IHK- Region Stuttgart ist jetzt auch von der Vollversammlung der IHK Region Stuttgart bestätigt worden und nach Prüfung der Wahl seit Freitagnachmittag amtlich. Wiesbauer folgt auf Albrecht Kruse, der sich nach 16 Jahren von der ehrenamtlichen Tätigkeit zurückzog. Gegenüber der BZ äußert er sich zu seinen Beweggründen und Zielen.

Herr Wiesbauer, was waren die Gründe dafür, dass Sie sich zur Kandidatur entschlossen haben?

Thomas Wiesbauer: Ich möchte die deutlich vernehmbare Stimme der Mitgliedsbetriebe sein, Unternehmerargumenten Gehör verschaffen, klarstellen wie unsere Bedürfnisse sind und einfordern, dass mit dem Blick aufs Ganze endlich mit uns statt über uns entschieden wird.

Wo sehen Sie die größten
Probleme für die regionale Wirtschaft?

Die drängendste Fragestellung muss doch gerade sein: Wie stellen wir die Weichen für eine starke Wirtschaft? Wie sichern wir unseren Wohlstand und den nachfolgender Generationen? Wie schaffen wir es, wieder auf das Beschäftigungsniveau der Vor-Coronazeit zu kommen, wie gleichen wir den Verlust von Unternehmen und Selbständigkeit und Arbeitsplätzen aus, wie machen wir den Menschen wieder Mut zur Selbstständigkeit? Das gelingt nur mit optimalen Rahmenbedingungen, und solche erkenne ich nicht, denn endlose Bürokratie erdrückt uns Unternehmer und Selbstständige, egal ob Einzelkämpfer oder Mittelständler, immer mehr. Doch eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung braucht Freiräume für Innovations- und Jobmotoren.

Wie wollen Sie Ihr Amt nutzen, was sind aus Ihrer Sicht die Hauptaufgaben des IHK-Präsidenten?

Bürokratie lähmt, das werde ich unermüdlich thematisieren. Die Masse an staatlichen Vorgaben bremst Unternehmergeist. Das ist ein ganz erhebliches Geschäftsrisiko, denn der immer dichtere, manchmal gar absurde Regel-Dschungel kostet Zeit und Rendite, ja gefährdet ganze Existenzen und demotiviert potenzielle Gründer. Und wenn ich zum Stichwort „Rahmenbedingungen“ ergänzen darf: Unsere Infrastrukturengpässe sind ebenfalls Sinnbild für die Lähmung unserer Region, aus der wir uns endlich befreien müssen. Die staugeplagte A81 bei Ludwigsburg, der fehlende Planfeststellungsbeschluss für die B10-Umfahrung Enzweihingen, der Ausbau der Verbindung A81 Anschlussstelle Mundelsheim bis Backnang sind drei prominente Beispiele.

Wie sieht’s mit der digitalen Infrastruktur aus?

Es gibt fast keine Videokonferenz ohne Ton- oder Bildhänger, in manchen Industriegebieten ist es sogar mangels Bandbreite unmöglich. Diese Engpässe, diese mangelnde Performance, schädigen unsere Standortattraktivität und unsere nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit massiv. Ein Wirtschaftsstandort wie der Landkreis Ludwigsburg muss andere Ansprüche stellen als nur Engpässe zu beseitigen, unsere Erfolgsfaktoren und Stärken müssen im Fokus stehen und endlich deutlich gestärkt werden.

Wie viel Zeit können Sie in das neue Amt neben Ihren Aufgaben als Geschäftsführer Ihres Unternehmens investieren?

Noch bin ich voll eingespannt und zweige jetzt schon viel Zeit für meine Gemeinderatsarbeit ab. Die vierte Generation ist in unserem Familienbetrieb angekommen und fordert Verantwortung ein. Diese wollen wir, mein Bruder, meine Frau und ich, auch einräumen. Unterstützt durch ein starkes IHK-Team lassen sich dann als Präsident der IHK Ludwigsburg meine Herzensangelegenheiten bestens verbinden: die Bedeutung von Unternehmertum klarzumachen und IHK modern, lebendig und sichtbar zu positionieren.

Zusammengefasst: Was sind für Sie die drei wichtigsten Themen als IHK-Präsident?

Der Bürokratieabbau, die Duale Ausbildung und eine nachhaltige Standortpolitik.

Info Thomas Wiesbauer, am 15. Juli 1968 in Stuttgart geboren, ist Diplombetriebswirt (BA). Zusammen mit seinem Bruder und seiner Ehefrau ist er in leitender Position als Geschäftsführer im Bietigheim-Bissinger Schwerlast- und Familienunternehmen Wiesbauer GmbH & Co. KG tätig.  Dieses hat mittlerweile insgesamt über 150 Mitarbeiter an fünf Standorten in Baden-Württemberg.

 
 
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