Kommenden Sonntag ist Totensonntag. An diesem Gedenktag, auch als Ewigkeitssonntag bekannt, wird der Verstorbenen gedacht. Er fällt immer auf den letzten Sonntag vor dem ersten Advent und schließt den „Totenmonat“ November ab, in dem auch die Gedenktage Allerheiligen, Allerseelen und der Volkstrauertag liegen.
Totensonntag Bestattungen werden immer individueller
Das Löchgauer Bestattungsinstitut Gauger spricht mit der BZ über den Totensonntag, das neue Bestattungsgesetz und warum Friedhöfe wichtige Treffpunkte sind.
Es ist Brauch, am Totensonntag Friedhöfe zu besuchen, die Gräber geliebter Verstorbener aufzusuchen sowie an Gottesdiensten teilzunehmen. Warum Friedhöfen trotz zahlreicher Kirchenaustritte weiterhin eine wichtige Bedeutung zufällt, auf was derzeit bei Bestattungen besonders großen Wert gelegt wird und warum die Bundesländer in Bezug auf das Bestattungsgesetz derzeit nach Rheinland-Pfalz schauen, berichten Stefanie Gauger und ihr Mann Alexander Becker vom Bestattungsunternehmen Gauger in Löchgau.
Auf Gleichgesinnte treffen
„Friedhöfe sind weiterhin zentrale Orte und zentrale Anlaufstellen in der Gesellschaft“, sagt Stefanie Gauger im Gespräch mit der BZ. Einerseits seien Friedhöfe für Trauernde Orte, an denen man Gleichgesinnte treffe. Andererseits sei auch der soziale Aspekt nicht zu unterschätzen. „Man trifft sich dort, hält vielleicht ein nettes Schwätzchen“, sagt Gauger.
Für viele Menschen sei das ein wichtiger Ort, um mit anderen in den Austausch zu kommen. Aus diesem Grund findet Gauger es auch so wichtig, dass an Tagen wie dem Totensonntag oder auch dem Volkstrauertag die Gottesdienste in den Aussegnungshallen auf den Friedhöfen abgehalten werden. „Das Persönliche vor Ort ist ein ganz anderes Miteinander als über die sozialen Medien oder auch das Telefon“, ergänzt ihr Mann, Alexander Becker.
Neues Bestattungsgesetz
Daher sei das neue Bestattungsgesetz, das seit Ende September dieses Jahres in Rheinland-Pfalz gilt, ein zweischneidiges Schwert. Es erlaubt neue Bestattungsformen wie Flussbestattungen oder auch die Mitnahme von Urnen nach Hause. Sogar Erinnerungsstücke können aus der Asche hergestellt werden, etwa synthetische Diamanten oder Amulette. „Der Ruf aus der Bevölkerung ist da“, sagt Becker. Bestimmt würden auch einige Bundesländer nachziehen. In Baden-Württemberg ist Stand heute aber noch keine dementsprechende Änderung der Gesetzeslage geplant. Positiv am Modell aus Rheinland-Pfalz sei, dass Angehörige ihre Liebsten bei sich haben können, auch wenn sie nicht in der Nähe des dementsprechenden Friedhofs leben. Negativ sei jedoch, dass die Urne oder das Erinnerungsstück eben nur bei einer Person stehe. Der Besuch des Verstorbenen wird anderen dadurch jedoch erschwert, geben die Bestatter zu bedenken.
Der Ruf nach Individualität sei auch in ihrer täglichen Arbeit zu spüren, sagen die Löchgauer. So seien etwa Trauerfeiern sehr viel moderner und vielseitiger geworden. Beispielsweise würden immer häufiger weltliche Musikstücke ausgewählt und seltener kirchliche. Pfarrer stünden aber immer noch hoch im Kurs. In ihrem Einzugsgebiet, das sich vor allem auf den Landkreis Ludwigsburg konzentriert, seien freie Trauerredner eher die Seltenheit. Auch die Pfarrer gehen aber mit der Zeit. So werden Bestattungszeremonien teilweise sogar gestreamt, um auch weit entfernt wohnenden Angehörigen ein Dabeisein zu ermöglichen.
Eine Bestattungsart liegt deutlich im Trend: Rund 70 Prozent der Beisetzungen seien mittlerweile Feuerbestattungen. „Erdbestattungen stagnieren, sind aber auch noch gefragt“, sagt Becker. Einerseits gehe es um die Pflege des Grabs, die bei Urnengräbern zumeist weniger aufwändig oder gar nicht nötig ist – je nach ausgewählter Art. Man müsse bedenken, dass die Hinterbliebenen oft auch schon älter seien oder weit weg wohnen.
Aber auch die Nachhaltigkeit spiele für viele eine große Rolle, berichtet Gauger. Ob die Urnen biologisch abbaubar sind, ob Decken und Kissen aus Baumwolle sind. Bei Särgen würde darauf geachtet, dass sie nicht lackiert, sondern nur geölt sind. Mittlerweile sind übrigens alle Bestattungsbehältnisse dementsprechend zertifiziert, sagt Becker. „Sie variieren nur in der Geschwindigkeit, in der sie sich abbauen.“
Es scheiden sich die Geister
Bei der Frage, ob Feuer- oder Erdbestattung scheiden sich die Nachhaltigkeits-Geister. Bei Erdbestattungen können Schadstoffe in den Boden gelangen und der Platzverbrauch ist größer. Feuerbestattungen brauchen aber viel Energie und haben eine schlechte CO2-Bilanz. „Wir beraten offen. Entscheiden muss es aber jeder individuell“, so Becker.
Mehr Möglichkeiten bedeuten auch mehr Beratungsbedarf. Gauger Bestattungen hat etwa 50 Friedhöfe, auf denen das Unternehmen regelmäßig Bestattungen ausrichtet. Jede Gemeinde hat eine eigene Friedhofssatzung, jeder Friedhof verschiedene Bestattungsmöglichkeiten. Da sei Fachwissen gefragt. In der Bevölkerung schwinde das Wissen rund um Beisetzungen, haben die beiden in den letzten Jahren beobachtet. „Viele kennen die Abläufe nicht mehr“, sagt Becker. Das liege an der gestiegenen Bürokratie. Aber man gehe auch seltener auf Beerdigungen, bekomme weniger mit, so die Löchgauer.
