Die Lage im Kirbachtal ist einmalig in Deutschland“, schwärmt Arved Oestringer. Der Tourismusbeauftragte zeigt per Online-Kartendienst auf die geografische Verortung der sechs Stadtteile im Naturpark Stromberg-Heuchelberg: „Sachsenheim ist immer zu finden, es gibt keine andere Stadt hierzulande, die so zwischen einer Bergkette liegt.“
Tourismus in Sachsenheim Wohnmobilstellplätze und Wein im Blick
Seit 2025 gibt es ein Amt für Tourismusmanagement. Doch laut Statistik sinken die Gästezahlen deutlich. Wie engagiert sich die Kommune im Fremdenverkehr?
Um den Tourismus zu stärken, hat die Verwaltung seit Januar 2025 eine eigenes Amt für Tourismusmanagement geschaffen. Francesco Rossignuolo arbeitet seit Mai 2025 als Elternzeitvertretung von Liesa Götter im Team mit Arved Oestringer für die Bereiche Tourismus und Wirtschaftsförderung.
Naturparkmarkt als großer Erfolg
Das größte Projekt sei bisher der Naturparkmarkt gewesen, so Rossignuolo. Dieser Markt, bei dem seit 2009 ein paar Mal im Jahr in wechselnden Gemeinden des Naturparks Stromberg-Heuchelberg lokale Betriebe ihre heimischen Erzeugnisse anbieten, fand im September 2025 nach langer Pause zum zweiten Mal auf Sachsenheimer Gemarkung, in Ochsenbach, statt. 2012 gab es den ersten Sachsenheimer Naturparkmarkt in Hohenhaslach.
„Mit so viel Andrang haben wir niemals gerechnet“, freut sich Rossignuolo: 2025 kamen rund 10.000 Menschen. „Wir möchten den Markt etwa alle zwei Jahre zu uns holen“, sagt Oestringer. Der nächste sei für 2027 angedacht, im Juni möchte er dafür einen Beschluss im Gemeinderat einholen.
Am Eingang des Bürgeramtes im äußeren Schlosshof finden sich zahlreiche Flyer, Wanderkarten und Broschüren für Unternehmungen in und um Sachsenheim herum. Wie etwa eine Infokarte des durch alle Ortsteile führenden Planetenweges, den in den Weinbergen gelegenen Weitblickweg Hohenhaslach oder historische Rundgänge durch die teils stark dörflich geprägten Stadtteile. „Das Gebiet eignet sich für sanften Tourismus: für Wanderungen und Radtouren, zum Entspannen und Genießen“, findet Oestringer.
Die Stadt ist Partner von vier Tourismusverbänden, etwa den Vereinen Naturpark Stromberg-Heuchelberg und dem Kraichgau-Stromberg-Tourismus (KST). „Sachsenheim nimmt im Land der tausend Hügel einen hohen Stellenwert ein“, sagt KST-Sprecherin Christina Lennhof. „Landschaftlich ist es in Sachsenheim sensationell.“ Es gebe viele engagierte Leistungsträger, insbesondere in den Weingütern.
Laut statistischem Landesamt ist die Zahl der Gästeankünfte und Übernachtungen in der Region, wie in vielen Gemeinden im Land, 2025 deutlich zurückgegangen. Dabei werden allerdings nur die Beherbergungsbetriebe ab zehn Betten einbezogen. Sachsenheim verzeichnete 2025 sechs Hotels und damit eines weniger als 2024 und mit 5430 Gästeankünften einen Gästeverlust von immerhin 33 Prozent.
„Zahlen mit Vorsicht genießen“
„Die Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen“, so Lennhof. „Wir beobachten seit zehn Jahren, dass immer mehr Menschen auf Ferienwohnungen ausweichen.“ Fakt sei auch, dass der Geschäftstourismus stark nachlasse, da die Unternehmen sparen.
Marcos Angas, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Kreis Ludwigsburg, sagt: „Bisher ist diese tolle Urlaubsdestination bei uns unterrepräsentiert, wir möchten uns Sachsenheim in Zukunft mehr widmen.“ Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung sei aber alles andere als günstig für den Tourismus. „Leider sehen wir auch im ländlich geprägten Sachsenheim, dass Gasthöfe durch Nachfolgeprobleme und die gestiegenen Kosten immer weniger werden.“
Rund 45.000 Euro gibt die Stadt jährlich für die touristische Infrastruktur aus. Die Bebilderung der Rad- und Wanderwege soll bis Frühjahr 2027 abgeschlossen sein. Auch investiert die Stadt in den digitalen Tourismus, „denn immer mehr Menschen organisieren ihre Wander- und Radtouren digital“, so Oestringer.
Langfristig setzt das städtische Tourismuskonzept auf „Wohnmobil und Wein“. Rossignuolo betont: „Der Attraktivitätsfaktor Wein ist uns unglaublich wichtig, auch wenn die Weinindustrie in einer Krise steckt“.
Die Stadt will noch mehr mit dem BdS (Bund der Selbständigen Sachsenheim) und den Weingütern kooperieren, und auch die Kultur der Besenwirtschaften erhalten. Für städtische Wohnmobilstellplätze haben Oestringer und Rossignuolo Häfnerhaslach im Blick. Sie hoffen nun auf Fördermittel.
