Trinkwasser in Sachsenheim Höherer Eigenwasseranteil im Winter

Von Martin Hein
Blick in den Wasserhochbehälter im Heinzenberger Weg in Kleinsachsenheim. Pro Kopf werden rund 140 Liter Wasser im Jahr verbraucht, Tendenz steigend. ⇥ Foto: Oliver Bürkle

Die Stadt plagten früher horrende Wasserverluste. Eventuell wird in ein paar Jahren die Großsachsenheimer Seepfadquelle wieder ins Wassernetz eingespeist.

Es gab Zeiten, da trieb das Thema Wasserversorgung den Gemeinderäten und der Stadtverwaltung tiefe Sorgenfalten auf die Stirn. Horrende Wasserverluste waren über Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte hinweg allgegenwärtig und zeugten von einem äußerst maroden Wasserleitungssystem. Die Wasser- und die Abwasserkanäle im Stadtgebiet waren hochgradig sanierungsbedürftig. Inzwischen wurde die Situation deutlich verbessert, ein Problem stellen Wasserverluste aber nach wie vor dar.

Rückblick: Satte 28 Prozent Wasserverluste wegen alter und kaputter Wasserleitungen verzeichnete Sachsenheim allein im Jahr 1989. Unrühmlicher Spitzenreiter war damals Großsachsenheim. Dort versickerte sage und schreibe 34,5 Prozent kostbares Frischwasser buchstäblich im Boden. Mühsam wurden die Wasserverluste im gesamten Stadtgebiet 1990 auf 22,9 Prozent und 1992 auf 18,25 Prozent gedrückt. 1994 konnten die Wasserverluste schließlich auf 11,25 Prozent und, nachdem die Stadt rund 35 Millionen Mark für die Sanierung der Frischwasser- und Abwasserkanäle investiert hatte, 1998 zwischenzeitlich sogar auf unter 10 Prozent verringert werden.

Verlust aktuell bei 12,3 Prozent

Rund 4900 Hausanschlüsse hängen aktuell an dem rund 80 Kilometer langen Sachsenheimer Frischwasserleitungsnetz. Wasserverlust ist auch heute noch ein Thema. 2020 verzeichnet der Betriebszweig Wasserversorgung nach Auskunft von Mario Di Iorio, stellvertretender Teamleiter Tiefbau und somit auch für die Wasserversorgung und öffentliche Brunnen zuständig, einen Verlust von etwa 12,3 Prozent. Damit rangiert Sachsenheim über dem Bundesdurchschnitt. Der betrug laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2019 bei der öffentlichen Wasserversorgung durchschnittlich 5,2 Prozent.

Nach wie vor muss die Stadt in das Leitungsnetz investieren. Aktuell müssen die Wasserleitungen im Hohenhaslacher Etzweg, der Eugen-Doster-Straße in Kleinsachsenheim sowie die Großsachsenheimer Gartenstraße erneuert werden.

Die Gründe für durch Wasserrohrbrüche verursachte Lecks können, so Di Iorio, vielfältig sein.  Alte gusseiserne Leitungen brechen, sobald Spannung auf die Rohre kommt. Vor allem tiefe Temperaturen im Winter führen nach der Frostperiode im Frühjahr zu Erdbewegungen. Dadurch treten dann oft Spannungen an den alten Rohren auf, die dadurch brechen. Zumeist sind es die Hausanschlüsse direkt, die dabei kaputt gehen.

Pro Jahr treten so etwa 10 bis 20 Rohrbrüche im Stadtgebiet auf. Für Mario Di Iorio sind die kleinen Rohrbrüche die Sorgenkinder, weil sie schwer aufzuspüren sind. Brüche an großen Rohren seien einfacher zu finden. Ein plötzlich rauschender Gully könne beispielsweise auf einen Rohrbruch hindeuten. Für gewöhnlich melden aufmerksame Bürger dies dann bei der Stadt.

Steigender Wasserverbrauch

Bei einer Gesamtmenge von 959 000 Kubikmeter haben die Sachsenheimer im Jahr 2019 pro Kopf 140 Liter Wasser verbraucht. Hier verzeichnet Mario Di Iorio einen kontinuierlichen Anstieg gegenüber den Vorjahren. 2018 waren es 134 Liter und 2017 waren es 129 Liter.

Der Klimawandel dürfte nach Ansicht von Di Iorio zusätzlich zu dem steigenden Verbrauch beitragen. Naheliegend: In trockenen und heißen Sommern steigt erfahrungsgemäß der Wasserverbrauch. Während Corona hätten sich viele Sachsenheimer zudem noch Swimming-Pools angeschafft, die eben auch zu einem höheren Wasserverbrauch beitragen.

Im Sommer dürfe man, mit Rücksicht auf den Grundwasserspiegel, nicht so viel Eigenwasser beimischen. Heißt konkret: Das Sachsenheimer Wasser enthält im Sommer mehr Bodenseewasser und ist somit weicher als im Winter. Das Sachsenheimer Wasser habe, so Di Iorio, deshalb im Sommer etwa den Härtegrad 14 und im Winter durch einen höheren Eigenwasseranteil einen Härtegrad von etwa 18.

Der Verbraucher merke das normalerweise nicht, es sei denn, eine Enthärtungsanlage sei in Betrieb. Steigende Einwohnerzahlen führen ebenfalls zu einem erhöhten Wasserbedarf. Für geplante Neubaugebiete sei der Wasserbedarf gedeckt. Hier gibt es keine Versorgungsschwierigkeiten, so Mario Di Iorio.

Bodenseewasser ist teuer

Mehr Eigenwasser könne man derzeit nicht fördern, so der Experte. Bodenseewasser ist teuer, aktuell prüfe man auch deshalb, ob der Ausbau der Eigenwasserförderung möglich sei.

Konkret habe man dabei die derzeit nicht genutzte Seepfadquelle ins Auge gefasst. Sobald die Grenzwerte der dort herausgefilterten Schadstoffe (die BZ berichtete) im für Trinkwasser erlaubten Bereich liegen, könne man diese Quelle eventuell wieder an das Trinkwassernetz anschließen. Davor müssten erst noch das Gesundheitsamt und das Landratsamt grünes Licht geben. Leitungen zur Quelle habe man bereits vor Jahren verlegt.

Die Stadt hat nun 50 000 Euro zur Umsetzung eines Strukturgutachtens zur Reaktivierung der Seepfadquelle eingeplant.

 
 
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