Trotz langen Diskussionen, Ablehnung und Unterschriftenliste Jugendtreff: Nach vier Jahren ist ein Standort in Sachsenheim gefunden

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In unmittelbarer Nachbarschaft zu den Kinderhäusern Mobile und Pfiffikus (im Hintergrund zu sehen) sowie des Neubaus des Kindergartens Klopferle wird ein überdachter Jugendtreff entstehen. Die Jugendlichen mussten vier Jahre um ihren Platz kämpfen. ⇥ Foto: Martin Kalb

Nachdem zwölf mögliche Standorte für einen Jugendtreff abgelehnt wurden, winkt der Rat nun den Platz südlich des Kinderhauses Pfiffikus durch.

Jugendlichen wird oftmals vorgeworfen, sie würden sich nicht für Politik und das Geschehen in ihrer Kommune interessieren. Die Jugendlichen in Sachsenheim haben jedoch bewiesen, dass sie sich sehr wohl für ihre Stadt und ihre Stellung innerhalb der Bürgerschaft einsetzen können. Im Rahmen des Jugendforums, das unter anderem der politischen Partizipation der Jugendlichen dienen soll, setzen sich die jungen Sachsenheimer seit vier Jahren für einen überdachten Jugendtreff ein, um ihren Platz in der Gesellschaft zu bekommen. Beharrlich kämpften sie darum, bislang jedoch erfolglos.

Antrag wurde durchgewunken

In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats trug der kommunale Jugendreferent Nico Blum das Anliegen erneut vor – dieses Mal mit Erfolg. „Zwölf Standorte wurden geprüft – und alle abgelehnt“, erinnerte Blum den Rat. Der Standort, den Blum dieses Mal vorschlug, stand bislang nicht zur Debatte, da das Flurstück 2482 bislang nicht der Stadt gehörte (Erwerb: 2020). Es war als Erweiterungsfläche der Kinderhäuser Mobile, Pfiffikus und Klopferle gedacht, wird nun aber nicht mehr dafür benötigt. „Wir haben dieses Mal von einer Anwohnerbefragung abgesehen, da es 115 Meter Luftlinie zur nächsten Wohnbebauung sind“, sagte Blum fast kleinlaut. „Das sind 1,5 Fußballfelder. Jetzt wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen“, sagte Bürgermeister Holger Albrich dazu.

Und doch: Das Thema Jugendtreff bauschte sich über die Jahre zum großen Streitthema auf. An allen bisherigen Standorten wurden die Bedenken geäußert, dass es zu Ruhestörungen oder Vermüllung kommen könnte. Auch beim letztendlich beschlossenen Standort. „Mit den Kita-Hausleitungen ist alles abgesprochen, auch haben wir mit dem Bauhof geredet, der den Jugendtreff morgens reinigen würde. An diesem Standort kann auch der Sicherheitsdienst des Schulcampus patrouillieren“, versuchte Blum in der Sitzung den Kritikern möglichen Wind aus den Segeln zu nehmen.

Jedoch sind es vor allem die Eltern der Kinder, die dort in eines der anliegenden Kinderhäuser gehen, die gegen den Jugendtreff sind. Zu Beginn der Sitzung trug Elternvertreter Felix Römmler im Rahmen der Bürgerfragestunde das Anliegen vor, den Standort zu verschieben, mit der Begründung, „der Standort ist ungünstig“. Mit einer Unterschriftenliste verwies er auf die Bedenken der Eltern der Kita-Kinder. Online ist auch eine Petition mit dem Titel „Nein zum Standort des Jugendtreffs neben der Kita Pfiffikus“ zu finden, die schärfere Worte findet: „Kinder schauen sich bei Jugendlichen Verhalten ab, Jugendliche pöbeln teilweise jetzt schon an den Kita-Zäunen“ oder es wird die „Befürchtung des Entstehens eines „Schandflecks“ geäußert. Ebenso: „Spaziergänger und Freizeitsportler könnten sich durch Jugendliche eingeschränkt fühlen und das Gebiet meiden.“

Stadtrat Dr. Michael Lohmann (Freie Wähler) zeigte sich schockiert: „Ich will als Vater sprechen: Wir sind es unserer Jugend schuldig, ihnen Vertrauen entgegen zu bringen. Wir reden so viel über Kita-Plätze. Aber die Kinder von heute sind die Jugendlichen von morgen.“ Der Stadtrat erntete zustimmendes Klopfen aus dem Gremium und auch seine Nachredner schlossen sich ihm an. Helga Niehues (SPD) fühlte sich gar an die Standortsuche für die Unterbringung von Flüchtlingen erinnert. „Wir müssen einen Knopf dran machen und den Jugendlichen den Standort zubilligen. Sie haben ein Recht, in unserer Kommune vorzukommen“, so die Stadträtin.

Sabine Schülke kritisierte den offenen Brief des Elternbeirats scharf. „Ich kann die Bedenken nicht nachvollziehen, die Kindergartenzeiten sind doch vormittags. Die Jugendlichen sind auch schulpflichtig“, so die CDU-Stadträtin und erinnerte sich daran, als Jugendliche „an Bushaltestellen und zugigen Löchern“ gestanden zu haben. „Das ist doch nicht mehr zeitgemäß“, so Schülke entschieden. „Die Bedenken sind hanebüchen“, sagt Albrich. „Diese Jugendlichen, die alles in Schutt und Asche legen, die haben wir überhaupt nicht in Sachsenheim. Ich bin entsetzt“, so der Schultes.

Letztendlich wurde der Antrag mit nur zwei Enthaltungen vom Rat durchgewunken. Die benötigten Haushaltsmittel in Höhe von 15 000 Euro für den Bau des Treffpunktes wurden bereits für das Jahr 2020 eingestellt.

 
 
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