Einstimmig hatte der Besigheimer Gemeinderat Ende letzten Jahres den Umbau der Sportstätten in Ottmarsheim beschlossen. 3,4 Millionen Euro soll das Projekt kosten, zu dem der Bau eines Kunstrasenplatzes, einer Flutlichtanlage und der Umbau des Rasenplatzes gehört (die BZ berichtete). Der tatsächliche Umfang des Vorhabens hing nicht zuletzt von Fördermitteln des Bundes ab. Und genau diese wird Besigheim in diesem Jahr nicht erhalten. Trotz des groß angelegten Förderprogramms des Bundes zur Sanierung von Sportstätten geht die Stadt an Enz und Neckar leer aus. Der Umbau wird daher auf 2027 verschoben, wenn es dann Fördermittel gibt. Die Enttäuschung beim ortsansässigen TSV ist groß. So auch bei der Frauen-Mannschaft, die in der Landesliga spielt.
TSV Ottmarsheim Umbau auf ungewisse Zeit verschoben
Besigheim ging bei der Vergabe von Fördermitteln leer aus. Daher wird das geplante Projekt in Ottmarsheim erst später verwirklicht. Der Zustand des Platzes ist besorgniserregend.
Frauen-Team weicht nach Besigheim aus
„Wir weichen für das Training und die Spiele auf den Kunstrasenplatz in Besigheim aus“, sagt TSV-Trainer Oliver Utz. „Der Zustand des Platzes ist eine Katastrophe. Dabei ist es ein sehr schön gelegener Platz, bei dem alles vor Ort ist. In Besigheim sind die Umkleiden und die sanitären Anlagen hunderte Meter weit weg“, moniert er.
Eigentlich hatten die TSV-Frauen gehofft, zur Rückrunde der Saison 2026/27 wieder zu Hause in Ottmarsheim spielen zu können. Daraus wird aber nun definitiv nichts. „Wenn die Förderung gekommen wäre, hätte es im Sommer die Ausschreibungen für die Arbeiten gegeben, dann wäre im Winter gebaut worden“, so Andreas Held, der Vorsitzende des TSV Ottmarsheim.
Der Plan der Stadt sei es nun, erneut Fördermittel zu beantragen, nun eben bei der zweiten Vergaberunde im November. Vorausgesetzt, dann erhält die Stadt den Zuschlag, würde im Sommer 2027 gebaut. Die Verzögerung um mindestens dieses halbe Jahr sorgt bei den Sportlern für zusätzlichen Frust, hatten sie doch auf eine Verbesserung der Situation gehofft.
Mehrere Verletzungen aufgrund der Platzverhältnisse
Nicht alle Mannschaften haben nämlich die Möglichkeit, nach Besigheim auszuweichen. Das Männer-Team sowie die Jugend und die Alten Herren spielen in Ottmarsheim. „Beim Spiel gegen Hessigheim II haben sich drei Hessigheimer verletzt. Aber nicht aufgrund der Einwirkung eines Gegenspielers, sondern aufgrund der Platzverhältnisse“, berichtet Janek Held, Abteilungsleiter der Fußballer.
Mehrfach sei der TSV bereits von Schiedsrichtern abgemahnt worden, weil die Platzverhältnisse so katastrophal seien. Auch die Beschwerden gegnerischer Teams, auf diesem Platz spielen zu müssen, sind nicht der Ausnahme- sondern der Regelfall. Von Vereinsseite versucht man auch, an Landesfördermittel zu kommen, die bereits beantragt sind. Auch im Gemeinderat machen die Sportler aus dem Besigheimer Ortsteil Druck. Es müsse dringend etwas getan werden. „Uns ist bewusst, dass die Stadt Besigheim finanziell klamm ist. Es hat aber Zeiten gegeben, in denen man hätte etwas bewegen können“, sagt Andreas Held.
Andreas Held: „Auch ein gesellschaftliches Problem“
Nun soll wenigstens dafür gesorgt werden, dass die Stadt den Platz soweit instand setzt, dass nicht mehr so viele Verletzungen an der Tagesordnung sind. Denn auch die Ottmarsheimer selbst beklagen immer wieder Ausfälle. Die Situation sei unzumutbar. Bei aller Notwendigkeit zum Sparen sieht Andreas Held einen großen Vertrauensverlust in die Politik, wenn aufgrund des Sparen-Wollens einfach nur Ressourcen verschoben würden und notwendige Maßnahmen bei der Infrastruktur nicht durchgeführt würden. „Das ist ein gesellschaftliches Problem“, betont er. Beim TSV hofft man nun auf die Zusage der Mittel. Da diese dann binnen eines Jahres verwendet werden müssen, müsste die Stadt Besigheim im Falle einer Zusage zeitnah handeln. Je schneller der Umbau erfolgt, desto besser für den Trainings- und Spielbetrieb im Besigheimer Ortsteil, ist die einhellige Meinung.
Dass Besigheim beim Förderprogramm des Bundes für die Sanierung von Sportstätten, der sogenannten Sportmilliarde, nicht zum Zug gekommen ist, sorgte für große Enttäuschung sowie Unverständnis auch bei den Stadträten in der letzten Sitzung des Besigheimer Gemeinderats. Rund 2,4 Millionen Euro hatte die Stadt beim Bund beantragt. Etwa 3,4 Millionen kostet der geplante Umbau des Sportplatzes mit Kunstrasenplatz, Flutlichtanlage, Kleinspielfeld, Beachvolleyballfeld und Bouleanlage. Beim Land hat Besigheims Kämmerer Roland Hauber 155.000 Euro beantragt, dieser Bescheid wird im Juni erwartet. Gründe, warum den Besigheimern die Förderung verwehrt wird, wurden laut Besigheims Bürgermeister Dr. Florian Bargmann, wie er gegenüber der BZ sagte, nicht genannt. Allerdings sei es eine Flut von Anträge, für einen Teil der Sportmilliarde, sagt Bargmann. „Die ist schon längst überzeichnet durch die vielen Anträge“.
Der Gemeinderat entschied sich nach langer Diskussion, die Umsetzung des Projekts auf das kommende Jahr zu verschieben und erneut eine Förderung durch die Sportmilliarde zu beantragen. „In der derzeitigen Finanzsituation können wir das nur mit der Förderung in Angriff nehmen“, so Bargmann. Würde auch 2027 die Förderung abgelehnt, müsse man, so der Bürgermeister, den Umbau weiter verschieben oder Alternativen wie Absage, Abspecken des Plans überlegen. Bargmann will aber in Gespräche mit den regionalen Bundes- und Landtagsabgeordneten gehen, damit diese sich für Besigheim einsetzen.
Die „erforderliche Rasenpflege“, so Bargmann, habe der Bauhof in diesem Jahr noch nicht vorgenommen, weil die Verwaltung hoffte, den Umbau beginnen zu können. „Das wird der Bauhof aber demnächst in Angriff nehmen.“ Zudem soll der Rasen auch begradigt werden, um die Verletzungsgefahr zu minimieren, so Bargmann.
