Übungstag für Frauen in Maulbronn Mit dem Traktor rückwärts einparken

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Beim Traktor-Übungstag für Frauen in Maulbronn durfte auch BZ-Redakteurin Heidi Vogelhuber unter Anleitung von Veronika Grossenbacher ans Steuer des Schleppers Modell Fendt Favorit 612 LS Turbomatik. Gar nicht so einfach, denn beim Rückwärts einparken wird nach links gelenkt, um nach rechts zu fahren. Foto: Oliver Bürkle

22 wissbegierige Frauen nahmen am Übungstag für Bäuerinnen und Betriebshelferinnen auf dem Elfinger Hof in Maulbronn teil. Auch eine BZ-Redakteurin setzte sich hinters Traktor-Steuer.

Handbremse lösen, den linken Hebel auf „langsames Vorwärtsfahren“ stellen, mit dem zweiten Hebel den Gang einlegen und los geht’s. Oje, wie klingt das denn? „Fuß von der Kupplung nehmen. Das klingt nur so, als ob man ihn abwürgt, da passiert nichts“, sagt Veronika Grossenbacher, die neben mir in der Tür des Fahrerhäuschens steht. Vorsichtig hebe ich meinen linken Fuß – und werde energisch aufgefordert, ihn ganz vom Pedal zu nehmen. Okay, geschafft. Ich fahre. Ob ich denn hochschalten soll, um schneller zu fahren, möchte ich wissen. „Wir fahren erst einmal nicht schneller, ein wenig Gas – das ist das Pedal da rechts – reicht uns erstmal“, sagt Grossenbacher. Ich bin einverstanden und tuckere gemächlich über ein Stoppelfeld des Elfinger Hofs in Maulbronn.

Eine unter vielen Frauen

Für mich war es das erste Mal, dass ich einen Traktor selbst gesteuert habe. An diesem Tag waren aber noch viele weitere Frauen auf dem Maulbronner Hof, die schon oft einen Schlepper bedient haben. Grossenbacher ist die stellvertretende Geschäftsführerin des Evangelischen Bauernwerks in Baden-Württemberg. Der Verein organisiert seit gut 20 Jahren Kurse wie diesen, der Bäuerinnen und Betriebshelferinnen etwas Nachhilfe im Traktor fahren geben soll. „Die meisten der 22 Teilnehmerinnen haben einen T- oder L-Führerschein, der das Fahren von Traktoren erlaubt“, erklärt sie.

Im Kurs geht es nämlich um viel mehr als nur wackeliges Geradeaus-Fahren oder noch wackeligeres rückwärts Einparken, wie ich es ausprobiert habe. Die anwesenden Frauen sind Landwirtinnen oder Betriebshelferinnen und arbeiten fast täglich mit Schleppern. „Ich finde es einfacher mit Schlepper und Anhänger zu fahren als mit einem Anhänger am Auto“, sagt Daniela Wirth und lacht. Mit ihrem Mann führt sie einen Hof in Wurmberg. Es gehe vor allem um die Fahrpraxis, die ihr fehle. „Wenn dann mal Not am Mann ist und ich ran muss, dann hat keiner Zeit, noch groß etwas zu erklären“, sagt sie.

„Es ist oft biografisch bedingt, dass Frauen die Fahrpraxis fehlt“, erklärt Grossenbacher, die selbst Landwirtin und Agraringenieurin ist. Oftmals seien es die Ehemänner, Väter, Brüder, die die Maschinen bedienen würden. Doch irgendwann komme der Punkt, an dem auch die Frauen hinter dem Steuer gebraucht würden. Und dann sei keine Zeit für viele Erklärungen. Diese Lücke will der Kurs schließen.

Das kann auch Teilnehmerin Christine Keuerleber bestätigen. „Mein Vater und mein Bruder sind daheim immer gefahren. Jetzt helfe ich auf dem Hof meines Freundes in Neidlingen mit“, berichtet die hauptberufliche Montagehelferin, die mit ihren beiden Schwestern am Kurs teilnimmt. „Es macht Spaß“, sagt sie. Schwer sei das alles nicht, es sei wie alles im Leben einfach nur Übungssache. Keuerleber findet es traurig, dass so viele Landwirte ihren Hof aufgeben. Es sei finanziell aber auch einfach schwer. Auf dem Hof ihres Freundes leben 160 Milchkühe, insgesamt seien es 320 Tiere und das Auskommen reiche nur für zwei. Deshalb verdiene sie ihre Brötchen in ihrem Hauptjob, möchte aber ihre Fähigkeiten verbessern, um auch anpacken zu können.

Erst Theorie, dann Praxis

Im geschützten Rahmen, unter sich, wurden die Teilnehmerinnen erst in einem Theorie-Block in die Schleppertechnik eingeführt. Nach dem Mittagessen ging es an die Praxis: Mit ein- und zweiachsigen Anhängern wurde rückwärts gefahren, Anhänger wurden angekuppelt, Maschinen angehängt. Aber auch die Kunst des Ballenstapelns wurde vermittelt. Insgesamt gab es fünf Stationen mit Schleppern, an denen die verschiedenen Fertigkeiten erlernt und verbessert werden konnten – angeleitet durch Expertinnen.

„Wir lachen viel“, so Grossenbacher, „nicht übereinander, sondern miteinander.“ Die Stimmung war gut, der Wissensdurst groß. „Der Kurs findet immer woanders statt und er ist immer gefragt. Aber so überrannt wie dieses Jahr wurden wir noch nie“, sagt die Kursleiterin. Zehn Frauen mussten abgewiesen werden. Diese hätten aber für nächstes Jahr einen Platz zugesichert bekommen.

 
 
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