Ukrainische Flüchtlinge abgeholt „Wir fahren wieder und wieder“

Von Jürgen Kunz
Maurice Kübler (links), Mitarbeiter der Stadt Bönnigheim, hat mit seinen Helfern aus einem slowakischen Grenzdorf Flüchtende aus der Ukraine in die die Region geholt.⇥ Foto: Maurice Kübler

Im Hauptberuf arbeitet Maurice Kübler bei der Stadt. Als freiwilliger Helfer war er jetzt zusammen mit einigen Mitstreiter an der slowakisch-ukrainischen Grenze um Flüchtende in die Region zu fahren.

Schnell nach dem russischen Angriff war auch für Maurice Kübler, der in Bönnigheim im Gemeindevollzugsdienst arbeitet und den Bönnigheimer Sortengarten mitbetreut (die BZ berichtete) absehbar, dass es an den ukrainischen Grenzen zu einer humanitären Notlage kommen würde. „Nach kurzem Nachdenken beschlossen wir, Hilfsgüter an die slowakisch-ukrainische Grenze zu bringen“, sagt Kübler gegenüber der BZ. Dabei wurden Spenden privater Haushalte, von Hilfsorganisationen und Unternehmen gesammelt und sortiert verpackt. Haltbare Lebensmittel, warme Kleidung, Schlafsäcke, Erste-Hilfe-Ausstattung, Windeln, Desinfektionsmittel und Hygieneartikel kamen schnell zusammen. So viel sogar, dass ein zweites Fahrzeug organisiert werden musste, um alles transportieren zu können. Die Spritkosten wurden zum Teil von einem Konto der katholischen Kirchengemeinde St. Franziskus seiner Heimatgemeinde Ilsfeld, zum Teil aus eigener Tasche und aus Spenden finanziert.

„Freitag abends traten wir die Reise an, je drei Fahrer pro Fahrzeug, um die insgesamt 2600 Kilometer lange Fahrtstrecke wach und konzentriert zurückzulegen. Hierzu hatten wir die Kleintransporter eines Sportvereines und einer katholischen Kirchengemeinde nützen können“, erklärt der 39 Jahre alte Kübler. Die Fahrtstrecke führte über Nürnberg nach Prag und dann weiter über Bratislava und Kosice nach Uschgorod, rund zwölf Stunden dauerte die Hinfahrt.

Im slowakischen Grenzdorf Vysne Nemecke angekommen konnte ein Teil der Hilfsgüter einem dortigen Hilfszentrum übergeben werden, in dem hauptsächlich Mütter mit Kindern und ältere Menschen untergebracht sind. Der Rest der Hilfsgüter wurde zur Verladung in Lastwagen bereitgestellt, die dann tief in die Ukraine fahren um den dort gestrandeten oder feststeckenden Menschen humanitäre Hilfe zu liefern.

Kübler: „Nachdem abgeladen war bot uns die Herbergsmutter ein klassisches slowakisches Gericht an, das wir dankend annahmen, so dass wir frisch gestärkt zum Grenzübergang Uschgorod fahren konnten, wo sich ziemlich schnell zehn Geflüchtete fanden, die mit uns in die Region Stuttgart fahren wollten.“ Ein altes Ehepaar, zwei Mütter mit ihren Söhnen (fünf und 14 Jahre), eine Gruppe aus Großmutter, Mutter und Tochter sowie eine alleinstehende Mutter, deren beide Söhne in Mikolajiw als Verteidiger eingeschlossen sind, konnten davon überzeugt werden, dass die ehrenamtlichen Helfer aus der Region keine Menschenhändler seien. „Gar nicht so einfach, wenn sechs Männer in verschiedenen Lebensaltern mit Händen und Füßen versuchen, solche Ängste zu besänftigen“ merkt Kübler an.

Nach 15 Stunden kamen alleum 3 Uhr morgens in Ilsfeld an, wo die Flüchtlinge von den privaten Haushalten erwartet wurden, in denen sie in Zukunft untergebracht sein werden. Das ältere Ehepaar konnte sonntags von Verwandten aus Hessen abgeholt werden, eine weitere Familie holte eine Mutter mit Kind an den Bodensee.

„Schon auf der Rückreise war klar – solange wir private Haushalte finden, die Flüchtlinge adäquat unterbringen können, fahren wir wieder und wieder“, sagt der 39-Jährige. Damit die nächste Fahrt, die für das kommende Wochenende vorgesehen ist auch finanziert werden kann, wird die BZ-Aktion Menschen in Benzinkosten in Höhe von 700 Euro übernehmen.

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