Der VfL Gemmrigheim ist nach vier hintereinander folgenden Deutschen Meisterschaften im Frisbee entthront worden. Am vergangenen Wochenende reichte es dem mit Nationalspielern gespickten Team in der heimischen Wasenhalle diesmal nur zu Platz drei, nachdem es im Semifinale eine Niederlage gegen Unterföhring gesetzt hatte. Den Meistertitel sicherte sich nach einem knappen Finalsieg gegen Unterföhring der starke TSV „Heidees“ Eppelheim aus dem Rhein-Neckar-Kreis.
Ultimate Frisbee Serien-Meister holt diesmal Bronze
Eppelheim gewinnt in der Wasenhalle Deutsche Meisterschaft. Die Gemmrigheimer gewinnen das „kleine Finale“ gegen Marburg. Besigheim bleibt Zweitligist
Marco Müller, Coach der deutschen Nationalmannschaft und der kleinen Ultimate Frisbee-Gemeinschaft am Neckar, hatte schon eine gewisse Vorahnung: „Die Konkurrenz rückt, auch dank erfreulich zunehmender Mitgliederzahlen, immer näher, alles wird ausgeglichener. Das wird schwer für uns“, prognostizierte der in Freiburg lebende, vielseitige Cheforganisator mit Kennerblick. Und in der Tat war es dann bei den Wettkämpfen, die ungemein viel Lauffreudigkeit, Schnelligkeit, virtuoses Fangvermögen, Sprungkraft und Wendigkeit abverlangen, auch so.
Nach Gruppensieg Aus im Halbfinale für Gemmrigheim
Im „kleinen Finale“ erlebten die zahlreichen Zuschauer bei der auch von einem Fernseh-Team begleiteten Veranstaltung Spannung pur, als der VfL gegen Marburg zwar von Anbeginn an führte, aber alle Hände voll zu tun hatte, um letztlich mit 15:13 Bronze zu sichern. Heidelberg-Nachbar Eppelheim hatte zuvor mit seinem Halbfinalgegner Marburg kurzen Prozess gemacht und souverän gewonnen.
Müller: „Können mit dem dritten Platz zufrieden sein“
Die Jungs um Marco Müller waren nach der Niederlage gegen Unterföhring „natürlich enttäuscht“, wollte man doch gewinnen. „Aber die Welt ist für uns dennoch nicht zusammengebrochen, zumal uns von Anfang an klar war, dass hier jeder jeden schlagen kann. Mit dem dritten Platz können wir zufrieden sein“, so Müller.
Allemal bemerkenswert ist es, dass der am Wochenende angetretene Kader des VfL Gemmrigheim mit Marco Müller nicht nur den Trainer der Nationalmannschaft stellte, sondern mit Nico Müller, Marc Pritsch, Antonio Binfiglio, Robin Iniec, Jonathan Schall, Marcel Hönig und Lennart Vollmer auch sieben Nationalspieler, die mit Robert Schäfer und Florian Thiele komplettiert wurden.
Ende Januar dieses Jahres hatte das deutsche National-Team in Amsterdam im Finale 17:11 gegen Österreich gewonnen und ist somit amtierender Europameister einer einzigartigen Mannschaftssportart, in der weitgehend berührungslos mit einer 175 Gramm schweren, aus Kunststoff bestehenden Frisbee-Scheibe konsequent selbstregulierend ohne Schiedsrichter gespielt wird. Das heißt, strittige Situationen werden selbst geklärt, was weltweit als „Spirit of the Game“ bezeichnet wird.
Doch zurück an den Neckar: Im ebenfalls spannenden Endspiel am Sonntag konnte Mitfavorit Unterföhring lange mit der sympathischen Studenten- und Abiturienten-Formation Eppelheim mithalten, um schlussendlich noch mit 12:15 klein beigeben zu müssen. Der Jubel bei der Siegerehrung, die der Präsident des Deutschen Frisbeesport-Verbandes Dr. Volker Schlechter (Korntal) und Marco Müller vorgenommen hatten, war bei den Meistern entsprechend groß und laut.
Hamburg und Aachen sind die Absteiger
Die Endplatzierungen lauteten wie folgt: 1. Eppelheim, 2. Unterföhring, 3. Gemmrigheim, 4. Marburg, 5. Augsburg, 6. Geretsried, 7. Aachen und 8. Hamburg. Hamburg und Aachen steigen somit aus der Ersten Indoor-Bundesliga ab. Die Aufsteiger in die Bundesliga wurden ebenfalls am Wochenende ermittelt.
Parallel zur Meisterschaft in Gemmrigheim fanden im nahen Kirchheim die Meisterschaften in der Zweiten Bundesliga Süd statt. Dort musste sich Besigheim dem Endspiel-Partner und somit Erstliga-Aufsteiger Karlsruhe beugen, während in der Gruppe Nord Potsdam gegen Bremen das Nachsehen hatte und somit Bremen in die Elite-Liga neu hinzukommt.
Frisbee-Sport boomt in Deutschland
Der Weltverband
World Flying Disc Federation mit Sitz in Colorado Springs (USA) ist inzwischen auf 126 nationale Mitgliedsverbände angewachsen. Aktive Spieler werden auf über fünf Millionen geschätzt. Dem Deutschen Frisbeesport-Verband gehören über 10.000 aktive Mitglieder in mehr als 200 Vereinen und elf Landesverbänden an. Der Verband wurde als offizielles Mitglied des Deutschen Olympischen Sport-Bundes (DOSB) aufgenommen. Frisbee boomt damit auch und gerade in Deutschland.
