Umstrittener Wohnungsbau in Ingersheim Zustimmung trotz Protesten

Von Jörg Palitzsch
Ingersheim Krebsgasse⇥ Foto: Martin Kalb

Nach vielen Einwendungen der Anwohner werden in der Krebsgasse zwei Mehrfamilienhäuser mit 16 Wohneinheiten und eine Tiefgarage gebaut.

Der Ingersheimer Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Dienstag bei zwei Nein-Stimmen einem Baugesuch in der Krebsgasse sein Einvernehmen erteilt. Die Planungen sehen zwei Mehrfamilienhäuser, eine Tiefgarage mit 24 und sechs oberirdische Stellplätzen vor. Das Projekt entspricht den baurechtlichen Vorgaben des zuständigen Stadtentwicklungsamtes in Bietigheim-Bissingen.

Die Genehmigung des Baugesuches geriet, wie in der BZ berichtet, ins Stocken, als in der Sitzung des Verwaltungsausschusses am 18. Januar Karin Zimmer (WIR) auf einen gültigen Baulinienplan hinwies, dessen Grenzen mit dem Neubau überschritten sei. Daraufhin wurde die Beschlussfassung vertagt.

Unterschriftenliste der Gegner

Nach der Sitzung im Januar wurden von Anwohnern gegenüber der Verwaltung weitere Kritikpunkte vorgebracht, die Anwohner machten ihrem Ärger auch am Dienstag in der Fragestunde noch einmal Luft. So wird durch die 16 neuen Wohneinheiten vor allem mit der Zunahme des Verkehrs gerechnet, hauptsächlich in der Hühnergasse, die Zufahrt für die Müll- und Rettungsfahrzeuge werde erschwert, während der Bauzeit werden Schäden an der Straße befürchtet – und insgesamt sei das geplante Gebäude zu massiv. Es gab eine Unterschriftenliste, und die Ratsmitglieder wurden von den Anwohnern auch persönlich angeschrieben.

Bürgermeisterin Simone Lehnert wies diese Bedenken zurück. Die Zufahrt für Versorgungsfahrzeuge sei gesichert und mit einer Tiefgarage und Stellplätzen werde die Verkehrsbelastung in Grenzen gehalten. Außerdem habe der Bauherr zugesichert, vor Beginn der Bauarbeiten ein Beweissicherungsverfahren einzuleiten, um später eventuell entstehende Schäden ausgleichen zu können. Deutlich wies die Bürgermeisterin darauf hin, dass anstelle einer bislang innerörtlichen Ruine, die komplett abgerissen wird, nun Wohnraum entstehe, der dringend benötigt werde.

Gebäudehöhe verringert

In den neuen Planungen wurde die Form als auch die Lage der beiden Gebäude geändert, wie Thomas Jetter von der Firma Layher, dem Bauherren, erläuterte.  Die Baulinie ist nun eingehalten und die Gebäudehöhe wurde nochmals geringfügig verringert. Im Bebauungsplan festgeschrieben wird zudem eine Ampelschaltung in der Tiefgarage, um die Ein- und Ausfahrt von und auf die Krebsgasse zu regeln.

Vor der Aussprache wies Simone Lehnert deutlich darauf hin, dass eine Genehmigung durch das Baurechtsamt erfolge – egal ob der Gemeinderat sein Einvernehmen erteile oder nicht. Ebenso ließ die Bürgermeisterin nochmals Statements der verärgerten Anwohner zu. Die gipfelten in dem Aufruf, der Rat möge das Gesuch symbolhaft ablehnen, und man solle die Pläne nochmals überarbeiten.

Im Gremium sah man dies zum größten Teil anders. Alles sei zwar sehr kritisch, aber vielleicht gebe es die Möglichkeit, wie von Lehnert vorgeschlagen, aus der Krebs- und Hühnergasse eine Spielstraße zu machen, so Jürgen Fleischmann (FWG). Thorsten Majer (SPD) sprach sich ebenfalls für eine Spielstraße aus. Außerdem gebe es Tausende fehlende Wohnungen im „Speckgürtel“ Stuttgart, eine Ablehnung wäre reine Symbolpolitik. Und Ursula Heinerich (CDU) meinte, die künftige Verkehrsbelastung in der Krebsgasse sei zumutbar, eine Lösung, die alle zufriedenstelle, gebe es nicht.

Innenentwicklung angemahnt

Martina Spahlinger (MIT) sah die Mitwirkung der Gemeinde nicht gegeben. Wo seien eigene Planungskonzepte, ein Vorkaufsrecht sei nicht beachtet worden und der Bauherr wolle ein gewinnmaximiertes Projekt umsetzen. „Und dies in einer Ecke von Ingersheim, die noch schön ist“, so die Gemeinderätin, die ein Verkehrschaos prognostizierte. Ablehnung kam auch von Karin Zimmer, die anregte, künftig zu überlegen, wie man die Innenentwicklung umsetzen wolle. Ein Vorschlag, den Bürgermeisterin Simone Lehnert sofort aufnahm.

Vor dem Rathaus hatten sich nach der Abstimmung die Anwohner versammelt, die mit der Entscheidung  nicht einverstanden waren. Schon in der Sitzung hatte man rechtliche Schritte angedroht, weil man den Neubau so nicht hinnehmen wolle.

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