Unkonzentrierte Riesen unterliegen Oldenburg Bundesliga-Legende Paulding sagt Goodbye

Von Andreas Eberle
Ein letzter Wink ins Publikum: Oldenburgs Rekordspieler Rickey Paulding hat am Sonntag in Ludwigsburg seine große Laufbahn beendet. ⇥ Foto: Hansjürgen Britsch/Pressefoto Baumann

In seinem letzten Karrierespiel feiert Rickey Paulding mit den EWE Baskets Oldenburg einen 102:86-Sieg bei den MHP Riesen Ludwigsburg – und wird selbst von allen Seiten gefeiert. Von Andreas Eberle

Um 16.50 Uhr endete am Sonntag in der MHP- Arena eine der größten Karrieren im deutschen Profibasketball – wenn nicht sogar die größte: Rickey Paulding verabschiedete sich nach dem Bundesliga-Duell zwischen den MHP Riesen Ludwigsburg und seinen EWE Baskets Oldenburg mit 39 Jahren in den sportlichen Ruhestand – nach 15 Spielzeiten im Trikot der Niedersachsen, nach 584 BBL-Einsätzen, nach 7959 Punkten und 1073 erfolgreichen Dreiern, nach 1957 Rebounds und 1125 Assists. Eine Wahnsinnsbilanz. Ein Wahnsinnstyp.

Seine Teamkollegen und die gut 200 in den Süden mitgereisten Fans verschafften Paulding einen würdigen und denkwürdigen Abgang vom Parkett. Am Ende behielten die „Donnervögel“ in der Barockstadt mit 102:86 (47:51) die Oberhand. Der US-amerikanische Publikumsliebling und Kapitän der Baskets trug mit seinen letzten acht Karriere-Zählern zum Auswärtscoup bei.

Beide Trainer preisen Paulding

„Es ist sehr schön, wenn wir in der Liga ausländische Spieler haben, die sich mit einem Verein so identifizieren wie Rickey. Das ist etwas Besonderes, und davon brauchen wir mehr. Er ist ein Vorbild in allen Belangen“, würdigte Oldenburgs Coach Ingo Freyer den Helden des Tages. Sein Kollege John Patrick redete diesmal sogar mehr über einen gegnerischen Akteur, eben Paulding, als über die eigenen Schützlinge – was mit Blick auf deren bescheidene Leistung wohl auch besser war. „Es ist eine Ehre, dass ich Rickey Paulding so lange auf dem Feld sehen konnte. Er ist der Michael Jordan des deutschen Basketballs und war jahrelang der beste Spieler in der Liga“, konstatierte der Riesen-Coach voller Wertschätzung. „Meine Kinder haben ihn früher immer bewundert. Auch heute ist er fast noch genauso athletisch wie vor zehn, zwölf oder 14 Jahren.“ 

Stehende Ovationen hatte es für Paulding bereits vor dem ersten Sprungball gegeben – und zwar auch vom Ludwigsburger Anhang. Mit einem Mega-Banner, auf dem „Danke Rickey!“ zu lesen war, den vielen mitgebrachten gelben Trikots mit der Nummer 23 und Sprechchören vor, während und nach der Partie huldigten die Schlachtenbummler aus „Pauldingburg“ ihrer Legende. Und als der Routinier im Auftaktviertel seine ersten zwei Punkte aus dem Feld markierte, flog gelber Konfettiregen aus dem Block.

Riesen nur noch Fünfter

Die Ludwigsburger Korbjäger spielten dagegen in eigener Halle ausnahmsweise nur eine Nebenrolle – und entsprechend zurückhaltend war auch ihr Auftritt fünf Tage vor Beginn des großen Final-Four-Turniers in der Champions League. „Wir freuen uns klar auf das Spiel am kommenden Freitag in Bilbao, aber für mich ist das Ergebnis heute dennoch enttäuschend, weil es über den Heimvorteil für die Playoffs entscheiden könnte“, sagte Patrick. Seine Mannschaft würde im Playoff-Viertelfinale nach jetzigem Stand als Fünfter auf den viertplatzierten Angstgegner Niners Chemnitz treffen – ohne den besagten Heimvorteil. Beide Klubs haben nach den Sonntagsspielen die Plätze getauscht.

Kritik an Aussetzern

Bis zur 36:25-Führung in der 14. Minute sah es noch ganz nach einem Favoritensieg der Schwaben aus. Doch dann riss der Faden. Vor allem die jeweils fünf Dreier von T.J. Holyfield und Phil Pressey taten den Riesen weh. Jenes Duo führte am Ende mit 25 und 21 Zählern auch das Scoring an. Die Hausherren holten sich zwar insgesamt 17 Offensivrebounds (und die Baskets nur deren zwei) und feuerten 23 Feldwürfe mehr ab als der Gegner. Die Effektivität blieb diesmal aber auf der Strecke. Der eine oder andere Riesen-Profi schien mit dem Kopf nicht ganz bei der Sache. Jordan Hulls war mit 18 Punkten Ludwigsburgs Topscorer, gefolgt von Jonah Radebaugh (16), Rawle Alkins (15) und James Woodard (12).

„Jeder konnte heute sehen, dass auf unserer Seite die Konzentration gefehlt hat, obwohl wir stellenweise hart gespielt haben“, sagte Coach Patrick und rügte: „Es kann nicht sein, dass uns als Mannschaft in so einem Spiel so viele Aussetzer passieren.“

 
 
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