Liebevoll strich Neil Counsell über die Motorhaube seines MGB Roadsters aus dem Jahr 1973 in standesgemäßem Farbton „British Racing Green“. Der Brite, der seit 1982 in Deutschland lebt und in Esslingen wohnt, war zum ersten Mal zu Gast auf dem Oldtimertreffen rund um die historische Kelter in Unterriexingen.
Unterriexingen Glanzstücke vergangener Tage
Das Oldtimer-Treffen in Unterriexingen zeigt Raritäten aus Chrom und Stahl auf zwei und natürlich auch auf vier Rädern.
„Mein Vater ist damals ein solches Auto gefahren und damit sind viele Familienerinnerungen verbunden. Ich habe den MGB im Jahr 2016 über eine Aktionsplattform im Internet in Nordengland gekauft und danach einige Erneuerungsarbeiten Schritt für Schritt vorgenommen“, erzählte Counsell, der seinem Oldtimer den Kosenamen „Mr. Jeeb“ gegeben hat.
Auch Oldies mit zwei Rädern
Die zahlreichen Besucher aus dem gesamten Landkreis Ludwigsburg und darüber hinaus konnten auch Oldies aus Chrom und Stahl auf zwei Rädern bewundern sowie viele landwirtschaftliche Fahrzeuge, die deutlich in der Überzahl waren. „Wir erwarten heute rund 2500 Besucher, die bis aus Calw zu uns anreisen, um ihre Fahrzeuge auszustellen oder um die Oldtimer bestaunen“, machte Erwin Elser vom Festausschuss des gastgebenden Vereins für historische Fahrzeuge und Geräte Unterriexingen deutlich. Unter diesen Besuchern war auch Tobias Potzmann aus Walheim mit seinem John Deere Lanz-Trecker aus dem Jahr 1962. „Dies war das erste Modell, das unter der Führung von John Deere damals gebaut wurde. Meine Familie hat einen landwirtschaftlichen Betrieb, und wir hatten lange Zeit auch einen John Deere-Trecker. Ich wollte unbedingt ein Fahrzeug aus meinem Geburtsjahr“, schilderte Potzmann, der bereits zum zweiten Mal auf einem Oldtimertreffen in Unterriexingen war und die gute Organisation der Veranstaltung lobte.
Ein Blickfang für die Besucher waren auch ein blauer Fortschritt-Traktor mit 125 PS aus dem Jahr 1972, der in der ehemaligen DDR gebaut wurde, sowie ein Lanz-Trecker aus dem Jahr 1937 mit 45 PS, der einst auf der Domäne Rechentshofen bei Hohenhaslach im Einsatz war und heute im Besitz von Familie Schweiher aus Erligheim ist. „An diesem Fahrzeug ist zu sehen, wie die Begeisterung für die alten Trecker drei Generationen verbindet, denn Vater, Sohn und Enkel sind damit heute zu uns nach Unterriexingen gefahren“, erläuterte Elser und zeigte auf den Kindersitz, der auf dem Traktor montiert worden war. Unter all den imposanten Treckern stach auch Rüdiger Rau aus Enzweihingen mit seinem Gefährt hervor. Der „Holder“-Einachsschlepper mit sechs PS aus dem Jahr 1970 galt damals als der „Traktor der Kleinbauern“. „Meine Familie hatte mehrere Einachsschlepper, da diese mit Geräten wie Fräsen oder einem Mähwerk versehen werden konnten und gut für die Bewirtschaftung kleinerer Parzellen geeignet waren“, berichtete Rau, der seinen Oldtimer im Remstal erstanden hatte und anschließend ebenfalls noch einige Reparaturarbeiten durchführen musste, bevor der Motor wieder auf Touren lief. Er hatte ihn mit einem Spritzengerät und einem Wasserfass versehen, mit dem Bewässerungsarbeiten im Weinberg oder auf der Streuobstwiese durchgeführt werden können.
Nicht leicht zu pflegen
„Wir haben unseren Verein im Jahr 2000 gegründet und seit dieser Zeit jährlich bis auf wenige Ausnahmen ein solches Oldtimertreffen veranstaltet“, sagte Elser vom Gastgeber-Verein und zeigte auf eine ganz besondere Rarität auf vier Rädern.
Der DKW aus dem Jahr 1958 trug auf seinem Heck den Aufkleber „Kenner fahren DKW 3=6“. „Die Werbung für diese Fahrzeuge, aus denen später Audi hervorging, versprach damals, dass sie zwar nur drei Zylinder haben, aber die Leistung von sechs Zylindern zeigen“, beschrieb Elser das 40-PS-starke Fahrzeug mit seiner strahlend weißen Farbe, die nicht leicht zu pflegen ist, wie der Fachmann wusste, da diese Oldtimer noch nahezu keine Rostvorsorge hatten.
