Unwetter zieht von Bietigheim nach Oberstenfeld „Superzelle“ wütet im Landkreis

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Wasser läuft durch den Ortskern von Mundelsheim. Foto: Oliver Bürkle

Wegen des Gewitters am Donnerstagabend waren mehr als 200 Feuerwehrleute im Einsatz. Der Sturm begann in Bietigheim und zog über Mundelsheim nach Oberstenfeld, wo der Schwerpunkt war.

Über ein in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst installiertes Wetteradar kann die Feuerwehr in der Integrierten Leitstelle in Ludwigsburg schon im Voraus sehen, ob dem Landkreis Gefahr durch Wetterunbilden droht. Am Donnerstag sei zunächst gar nichts zu erkennen gewesen, berichtet Kreisbrandmeister Andy Dorroch. Doch dann habe sich auf einmal im Bereich Bietigheim-Bissingen/Tamm etwas zusammengebraut: Die Farben des Wetterradars wechselten von gelb über orange bis hin zu rot und violett – das Zeichen, dass sich etwas Gefährliches entwickelte: eine sogenannte Superzelle. „Dieses Phänomen hatte ich noch nie“, so Dorroch gegenüber der BZ. Gegen 19 Uhr brach das Gewitter dann los und dauerte bis Mitternacht.

Über Bietigheim-Bissingen entstanden, zog die Superzelle weiter über Mundelsheim ins Bottwartal, wo sie vollends abregnete und -hagelte. Dort lag laut einer Mitteilung der Polizei auch der Schwerpunkt der Einsätze. Insbesondere Oberstenfeld, Mundelsheim und Großbottwar waren betroffen. Das Unwetter verursachte teilweise Überschwemmungen, Brand und Stromausfall. Die Ortsdurchfahrten Mundelsheim und Oberstenfeld mussten für den Personen- und Fahrzeugverkehr komplett gesperrt werden, nachdem Wasser- und Schlammmassen ein Passieren unmöglich gemacht hatten.

Nach ersten Erhebungen liefen im Ortskern Mundelsheim etwa 25 Keller voll, in Oberstenfeld waren etwa 50 Keller überschwemmt. Infolge der Überflutungen in Mundelsheim kam es zu einem Stromausfall im Bereich der Großbottwarer Straße, der bis gegen Mitternacht andauerte. In der Neckartalgemeinde gab es laut dem Kreisbrandmeister sehr hohe Niederschläge von 70 Litern auf den Quadratmeter, hinzu kam Hagel. Da für die Nacht neue Regenfälle angekündigt waren, wurden in der Großbottwarer Straße vorsorglich mobile Dämme errichtet, welche aber später wieder abgebaut werden konnten.

Blitz schlägt in Haus ein

In Oberstenfeld-Gronau geriet durch einen Blitzeinschlag der Dachstuhl eines Einfamilienhauses mit Einliegerwohnung in der Hauptstraße in Brand. Die insgesamt sechs Bewohner bemerkten dies jedoch rechtzeitig, setzten einen Notruf ab und konnten das Haus unverletzt verlassen, der Brand wurde von der Feuerwehr gelöscht.

In Bietigheim-Bissingen und Vaihingen gab es nach Mitteilung der Polizei  mehrmals kurzfristige Straßensperrungen. Die Freiwillige Feuerwehr in Bietigheim-Bissingen hatte wegen des Unwetters, das in zwei Wellen kam, ordentlich zu tun. „Wir waren unerwartet stark eingebunden“, sagt Stadtkommandant Frank Wallesch. Die Wehr wurde unter anderem in die Geisinger und die Pleidelsheimer Straße im Industriegebiet gerufen. Nach Einschätzung von Wallesch lagen die Einsätze insgesamt aber im Bereich des Üblichen bei Gewittern. Auch Dorroch bestätigt, dass man hier mit einem blauen Auge davongekommen sei.

Feuerwehr hilft in Gronau

Darüber hinaus wurde der Abrollbehälter Hochwasser der Feuerwehr in Bietigheim-Bissingen zum Einsatz in Oberstenfeld angefordert, wo das Unwetter besonders schlimm wütete. Drei Feuerwehrleute brachten den Behälter in den dortigen Ortsteil Gronau, wo sie bis drei Uhr nachts eingesetzt waren.

Insgesamt waren unter der Leitung des Kreisbrandmeisters in der Nacht von Donnerstag auf Freitag mehr als 200 Einsatzkräfte verschiedener Feuerwehren im Einsatz, weiterhin der leitende Notarzt sowie zahlreiche Kräfte von Rettungsdienst, Polizei und Straßenmeisterei. 

Andy Dorroch lobt den Einsatz der Leitstelle in der Gewitternacht. Obwohl das Unwetter sehr schnell kam, seien rasch alle Arbeitsplätze dort besetzt gewesen. Aufgabe der Mitarbeiter sei es, die Einsätze zu leiten und Prioritäten festzulegen, wenn Notruf auf Notruf über vollgelaufene Keller hereinkomme.

Das Tückische an einer solchen Superzelle, die sich lokal entwickle, sei, dass sie nicht schnell über den Kreis hinweg ziehe, sondern in langsamer Geschwindigkeit wandere, auch hin und her pendle, sagt Dorroch. Er führt das Pänomen auch auf die steigende Erwärmung zurück. Es regne insgesamt weniger, aber wenn, dann stärker, mit größeren Hagelkörnern. „Das ist eine Herausforderung für die Feuerwehr“, so der Kreisbrandmeister.

 
 
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