Der Verkauf des Areal Altes Krankenhauses, ein prekärer Zustand der städtischen Liegenschaften und die Gartenschau beschäftigen den Vaihinger Oberbürgermeister Uwe Skrzypek-Muth in 2026.
Vaihingen „Entscheidungen mit gesundem Menschenverstand treffen“
Im Bürgermeistergespräch zieht Oberbürgermeister Uwe Skrzypek-Muth ein Resümee für das vergangene Jahr und gibt einen Ausblick auf 2026.
Was ist der Stand zum Areal Altes Krankenhaus?
Uwe Skrzypek-Muth: Wir haben eine klare Erklärung unseres Landrats, dass es zum jetzigen Zeitpunkt nur einen Ansprechpartner gibt und das ist die Stadt Vaihingen. Wir haben einen gemeinsamen Gutachter benannt, der den Wert des Areals ermitteln wird. Das wird dann die Ausgangssituation sein für die Verhandlungen darüber, dass die Stadt wieder Eigentümer des Areals wird. Das ist der vereinbarte Prozess. Das wird uns Anfang 2026 beschäftigen.
Wie ist der Stand bei den Ärzten im Vaisana?
Ein kleinerer Teil der Ärzteschaft wird das Ärztehaus voraussichtlich verlassen. Das Gros der Ärzteschaft möchte aber unbedingt Vaihingen und dem Ärztehaus treu bleiben und wir als Stadt werden alles daransetzen, dass sie so viel Verlässlichkeit erleben, dass sie nicht auch noch auf die Idee kommen, nach Alternativen zu suchen.
Der Gemeinderat hat es Ihnen bei der Sondersitzung nicht leicht gemacht.
Unsere medizinische Grundversorgung ist ein Prio 1-Thema. Da kann man nicht abweichender Meinung sein. Im Gemeinderat erlebe ich vereinzelt einen Mechanismus, den ich als Reflex der Opposition gegenüber dem Oberbürgermeister beschreiben würde. Deshalb kam es zum Vertagungsreflex.
Anselm Laube von der Lea wird die Stadtbau leiten, die eine Rolle beim Areal spielen könnte.
Ja, das kann ein Gebäudewirtschaftsamt nicht noch zusätzlich übernehmen. Anselm Laube ist eine Riesenbereicherung für Vaihingen. Er wird auch Leiter der Stadtwerke sein. Dadurch bekommen wir also einen neuen Führungskopf und einen Generationswechsel in der Stadtbau GmbH.
Wie steht es um die Investitions-offensive Schulinfrastruktur?
Durch das Sondervermögen des Bundes bekommt Vaihingen über die nächsten zwölf Jahre 17,3 Millionen Euro. Das sind rund 1,4 Millionen pro Jahr. Das Geld wird für die Schulinfrastruktur aufgewendet. Aktuell wird die Kornbergschule in Enzweihingen umgebaut. Das ist die erste Schule, die wir für die Ganztagsbetreuung ertüchtigen.
Dann gibt es eine Beschlusslage, dass die Grundschule in Aurich saniert wird. Das ist ja der baurechtliche Sündenfall, der uns da vor die Füße gefallen ist. Wir haben ein Gutachten, dass uns dort Gefahr für Leib und Leben bescheinigt – denn es gibt nur eine Baugenehmigung für drei Klassen, es werden aber vier Klassen betrieben. Man hat mir dieses Brandschutzgutachten ein Jahr lang bewusst vorenthalten. Es ist bekannt geworden, dass Baurechtsauflagen, die vor Jahren ergangen sind, nie erfüllt wurden.
Wie konnte das passieren?
Als große Kreisstadt mit einer eigenen Baurechtszuständigkeit muss Vaihingen in 44 städtischen Liegenschaften alle fünf Jahre turnusmäßigen Brandverhütungsschauen vornehmen. Wir haben festgestellt, dass wir es an keiner dieser Liegenschaft getan haben. Mit Blick auf 2026: Der prekäre Teil in Vaihingen findet gar nicht im Haushaltsplan statt. Es ist der prekäre Zustand unserer Liegenschaft. Wir haben in der Vergangenheit immer wieder Sanierungsdefizite verschoben und jetzt ist das Gummiband kurz vor dem Reißen.
Welche Spielräume haben Sie in der Stadt angesichts klammer Kassen?
Wir müssen konsequent mit gesundem Menschenverstand Entscheidungen treffen, die das Beste ermöglichen. Unsere Spielräume sind wirklich sehr eingeschränkt. Der alte Mechanismus, hast du ein Problem, wirf Geld darauf, funktioniert nicht mehr. Wir haben kein Geld, um Probleme zu lösen. Wir müssen sie intelligent lösen und dafür braucht es Handlungsspielräume. Die Sozialisierung von Verwaltungsbeamten im Allgemeinen ist vielfach so, dass diese sich mit Abwägungsentscheidungen schwertun. Entweder wegschauen oder im Hunderttausendstel unterwegs sein. Daran müssen wir dringend arbeiten, auch um die Überbürokratisierung abzubauen.
Haben Sie ein Beispiel?
Wir haben über drei Millionen Euro ausgegeben für einen Radweg mit LED-Beleuchtung. Die gesammelte Schülerschaft beschwert sich nun darüber, dass die Lampen immer dann ausgehen, wenn es dunkel wird. Auf meine Frage, warum, habe ich die Antwort bekommen, dass in der Baugenehmigung steht, dass diese Lampen um 22 Uhr ausgeschaltet sein müssen. Den Grund dafür konnte mir niemand erklären. Wenn wir die Lampen länger brennen lassen würden, könnte uns also im schlimmsten Fall jemand darauf hinweisen, dass das nicht baurechtskonform ist und wir müssten sie wieder um 22 Uhr ausmachen. Aber dann wäre der schlimmste Fall ja der, den wir jetzt schon haben.
Was ist der Stand beim Wärmenetz, für dessen Übernahme die Stadtwerke gegründet wurden?
Wir haben jetzt Wärme im Netz und bereits kommunale Liegenschaften angeschlossen. Um die zugesagten Fördergeld am Ende bekommen zu können, mussten wir einen nicht-städtischen Verbraucher beliefern – das ist mit der Waldorfschule nun auch gelungen. Wir haben daher alle Kriterien erfüllt, damit wir jetzt die anderthalb Millionen Euro bekommen und das macht mich schon stolz.
Wie steht es um die Gartenschau?
Der Eigenbetrieb Gartenschau bereitet die Daueranlage vor und kümmert sich um die professionelle Abwicklung. Aber für die Bürgergartenschau brauchen wir die Initiative der Bürgerschaft. Da haben wir ganz viel im Angebot – neun Stadtteile und etwa 300 Vereine beispielsweise. Der Förderverein soll dieses bürgerschaftliche Engagement ein Stück weit kanalisieren und er soll drei Säulen haben. Wir wollen aktive Mitglieder haben, die sich auch mit Projekten einbringen. Wir wollen Fördermitglieder haben, damit wir Gelder sammeln können, um Projekte umsetzen zu können. Und als drittes wollen wir ein Netzwerk der Vereine haben. Wir werden im ersten Quartal zur Vereinsgründung übergehen.
Wie werden Sie den Eigenanteil der Schau finanzieren?
Wir werden uns das Geld, das wir als Eigenanteil brauchen, leihen müssen. Aber damit schaffen wir bleibende Werte. Auf jeden Euro, den wir uns leihen, bekommen wir mindestens ein Euro obendrauf. Dadurch werden wir, glaube ich, diese Stadt im Positiven prägen können. 2029 werden die Menschen kommen und sie werden feststellen, dass es lohnenswert ist, wiederzukommen.
Wie ist es um den Haushalt bestellt?
Wir haben eine unglaublich schwere Aufgabe, die da heißt, Einnahmen und Ausgaben unterjährig in Deckung zu bringen. Wir müssen unseren Ergebnishaushalt nachhaltig in der Weise in den Griff bekommen, dass wir nicht stetig mehr ausgeben, als wir in guten Jahren einnehmen können. Und das wird eine ganz, ganz bittere Auseinandersetzung werden.
Vielen Dank für das Gespräch.
