Wir sind am Limit“, sagt die Leiterin des Vaihinger Tierheims, Anneliese Petzold. Das Tierheim hat gerade einen Aufnahmestopp, da bis auf den letzten Platz alles belegt ist. Kürzlich gab es einen Fall mit dem Veterinäramt, durch den 18 Vögel, 14 Kaninchen und neun Katzen dazukamen. Dazu kommt aktuell die Urlaubszeit: Da das Personal im Tierheim Vaihingen zu 99 Prozent ehrenamtlich arbeite, würden jetzt, während der Sommerferien, viele der Mitarbeiter im Urlaub sein. „Es ist jeden Tag spannend, wie man es hinbekommt, wenn jemand ausfällt“, so Petzold, die während des Gesprächs mit der BZ die Info bekommt, dass sich eine Helferin mit Fieber krank gemeldet hat. „Unsere Helfer sind toll. In der Regel kriegt man es irgendwie hin.“
Vaihingen/Ludwigsburg Die Tierheime sind am Limit
Die Vaihinger und Ludwigsburger Tierheime berichten von voller Auslastung und Aufnahmestopp.
Viele Katzen mit Babys
Wenn ein absoluter Notfall, beispielsweise ein Fundtier, komme, dann schaue man natürlich, wie man es bewerkstelligen könne. Trotzdem: „Wir können einfach nicht mehr“, sagt Petzold. In dieser Jahreszeit gebe es zum Beispiel auch viele tragende Katzen oder Katzen mit Babys. Wenn solche ins Tierheim kommen, müssen sie mindestens ein Vierteljahr in Quarantäne, nehmen so lange also Platz weg. Durch die Ferien komme es zwar nicht zu mehr Abgaben von Tieren, sagt Petzold, aber: „Es rufen Menschen an, die eine Pflegestelle für die Dauer ihres Urlaubs suchen.“ Statt bei einer Pension melden sie sich beim Tierheim. „Für Urlaubsbetreuung sind wir die falsche Adresse“, stellt die Leiterin klar. Werden Katzen abgegeben, nennen die Halter als Gründe häufig Allergien auf Katzenhaare. Bei Hunden hingegen sei oft Unverträglichkeit mit Kindern ursächlich, nicht selten nachdem der Hund viele Jahre in der Familie gelebt habe. Zu hohe Tierarztkosten würden nur selten als Grund für die Abgabe genannt. Dass diese seit der neuen Gebührenordnung 2022 gestiegen sind, merke man im Tierheim. Finanziell komme man gerade so aus – „aber nur durch das Ehrenamt, dadurch haben wir geringe Lohnkosten“, so Petzold, ohne die Ehrenamtlichen würde es nicht gehen. Finanzielle Spenden ans Tierheim würden weniger werden. Petzold: „Jeder Euro ist wichtig.“ Über zu wenig Sachspenden könne man hingegen nicht klagen. Gerade, wenn das Futter ausgeht und das Tierheim auf Social Media um Hilfe bittet, kämen viele Sachspenden an.
„Wir platzen aus allen Nähten“, sagt auch die Leiterin des Ludwigsburger Tierheims, Ursula Gericke. Seit die Tierarztgebühren gestiegen sind, gebe es viele nicht kastrierte und trächtige Katzen, man hoffe auf Besserung durch die Katzenschutzverordnungen, die nun nach und nach in Kraft treten und den Tierheimen früher eine Kastration erlauben.
Werden Tiere gefunden, fragt das Tierheim Ludwigsburg bei befreundeten Tierheimen und bei ihren Pflegestellen nach Plätzen. Zur Not springen die Mitarbeiter ein: „Eine Kollegin hat gerade vier Katzen zuhause, und ich habe auch eine“, erzählt Gericke. Mehr als zehn Katzenpflegestellen hat das Tierheim zur Zeit. „Es gibt immer Leute, die uns helfen und Tiere aufnehmen, auch wenn es alte und kranke sind.“ Das Spendenlevel sei gut, „darüber sind wir froh“, sagt Gericke.
Abgabe wegen Überforderung
Wegen Allergien, Überforderung und auch Trennungen werden viele der Tiere abgegeben. Auch Welpen, die vom Tierheim vermittelt wurden, tauchen ab und zu nach ein oder zwei Jahren wieder auf, wenn sie zu anspruchsvollen Hunden geworden sind. „Wir haben immer noch Coronahunde, die unerzogen und ungebremst sind“, so Gericke. 100 Hunde, 120 Katzen, 40 Vögel, 30 Kaninchen und 20 Reptilien beherbergt das Tierheim aktuell.
Von Woche zu Woche würden in den Ferien mehr von ihnen vermittelt werden, wenn die Menschen aus dem Urlaub zurückkommen. Schlauer wäre es aber, so Gericke, den Urlaub „sausen zu lassen“ und sich in den Ferien Zeit für das neue Haustier zu nehmen.
