Vaihingen Maientag: Schatten ist heiß begeht

Von Michael Banholzer
Etwa 2500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer liefen beim diesjährigen Festumzug mit, der wie in jedem Jahr den Höhepunkt des Vaihinger Maientags darstellte. Vor allem die Kleider und Kostüme begeistern jedes Jahr die Zuschauer und Zuschauerinnen. Foto: Oliver Bürkle

Etwa 15.000 Besucher verfolgen am Pfingstmontag den traditionellen Festzug der mehr als 100 Gruppen durch die Vaihinger Innenstadt. Dabei macht vielen die Hitze zu schaffen.

Dieser Maientagsfestzug war nicht ohne. Schön sei es gewesen, war im Anschluss von verschiedenen Teilnehmern zu vernehmen. In Hitze und praller Sonne durch die Vaihinger Innenstadt zu marschieren, wollte aber gut vorbereitet sein. Ohne Kopfschutz, Sonnencreme und vor allem viel Wasser, lief man schnell Gefahr, sprichwörtlich auf der Strecke zu bleiben.

Viele fröhliche Gesichter

Bei einem solchen Wetter seien die Zuschauer doch gleich besser gelaunt, lautete das positive Fazit von Gerd Fink, der als Ensinger Ortsvorsteher die Gruppen seines Stadtteils begleitet hatte. In der Tat konnte man entlang der Wegstrecke, die sich vom Aufstellungsbereich in der Steinbeis-, Aschmann- und Znaimer Straße quer durch die Innenstadt bis hinab zum Rondell am Egelsee schlängelte, nur fröhliche Gesichter sehen.

Um kurz nach 10.30 Uhr hörte man in der Heilbronner Straße die ersten Klänge des vorneweg marschierenden Vaihinger Musikvereins. Dieser hat nach diesem Festwochenende ein beachtliches Pensum in den Beinen: von Ständchen im gesamten Stadtgebiet über das Platzkonzert am Sonntagabend bis zur Tagwache, bei der am Montagmorgen ab 5 Uhr morgens an 34 Plätzen in der Innenstadt die Bevölkerung zum Maientag geweckt wurden – manch junger Musikant hatte die Nacht gleich durchgemacht. Und am Montag nun auch noch der Festzug.

Bei diesem fiel ganz besonders auf, wie begehrt die wenigen schattigen Plätze waren. Dort drängten sich die Zuschauerinnen und Zuschauer. Wer darauf keine Lust hatte, brachte sich seinen Schatten in Form eines Schirmes gleich selber mit. So wie Rebecca Schmidt mit Töchterchen Thea aus Sersheim und Ute Sanna aus Hochdorf. Wie Sandra Unteregelsbacher, Bereitschaftsleiter des Vaihinger DRK, später berichtete, musste das Rote Kreuz insgesamt 13 Personen medizinisch versorgen. Zweimal habe es sich um Stürze gehandelt, in den elf anderen Fällen um wetterbedingte Kreislaufprobleme. Es sei aber niemand ernsthaft zu Schaden gekommen.

Wohl auch der Hitze geschuldet dürfte sein, dass es in diesem Jahr weniger Besucherinnen und Besucher gegeben hat. Laut Hans-Christian Hecker, dem Leiter des Vaihinger Polizeireviers, säumten grob geschätzt 15.000 Menschen den Weg der mehr als 100 Gruppen beim Festzug. Etwa 4000 Menschen wohnten der anschließenden Feier im Rondell bei. Das Geschehen bei allen Veranstaltungen, einschließlich des Rummels auf dem Festplatz am Egelsee, sei ruhig und unauffällig gewesen, sagte Hecker Stand Montagmittag.

Hitze hin oder her – die Stimmung war ausgezeichnet. Schulen, Kindergärten, Vereine, Stadtteile und Stadtgeschichtliches – die Gruppen deckten die ganze Bandbreite der Stadt ab. Überall erschallte der Ruf „Scheena Maiadag“, der sofort aus etlichen Mündern erwidert wurde.

Viele Hauseigentümer entlang der Wegstrecke hatten ihre Fassaden mit großen und kleinen Fahnen in den Stadtfarben Rot und Blau geschmückt. Was es mit all den Traditionen auf sich hat, lässt sich kindgerecht im Buch „Maja und der Maientag“ nachlesen. Die in Aachen lebende Autorin stammt aus Vaihingen und hat sich von ihren Erinnerungen dazu inspirieren lassen. Als Gastrednerin eröffnete Heß zusammen mit Oberbürgermeister Uwe Skrzypek-Muth vor dem Festzug den Maientag auf dem Marktplatz.

Maientag als Heimat

„Die Stimmung am Maientag in Vaihingen sucht ihresgleichen“, sagte Heß. Schon ihre Mutter habe beim Flößertanz im Rondell mitgetanzt. Und auch sie selbst habe im Alter von zehn Jahren die Ehre gehabt, bei der Feier einen Teil des Traditionsgedichtes „D’ Zit isch do“ aufsagen zu dürfen. Der Maientag sei für sie einfach Heimat. Allerdings – ein wenig Wasser musste der OB bei der feierlichen Eröffnung in den Wein gießen: Man lebe in weltpolitisch unsicheren Zeiten. Vor diesem Hintergrund war auch das Maientagsmotto – ein Zitat des Friedensnobelpreisträgers und früheren Bundeskanzlers Willy Brandt – gewählt worden: „Der Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.“ Freud’ und Leid lägen an diesem Maientag eng beieinander. Das sei aber weniger der weltpolitischen Lage geschuldet, als dem Tod Wendelgard von Stadens vor wenigen Tagen. Die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und der Vaihinger Bürgermedaille wäre am 7. Juni 101 Jahre alt geworden. Bis ins hohe Alter setzte sich die einstige Diplomatin für die Demokratie ein.

Als der OB ihr im vergangenen Jahr zum 100. Geburtstag das Geschenk habe machen wollen, sie in der offenen Kutsche beim Maientagsfestzug mitfahren zu lassen, habe sie abgelehnt, berichtete Skrzypek-Muth in seiner Rede. „Sie stand lieber am Straßenrand, um zu jubeln, statt in einer Kutsche zu fahren und bejubelt zu werden.“ Dafür zollte auch das Publikum Respekt und spendete viel Beifall.

 
 
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