Lang war die Liste der Tagesordnungspunkte bei der letzten Sitzung des Gemeinderats in diesem Jahr. Doch was vermutlich die meisten Besucher in die Stadthalle gelockt hatte, war Punkt Nummer vier, in dem es um die „strategischen Ziele der Stadt Vaihingen in Bezug auf das Klinik-Areal/Vaisana-Ärztehaus“ ging. Sprich: Wie geht es weiter mit dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses, das die aktuelle Eigentümerin, die Regionale Kliniken Holding (RKH), aus finanzieller Not dringend verkaufen möchte?
Vaihingen Vaisana: Im zweiten Anlauf stimmt der Gemeinderat zu
Nach der Sondersitzung im November hat die Stadtverwaltung strittige Punkte der ursprünglichen Beschlussvorlage umformuliert.
Der Andrang diese Woche war indes weniger groß als bei der Sondersitzung zum gleichen Thema am 13. November. Möglicherweise, weil die zumindest für einige einen enttäuschenden Ausgang genommen hatte (die BZ berichtete): Laut Beschlussvorlage hätte der Gemeinderat damals über die mögliche Ausübung des Vorkaufsrechts der Stadt beschließen sollen – nicht über den tatsächlichen Kauf. Da jedoch noch keine konkreten Zahlen bekannt sind – weder ein möglicher Verkaufspreis, noch der Verkehrswert des Grundstücks – wollten einige Gemeinderäte der Beschlussvorlage nicht zustimmen und beantragten, über die strittigen Punkte und Formulierungen in den zuständigen Ausschüssen zu beraten.
Kein guter Start
Diese Verzögerung war vor allem für die im Vaisana ansässigen Ärztinnen und Ärzte ein Problem, deren Mietverträge im Frühjahr 2027 auslaufen und die seit Monaten versuchen, mit der RKH neue Verträge auszuhandeln. Die wiederum möchte die Immobilie vorher abgestoßen haben. Brisant wurde es, als bekannt wurde, dass es mit der Wohnbau Oberriexingen einen möglichen Kaufinteressenten gebe. Die Stadt, die das Areal dem Landkreis in den 1930er-Jahren geschenkt hatte, war darüber nicht informiert worden.
Stadt und Ärzteschaft warfen der RKH und dem Landkreis als Gesellschafter der Kliniken GmbH schlechte Kommunikation und „Gewinnmaximierungsbestreben“ vor. Der Kreis konterte öffentlich und warf Vaihingens Oberbürgermeister Uwe Skrzypek-Muth vor, einen laufenden „Prozess zur Sicherung der regionalen Gesundheitsversorgung“ zu gefährden.
„Gespräche weiterführen“
Mittlerweile haben sich die Wogen etwas geglättet, wie Skrzypek-Muth berichtete: Erst am selben Tag habe er mit Axel Hechenberger, dem kaufmännischen Geschäftsführer der RKH, über die Mietverträge gesprochen. Und auch mit dem Landkreis funktioniere die Kommunikation inzwischen. Skrzypek-Muth zitierte aus einem Schreiben von Landrat Dietmar Allgaier, der sich dafür aussprach, die „konstruktiven Gespräche“ weiterzuführen, und der vor allem bestätigte, dass die RKH-Kliniken derzeit mit keinem weiteren Interessenten im Gespräch seien. „Das stärkt unserer Position“, merkte der Rathauschef zufrieden an.
Zwist gibt es dafür mittlerweile zwischen den beiden Parteien, die das Areal gerne in ihren Besitz bringen würden: Am Dienstag habe der Geschäftsführer der Wohnbau Oberriexingen, Kim Hasenhündl, ihn mit dem Vorwurf konfrontiert, „Hass und Hetze in diese Stadt zu tragen“, erzählte Skrzypek-Muth. Er lasse sich jedoch weder einschüchtern noch diskreditieren. Immerhin, im Gemeinderat herrschte Einigkeit: Allen drei überarbeiteten Vorschlägen stimmten die Gremiumsmitglieder ohne Gegenstimmen oder Enthaltungen zu. Ein „klares Signal nach Ludwigsburg“, wie Eberhard Zucker (Freie Wähler) anmerkte.
Ein ebenso klares Bekenntnis kam auch von Dr. Julia Schwarz-Kumpf, einer der allgemeinmedizinischen Ärztinnen im Vaisana: „Wir wollen hierbleiben.“ Und das nicht nur der schönen Aussicht wegen, sondern um ihre Patienten weiterhin wohnortnah versorgen zu können.
Daher würde sie auch die Entwicklung eines seniorenfreundlichen Stadtquartiers auf dem Areal begrüßen. „Wir sind offen für alles und wir freuen uns auf alles“, sagte sie. Allerdings betonte die Medizinerin auch, dass sie nur für die Hausärzte sprechen könne, nicht für die im Vaisana ansässigen Internisten. Dass man fünf Ärzte verlieren werde, zeichne sich ab, bestätigte Skrzypek-Muth.
Darüber zeigte sich vor allem Zucker enttäuscht: „Wir haben uns so eingesetzt und wollen uns nach wie vor einsetzen.“ Er bat Schwarz-Kumpf, auf ihre Kollegen einzuwirken, die Entscheidung nochmals zu überdenken. Es lohne sich jedoch auch, für die acht verbleibenden Ärzte zu kämpfen, so Skrzypek-Muth. Stadt und Kreis haben daher gemeinsam einen unabhängigen Gutachter beauftragt, um den Grundstückswert zu ermitteln. Mit dem Ergebnis wird Ende Januar 2026 gerechnet. Parallel dazu prüft die Stadtverwaltung „geeignete Nachnutzungsmöglichkeiten“, angedacht sind etwa weitere Fachpraxen, eine Tagespflege, Personalwohnungen für Pflegekräfte und seniorengerechte Wohnungen.
Neuer Chef der Stadtbau GmbH
Die könnten dann auch von externen Investoren erschlossen werden – denn angesichts der leeren Stadtkassen wird die Stadt ein solch ehrgeiziges Projekt nicht alleine stemmen können.
Im Gespräch ist seit längerem, dass die kommunale Stadtbau GmbH das Areal erwirbt und nicht die Stadt selbst. Für die ist ein Nachfolger des bisherigen Geschäftsführers Detlef Fischer gefunden, wie Skrzypek-Muth in dem Zusammenhang verkündete: Anselm Laube, bislang Geschäftsführer der Ludwigsburger Energieagentur, wird sowohl die Leitung der Stadtbau als auch die Betriebsleitung der der neuen Vaihinger Stadtwerke übernehmen (die BZ berichtete).
