Vaihingen Von alten, offenen Rechnungen

Von Hannah Reutter
Noch wird für das neue Stück „Das Klassentreffen“ eifrig in der Seemühle geprobt. Bis zu 25. September müssen die Texte jedenfalls sitzen. Foto: /Oliver Bürkle

Das Theater Q-Rage feiert in Vaihingen Premiere mit dem Stück „Das Klassentreffen“.

Alte Liebschaften, verletzte Gefühle und Erinnerungen, die besser verborgen geblieben wären: Beim fünften Mord(s)dinner des Theaters Q-rage wird ein Klassentreffen zum Schauplatz eines Kriminalfalls. Am Freitag, 25. September, um 18.30 Uhr feiert „Das Klassentreffen“ in der Seemühle Premiere. Einen Tag später folgt eine zweite Vorstellung.

Noch wird im Veranstaltungsraum geprobt. Einsätze werden korrigiert, Szenen wiederholt, Musik ausprobiert. Doch schon jetzt wird deutlich, worum es geht: um Menschen, die sich nach Jahren wieder begegnen und feststellen, dass manche Konflikte nie wirklich verschwunden sind.

Hinweis auf einen früheren Fall

Die Idee für den neuen Fall entwickelte Rüdiger Erk, der auch Regie führt und für das Textbuch verantwortlich ist. Ausgangspunkt sei eine Geschichte aus einem früheren Fall gewesen. „Dann hatte ich die Idee: Die treffen sich auf einem Klassentreffen, und plötzlich kommt dieses Thema wieder hoch“, erzählt Erk. Dazu kamen Erinnerungen an einen Stoff, den er bereits vor Jahrzehnten im Kopf hatte: eine Wohngemeinschaft, alte Beziehungen und ein Geheimnis, das bis in die Gegenwart reicht.

Wie bei den bisherigen Mord(s)dinnern setzt Q-rage auf Nähe zum Publikum. Die Gäste sitzen an Tischen, die thematisch mit der Schulzeit verbunden sind, und werden in die Geschichte einbezogen. Mitspielen müssen sie aber nicht. „Bei uns muss man nicht mitspielen, sondern man darf“, sagt das Ensemble. Wer möchte, kann miträtseln, Verdächtige suchen und über Motive spekulieren. Gerade das gemeinschaftliche Rätseln mache den Reiz des Formats aus. Auch Menschen, die sich vorher nicht kennen, kämen schnell miteinander ins Gespräch. Zugleich bleibt der Rahmen bewusst klein. In der Regel spiele man vor rund 60 Gästen. „Wir möchten nah am Publikum sein“, sagt das Team.

Premiere in der Seemühle

Eine Besonderheit von Q-rage ist, dass der gesamte Abend selbst entwickelt wird. Geschichten, Texte, Figuren und Musik entstehen innerhalb des Ensembles. Auch die Lieder werden eigens für die Stücke komponiert. Damit wolle man sich bewusst von standardisierten Krimidinner-Formaten abheben. Dass der neue Fall in der Seemühle Premiere feiert, hat auch mit Sandra Stern zu tun. Sie kannte Q-rage bereits aus ihrer früheren Tätigkeit im Veranstaltungsbereich in Sachsenheim. Als das Ensemble einen neuen Proben- und Premierenort suchte, bot sie die Räume in der Seemühle an.

„Ich habe gesagt: Klar, Räumlichkeiten haben wir. Die könnt ihr jederzeit nutzen“, erinnert sie sich. Frühere Fälle hat Q-rage dort bereits gespielt, eine Premiere gab es bislang jedoch noch nicht. Für Stern passt das Theater gut zum Konzept des Hauses. Die Seemühle versteht sich nicht nur als Restaurant und Veranstaltungsort, sondern auch als sozial ausgerichteter Betrieb. Sie ist ein Inklusionsunternehmen, in dem Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam arbeiten. „Uns ist wirklich wichtig, dass wir diesen sozialen Charakter haben“, sagt Stern. Ziel sei es, Menschen mit Handicap sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze zu ermöglichen. Im Gebäude selbst kommen zudem verschiedene Angebote und Einrichtungen zusammen. Stern spricht deshalb von einem „schönen Gemeinschaftskonzept“.

Auch das Mord(s)dinner lebt von diesem Gemeinschaftsgedanken – wenn auch mit deutlich mehr Misstrauen. Denn beim Klassentreffen werden nach und nach alte Beziehungen, Affären und Lebensentwürfe wieder zum Thema.

 
 
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