Vaihingen Von einer Burg zum Schloss und bald zum Hotel?

Von Markus Wirth
Hoch über der Altstadt Vaihingens thront Schloss Kaltenstein. Eine erste urkundliche Erwähnung als „Castrum Vehingen“ ist datiert auf das Jahr 1085. Foto: / Helmut Pangerl

Zum Abschluss der Schlösser- und Burgenserie schaut die BZ auf die Geschichte des Schlosses Kaltenstein in Vaihingen. Bald soll es zum Hotel umgebaut werden.

Hoch über der Enz und weithin sichtbar thront das Schloss Kaltenstein auf einem Bergsporn über der Vaihinger Altstadt. Dabei handelte es sich immer nicht immer um ein Schloss, erste urkundliche Erwähnungen, die aus dem Jahr 1096 datieren, beschreiben den Bau auf dem Berg als ein „Castrum Vehingen“, also als Vaihinger Burg.

Wechselnde Besitzer

Bis um das Jahr 1185 war sie Stammsitz derer von Vaihingen, einem altwürttembergischen Grafengeschlecht. Danach kam sie durch Heirat an Graf Gottfried zu Calw, allerdings mussten sie seine hoch verschuldeten Nachfahren Anfang des 14. Jahrhunderts veräußern, um wieder liquide zu sein. 1339 kam die Burg, nachdem sie unter anderem den Markgrafen von Baden und den Grafen von Oettingen gehört hatte, an das Haus Württemberg.

Höchstwahrscheinlich im 16. Jahrhundert wurde der innere Bereich der Burg dann zum Schloss umgebaut, allerdings wurde es bis ins 18. Jahrhundert mehrfach baulich verändert und umgebaut, vor allem seine Befestigung wurde durch Schanzen ergänzt. Bis ungefähr 1895 wurde das Schloss dann unterschiedlich genutzt – so als Truppenstützpunkt, als Vaihingen dadurch zumindest vorübergehend zur Garnisonsstadt wurde, danach als Militärkrankenhaus und schließlich als Arbeitshaus.

Ab der NS-Diktatur 1933 diente Schloss Kaltenstein dann als Gefängnis – hier saßen sogenannte „Schutzhäftlinge“ ein. Sowohl während des Ersten wie auch des Zweiten Weltkriegs wurden dort Kriegsgefangene untergebracht. Nach dem Krieg wurde das Schloss 1949 vom Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) übernommen, um 64 Jahre lang Heranwachsenden als Jugend-, Bildungs- und Sozialwerkstätte zu dienen. 2013 kündigte das CJD zwar die im Schloss gemieteten Räume, nutzt aber bis dato eigene Einrichtungen in der direkten Umgebung des Schlosses. Von der ursprünglichen Burg selbst blieb immerhin ein Teil der Schildmauer aus Buckelquader erhalten, dieser ist in das Schlossgebäude integriert, auch die beiden Schenkelmauern, die zu den ehemaligen Stadttoren führten, sind noch gut zu erkennen.

Ehrgeizige Pläne aus Pforzheim

2020 wurde zwischen dem Land Baden-Württemberg und der Privaten Schloss-Hotel Collection von Investor und Pächter Wolfgang Scheidtweiler aus Pforzheim ein Konzessionsvertrag abgeschlossen. Hierin verpflichtet sich die Gesellschaft zur Renovierung des Schlosses und der anschließenden Zuführung einer wirtschaftlichen Nutzung. Ein Hotel mit Tagungsräumen und Gastronomie ist seither im Gespräch, aktuell, nach einigen Verzögerungen durch zusätzliche Naturschutzauflagen und Planungsänderungen, scheint wieder Bewegung in die Angelegenheit zu kommen, auch wenn der Schlossumbau noch immer nicht begonnen hat. Mutmaßungen, sie seien deshalb zustande gekommen, weil Scheidtweiler den Architekten gewechselt haben soll, hatten sich als unwahr erwiesen.

Zu Beginn des Projekts hatte Scheidtweilers Firma Private Schloss-Hotel Collection die renommierte Jako Baudenkmalpflege aus Rot an der Rot als Planungsbüro beauftragt, dieses musste jedoch im vorigen Jahr Insolvenz anmelden.

Eröffnung zurGartenschau?

Auch müssen aktuell noch Fragen geklärt werden, wie die Baufahrzeuge durch den Torbogen kommen, ob dieser für die Dauer der Umbauarbeiten abgetragen werden soll, damit Baumaterial an- und abtransportiert werden kann. Zudem könnten Abbrucharbeiten nur in einem gewissen Zeitfenster im Jahr erfolgen, um Tiere nicht zu stören, auch dies wird voraussichtlich den Umbau zeitlich in die Länge ziehen.

Ob das Schloss Kaltenstein dann, wie geplant, zu Bürgergartenschau im Jahr 2029 pünktlich in seiner neuen Nutzung als Hotel und Tagungszentrum eröffnet werden wird, steht aktuell noch in den Sternen.

 
 
- Anzeige -