Vaihingen „Wir sind immer noch da“

Von Markus Wirth
Alles im Griff: Fabian Leibfried übernahm 2008 das Magazin Good Times. Dieses existiert seit 1991, mittlerweile liegt die 200. Ausgabe in den Zeitschriftenläden. Foto: /Martin Kalb

Seit 1991 erscheint das Musikmagazin Good Times aus Vaihingen, das auch heute noch am Markt erfolgreich ist.

Für den Häuslebauer gibt es Bauzeitschriften, für Hobbyköche eine Vielzahl an themenverwandten Publikationen, Oldtimerfans kommen ebenfalls durch periodisch erscheinende Druckwerke auf ihre Kosten – und so gibt es auch Magazine für all jene, die mit Populärmusik seit den 1950er-Jahren groß und durch sie sozialisiert wurden. Rolling Stone, Musikexpress/Sounds, Spex, Metal Hammer oder auch die Bravo – alle haben sie ihre Daseinsberechtigung. Und dann gibt es seit 1991 auch noch das Magazin Good Times, das sich seither wacker in einem stetig schrumpfenden Zeitschriftenmarkt behaupten und nur eine wenig schwankende Auflagenstärke vorweisen kann. Die BZ hat sich mit dem Macher des nach wie vor in Vaihingen erscheinenden Magazins, Fabian Leibfried, unterhalten.

Herr Leibfried, Good Times gibt es seit nunmehr 35 Jahren, das ist für ein Musikmagazin eine doch ganz bemerkenswerte Zeit. Wie kam es zur Gründung dieser Zeitschrift?

Fabian Leibfried: Begonnen hat mein Vorgänger Peter Seeger Good Times eigentlich als Fanzine, welches sich um die Kinks drehen sollte. Er wollte damit seiner Lieblingsband ein Denkmal setzen und auch verhindern, dass diese tolle und auch richtungsweisenden Musiker damals, Anfang der 90er Jahre, in Vergessenheit gerieten. Außerdem hatte er sich daran gestört, dass plötzlich nur noch die 80er-Jahre ein Thema in den Magazinen und die 60er und 70er plötzlich nicht mehr von Belang sein sollten. Das wollte er mit Good Times ändern. Er wollte den Nostalgiegedanken fördern und einen thematischen Kontrapunkt zu den damaligen Bravo und Pop Rocky setzen.

Die ersten Ausgaben entstanden. Hätten Sie damals, als Leser der ersten Stunde, gedacht, dass sich das Magazin so lange am Markt behaupten kann?

Ich war da zunächst skeptisch, denn Good Times war toll gemacht, informativ, aber alles in allem doch ein Nischenprodukt. Und dennoch hat es sich in den Folgejahren mehr und mehr etablieren und letztlich auch behaupten können, so dass ich 2008, als ich Good Times übernehmen durfte, eine solide unternehmerische Basis vorfand und das Begonnene weiterführen und auch weiterentwickeln konnte. Und zwar so erfolgreich, dass uns ein Mitbewerber – die Kollegen vom Musikexpress – mit Abmahnung drohte, weil er, was nicht stimmte, von einer geschönten Auflagenzahl ausging. Wir gaben nämlich die tatsächliche, nicht die verkaufte Auflage an, und da waren die Kollegen etwas verschnupft und witterten Betrug. Aber das ist auch schon wieder lange her...

Also ist bei Good Times alles im grünen Bereich?

Im Großen und Ganzen, ja. Wir halten unsere Auflage bei aktuell rund 35.000 Stück in einem Markt, wo unsere Mitbewerber zum Teil ins Bodenlose gesunkene Stückzahlen bilanzieren müssen. Gewiss, auch wir haben unseren Peak überschritten, dennoch sind wir immer noch da. Das will im mittlerweile schnelllebig gewordenen Printbereich schon etwas heißen.

Der Schwerpunkt von Good Times lag und liegt vorrangig auf der Musik der 60er- bis zu den 80er-Jahren. Was war und ist aus Ihrer Sicht so besonders an diesen drei Jahrzehnten, gerade hinsichtlich der populärmusikalischen Entwicklung?

Nun, ich denke mal, es waren Zeiten revolutionärer Entwicklungen, die allerdings schon in den 50er-Jahren mit Wegbereitern wie Chuck Berry, Bill Haley oder Elvis Presley begann. Rock n’ Roll war das Sprachrohr der Jugend, das war Befreiung und auch Rebellion... (grinst), ja, wenn ich an die demolierte Stuttgarter Liederhalle nach einem Bill-Haley-Konzert denke, das war echte Rebellion. Die 70er-Jahre schenkten uns dann den Glamrock, den Punk, die Elektronikmusik – man denke an Kraftwerk – und andere, wegweisende und visionäre Strömungen, ohne die die heutige Musik nicht denkbar wäre.

Vor zehn Jahren, 2016, gingen mit David Bowie und Prince gleich zwei musikalische Schwergewichte von uns. Wir schätzen Sie den Einfluss dieser beiden Ausnahmekünstler für die Musikgeschichte ein?

Ehrlich gesagt, kann ich zu Prince nicht sehr viel sagen, außer, dass sein Verdienst und sein Einfluss natürlich unheimlich groß war und ist, vor allem im Bereich Soul, Funk und Rhythm and Blues. Bowie war ein facettenreicher Künstler, der sich innerhalb weniger Jahre immer wieder neu erfand, mit Genres spielte, mit Charakteren und dabei sich doch immer selbst treu geblieben ist. David hatte ja Marc Bolan als Vorbild, daher wurde er zumindest am Anfang immer zu Unrecht in die Glam-Ecke gedrängt. Aus dieser Schablone auszubrechen war sein Impetus, und so wollte er sich musikalisch wie stilistisch von solch einem schlichten Schubladendenken befreien, emanzipieren.

Die Großen der Branche haben ihre Redaktionen und Verlage in Metropolen wie Hamburg, Berlin, auch München. Good Times aber ist immer noch im beschaulichen Vaihinger Teilort Riet. Hat das was mit dem Attribut „schwäbisch-beständig“ zu tun?

Meinetwegen können Sie das auch so nennen, aber, nein, es stimmt schon. Ich bin hier geboren und aufgewachsen, fühle mich wohl, habe hier meine Familie und meinen Freundeskreis, warum also sollte ich woanders hinziehen, wo das Gras auch nicht grüner ist? Ich bin bodenständig, und, ja, es hat auch etwas mit dem Bekenntnis zur Heimat zu tun.

Wie hat sich Good Times im Lauf der Jahre entwickelt?

Nun, zu dem Themen der 60er- und 70er-Jahre zu Anfang kamen dann noch die 80er-Jahre hinzu, das war es dann aber auch, denn für die 90er-Jahre, da fehlen einfach neue Namen, visionäre Künstler und auch – um ganz ehrlich zu sein – die Leser. Gleichwohl haben wir durchaus aktuelle Themen im Blatt.

Welche aktuellen Strömungen sind aktuell in der Szene auszumachen?

Um ganz ehrlich zu sein, ist aktuell vieles beliebig, austauschbar geworden, von neuen Strömungen will ich da gar nicht reden. Vielleicht – oder sogar höchstwahrscheinlich – ist unsere Zeit schlicht zu schnelllebig, um einen bahnbrechenden Trend zu entwickeln. Außerdem sind die Rahmenbedingungen für etwaige Neuerungen äußerst schwierig, weil sich schlicht deshalb nichts mehr entwickeln kann, weil ja eigentlich schon alles einmal da war. Es gibt jedoch vielversprechende Bands, die aber eigentlich nur das auf neue Weise interpretieren, was Sweet, Slade oder T-Rex – um beim Glam-Rock zu bleiben – bereits vor 50 Jahren auf die Bühne brachten.

Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: Ein Leben ohne Good Times ist für mich...

...ein leeres Leben. Sehen Sie, das wäre, wie wenn ein Kind das elterliche Haus verlässt und man merkt, was man vermissen wird. Aber, alles im Leben hat seine Zeit – doch die Musik wird uns erhalten bleiben. Und das ist doch wiederum durchaus tröstlich.

Wir danken für das Gespräch.

 
 
- Anzeige -