Verbände entscheiden über die Saison 2019/20 Spannung im Amateurlager

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Ob die Amateurkicker in der Saison 2019/20 noch mal spielen? Hier kämpfen der Löchgauer Tom Kühnle (links) und Dominik Wolter vom SV Germania im Landesliga-Duell um die Lufthoheit. ⇥ Foto: Martin Kalb

An diesem Dienstag äußern sich der WFV und die beiden badischen Verbände über den Umgang mit der unterbrochenen Spielzeit 2019/20.

Für alle Amateurfußballer und -vereine in Baden-Württemberg wird es an diesem Dienstag spannend. Denn am Nachmittag wollen die drei Präsidenten Matthias Schöck (Württembergischer Fußballverband/WFV), Ronny Zimmermann (Badischer Fußballverband/BFV) und Thomas Schmidt (Südbadischer Fußballverband/SBFV) öffentlich darlegen, wie mit der derzeit unterbrochenen Spielzeit 2019/20 verfahren wird. Die BZ beantwortet im Vorfeld die wesentlichen Fragen.

Um was geht es?

Seit Mitte März ruht der Spielbetrieb in allen Amateurligen Deutschlands infolge der Corona-Pandemie. Die Regional- und Landesverbände seien bestrebt, möglichst einheitliche Lösungen für das weitere Vorgehen zu finden, heißt es beim DFB. Aufgrund dessen föderaler Struktur ist jeder der 21 Landesverbände aber den Statuten zufolge selbst für den Amateurfußball in seinem Bereich zuständig, sodass es unterschiedliche Lösungsansätze gibt. Im WFV-Gebiet ist die Runde bisher nur ausgesetzt.

„Grundsätzlich liegt es im Interesse aller Vereine und Verbände, wenn Nachholtermine gefunden, alle Spiele der Saison 2019/2020 ausgetragen und die Spielzeit regulär beendet werden könnte“, teilt der DFB auf seiner Internet-Homepage mit. Derzeit sei es allerdings nicht möglich, eine seriöse Einschätzung abzugeben, wann die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in Einklang mit den Empfehlungen beziehungsweise Vorgaben der zuständigen Behörden umzusetzen ist und ob dies noch in der aktuellen Spielzeit geschehen kann. Die drei Verbände in Baden-Württemberg haben sich auf eine gemeinsame Haltung verständigt, die sie an diesem Dienstag bekannt geben wollen.

Wo liegen die Probleme?

Durch die landesweit verhängten Sportverbote haben die Teams in den vergangenen zwei Monaten nicht trainieren können. Erst seit dieser Woche gibt es erste Lockerungen (siehe Infokasten). Eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs soll mindestens 14 Tage vorher angekündigt werden. Sportmediziner halten eine Fortführung ohne eine adäquate Vorbereitung nach einer so langen Zwangspause für problematisch. Sie warnen vor einer erhöhten Verletzungsgefahr.

Momentan ist Mannschaftsport auf Amateurebene noch untersagt. Wann er wieder möglich sein wird, hängt von den Entscheidungen der örtlichen Behörden ab. Ein so aufwändiges Hygienekonzept mit ständigen Tests wie in der Bundesliga ist im unterklassigen Fußball unrealistisch. Dasselbe gilt für ständige englische Wochen, die aufgrund des engen Zeitfensters bis zum 30. Juni – dem eigentlichen Saisonende – nötig wären, um die verbleibenden Spieltage in den einzelnen Ligen noch auszutragen. Eine etwaige Verlängerung der Saison über diesen Stichtag hinaus birgt neue Probleme (Sommerferien, Auslaufen von Trainer- und Spielerverträgen).

Welche Szenarien sind möglich?

Im Raum stehen ein Saisonabbruch mit einer entsprechenden Wertung nach dem Status quo, etwa nach der Quotientenregelung (erzielte Punkte geteilt durch Zahl der ausgetragenen Partien) analog zum Handball. Dabei soll es Aufsteiger, aber keine Absteiger geben. Oder die Saison wird über den 30. Juni hinaus verlängert. Eine weitere Variante wäre die Annullierung der gesamten Runde, die allerdings als juristisch heikel gilt. Der Badische Fußballverband hat seinen Vereinen bereits vor etwa drei Wochen gleich 14 mögliche Szenarien mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen vorgestellt.

Was meinen die Klubs?

Das Gros der höherklassigen Vereine präferiert offenbar ein vorzeitiges Saisonende. Nach BZ-Informationen votierten bei einer internen Umfrage 16 der 18 Oberligisten für einen Abbruch. Bei einer Enthaltung soll sich nur ein Vertreter für eine Fortsetzung ausgesprochen haben. In der Verbandsliga Württemberg haben laut Heimerdingens Abteilungsleiter Uwe Sippel 14 von 17 Vereinen für ein vorzeitiges Ende gestimmt.

Wie sieht die Rechtslage aus?

Um die rechtliche Situation abzuklopfen, haben die drei baden-württembergischen Verbände ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, über das sie in den vergangenen Tagen beraten haben. Über Inhalte und Ergebnisse ist noch nichts bekannt. Auch der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) hat sich vor seiner Entscheidung pro Saisonabbruch juristisch beraten lassen. Die zuständigen Rechtsexperten hätten in dem Gutachten ganz klar formuliert, dass ein Saisonabbruch – auch bei höherer Gewalt wie der Corona-Pandemie – nicht zum Nachteil der Vereine gewertet werden soll, so FLVW-Vizepräsident Manfred Schmied. Deswegen sei eine komplette Annullierung der aktuellen Spielzeit nicht möglich.

Wie verfahren andere Verbände?

Bayern preschte bereits im April vor. Im dortigen Amateurfußball soll auf Wunsch des federführenden Bayerischen Fußballverbands und der Mehrheit der Vereine von September an wieder gekickt werden. Die Klubs aus dem Freistaat unterstützen eine entsprechende Zielsetzung des BFV. In einer Umfrage des Verbands mit 4600 Vereinen hatten sich mehr als zwei Drittel für eine Fortführung der Runde vom 1. September an ausgesprochen. Bis dahin ist die Saison ausgesetzt.

Der Schleswig-Holsteinische Fußball-Verband hat die Spielzeit 2019/20 hingegen bereits am vergangenen Wochenende offiziell für beendet erklärt und wertet nun nach der Quotientenregelung. So steigen im Männerbereich alle Staffelsieger sowie die Tabellenzweiten in die nächsthöhere Klasse auf. Absteiger gibt es keine. Ausgenommen davon sind Mannschaften, die während der Saison von ihren Vereinen vom Spielbetrieb zurückgezogen wurden. Diese Teams treten in der Spielzeit 2020/21 in der nächsttieferen Liga an.

Info Der Finaltag der Amateure am 23. Mai mit den Pokal-Endspielen in allen Landesverbänden wird verlegt. Ein neuer Termin steht noch nicht fest.

 
 
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