Verbindung nach Argentinien Städtefreundschaft hat nicht nur Freunde

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Bietigheim-Bissingens Partnerstädte und Freunde auf einem Schild an der B 27 am Ortseingang von Ludwigsburg kommend. Zuletzt hinzugekommen ist das argentinische Tupungato. ⇥ Foto: Martin Kalb

Der Gemeinderat ist dafür, mit Tupungato in Sachen Wasser zu kooperieren. Doch es gab auch Kritik.

Rund 12 000 Kilomteter Luftlinie sind es von Tupungato in Argentien bis nach Bietigheim-Bissingen. Eine große Entfernung, doch seit der Unterzeichnung einer Freundschaftserklärung im Oktober 2019 sind sich beide Städte näher gekommen. Nun sollen Experten der Stadtwerke aus der Kommune an Enz und Metter mithelfen, die Wasserversorgung der Stadt am Fuße der Anden zu verbessern.

Der Gemeinderat stimmte einer Beteiligung am Projekt „Kommunale Nachhaltigkeitspartnerschaften“, das dem Bundesentwicklungsministerium untersteht, und der Unterzeichnung einer entsprechenden Kooperationsvereinbarung vor Kurzem mehrheitlich zu. Wie berichtet hat Tupungato bereits einen Entwurf für das auf zwei Jahre angelegte Projekt erarbeitet. Dieser wird nun gemeinsam mit den Stadtwerken von Bietigheim-Bissingen weiterentwickelt. Die auf 5000 Euro bezifferten Reisekosten und Kosten für Dolmetscher bei dem notwendigen Austausch übernimmt die SKEW, ein Kompetenzzentrum für kommunale Entwicklungspolitik.

GAL: Auch Flüge sinnvoll

Im Gremium stellten sich SPD und Grüne hinter das Vorhaben. Zwar sei durch die Flugreisen der „ökologische Fußabdruck“ groß, sagte Stadtrat Uwe Careni (SPD). Doch es sei ein Projekt im Zeichen der Nachhaltigkeit, für die Argentinier sei der Zugang zum Trinkwasser wichtig. Auch Bietigheim-Bissingen ziehe aus dem Erfahrungsaustausch einen Nutzwert. Zudem sei die Zusammenarbeit durch die Förderung weitgehend kostenneutral.

Manuela Buchholz (GAL) verwies auf die Ziele der Entwicklungspolitik und der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Die Hilfe erfolge auch aus Eigennutz, um Fluchtbewegungen vorzubeugen. In diesem Fall seien auch die notwendigen Flüge – für die Bietigheim-Bissingen laut einem Ratsbeschluss eine CO2-Kompenstation macht – sinnvoll.

Bei der CDU, die mehrheitlich dagegen stimmte, sieht man das indes ganz anders. Er denke, „dass unsere Stadtwerke etwas Besseres zu tun haben“, meinte Fraktionschef Thomas Wiesbauer. Auch wenn die Reisen auf den südamerikanischen Kontinent für die Stadt kostenneutral seien, zahlen müsse am Ende der Steuerzahler. Für entwicklungspolitische Vorhaben gebe es andere Organisationen. Wiesbauer stellte aufgrund der großen Entfernung auch die Partnerschaft generell in Frage. Er könne sich nicht vorstellen, wie dies längerfristig funktionieren solle.

Sein Fraktionskollege Hermann Eppler bezweifelte zudem, dass es nur bei der nachhaltigen Unterstützung vor Ort bleibe. Er befürchtete, dass über kurz oder lang auch ein „Gemeinderatstourismus“ entstehe. Die fünf Partnerstädte, die Bietigheim-Bissingen hat, genügten, so Eppler. Die Eltern hätten schon Probleme, den Austausch mit England oder Frankreich zu finanzieren.

Wissenstransfer im Vordergrund

SPD-Fraktionschef Thomas Reusch-Frey hielt den CDU-Rednern entgegen, dass es in der Sitzung nicht um eine Städtepartnerschaft, sondern um eine kommunale Nachhaltigkeitspartnerschaft gehe. Man dürfe diese Themen auch nicht nur an Organisationen delegieren.

Aus Sicht von Oberbürgermeister Jürgen Kessing steht bei dem Projekt der Wissenstransfer im Vordergrund. Wasser sei ein Zukunftsthema. Er verwies auf die Absenkung des Grundwasserspiegels in der argentinischen Stadt und war sich sicher, dass die Unterstützung auf kommunaler Ebene funktioniere. Ob aus der Freundschaft mit Tupungato irgendwann mehr werde, „das liegt in Ihrer Hand“, so Kessing in Richtung Gemeinderat.

Der Kooperation mit Tupungato in Sachen Trinkwasserversorgung stimmten 24 Mitglieder des Gemeinderats zu. Sechs enthielten sich, außerdem gab es eine Enthaltung.

 
 
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