Verdi kündigt dreitägigen Streik auch im Landkreis Ludwigsburg an Keine Busse zum Schulstart

Von
Bereits im Frühsommer gab es Streiks der Busfahrer wie hier in Bietigheim. ⇥ Foto: MARTIN KALB

Von Montag bis Mittwoch kommender Woche fahren in und um Bietigheim-Bissingen keine Busse.

„Bei uns bleiben alle 34 Busse stehen“, sagt Tobias Hähnle, der beim Bietigheimer Busunternehmen Spillmann für die ÖPNV-Planung und das Qualitätsmanagement zuständig ist, zu der Ankündigung der Gewerkschaft Verdi, dass von Montag bis Mittwoch gestreikt wird. Betroffen ist das private Omnibusgewerbe. Im Landkreis Ludwigsburg sollen laut Gewerkschaft neben Spillmann auch die Ludwigsburger Verkehrslinien, Omnibusverkehr Ruoff, Friedrich Müller Omnibusverkehr und die Württembergische Busgesellschaft betroffen sein.

Worum geht es beim Streik?

Hintergrund ist der Tarifkonflikt zwischen Verdi und dem Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer (WBO). Schon vor den Sommerferien gab es Warnstreiks, unter anderem sogar mit einer zentralen Kundgebung in Bietigheim-Bissingen. Zentraler Punkt der Auseinandersetzung ist die Pausenregelung bei einigen Betrieben.

Fahrer müssen teilweise mehrere Stunden Pause pro Schicht einlegen, allerdings stets nur wenige Minuten, etwa am Ende einer Fahrt. Dies verlängert die Schichten teilweise auf zehn oder zwölf Stunden. Verdi will, dass nicht mehr als eine Stunde Pause unbezahlt ist, der WBO will das nach eigenem Bekunden stufenweise ändern über fünf Jahre. Verdi sagt, dass die Arbeitgeber eher das Ziel hätten, die gängige Praxis zu legalisieren.

Warum wird ausgerechnet jetzt gestreikt?

Vor den Sommerferien hatte man sich darauf geeinigt, nach den Ferien weiter zu verhandeln. „Wir hatten schon damit gerechnet, dass nach den Ferien wieder gestreikt wird“, sagt Hähnle. Die Verhandlungen laufen am 21. und 22. September weiter und Verdi will so allem Anschein nach Druck aufbauen, um mit den Forderungen durchzukommen. „Wir als Unternehmen hätten uns natürlich gewünscht, dass die Solidarität mit den Fahrgästen größer ist, als mit Busfahrern anderer Betriebe“, sagt Hähnle.

Hintergrund ist, dass Spillmann-Fahrer schon eine für sie gute Pausenregelung mit dem Unternehmen ausgehandelt haben, also gar nicht für sich streiken, sondern für Mitarbeiter anderer Unternehmen. Ein Großteil der Busfahrer bei Spillmann ist in der Gewerkschaft und so gelingt es Verdi meist den kompletten Betrieb lahmzulegen. „Es ist natürlich deutlicher spürbar, wenn wie bei uns 34 Busse nicht fahren, als wenn etwa auf der Alb ein Unternehmen mit drei oder vier Bussen bestreikt wird“, sagt Hähnle.

Wie stark ist der Schulbusverkehr betroffen?

„Wir haben nur wenige ausgewiesene Schulbuslinien“, sagt Hähnle. Viele Schüler würden auch über die normalen Busse zur Schule gelangen. Gäbe es eine Streikausnahme für Schulbusse hätte man bei Spillmann das Problem, zu definieren, welche Linien fahren können. Für Claus Stöckle, geschäftsführender Schulleiter der Schulen in Bietigheim-Bissingen platzte die Nachricht vom Streik mitten in die Endphase der Schuljahresvorbereitung. Er zeigte sich gegenüber der BZ fassungslos ob des Zeitpunkts. Die Schüler hätten durch Corona schon viel mitmachen müssen, jetzt wo es wieder richtig losgehe sei der Streik sehr unpassend.

Ähnlich sieht das Heike Schlegel, Vorsitzende des Gesamtelternbeirats in Bietigheim-Bissingen: „Die erhoffte Rückkehr zu etwas Normalität ist damit nicht mit Beginn des neuen Schuljahres gegeben.“ Die Busfahrer hätten auch in den Ferien streiken können, meint sie. Letztlich müssten es die Schüler wieder ausbaden.

Abseits von den Schülern am ersten Schultag treffe es aber auch viele andere Fahrgäste hart, sagt Hähnle. Spillmann fahre viele Umsteiger auf S- und Regionalbahn und die seien erst kürzlich vom Lokführerstreik gebeutelt gewesen.

 
 
- Anzeige -