Vereine üben Kritik Fußball-Neustart entzweit die Regionalliga Südwest

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Jonas Meiser (rechts) vom Regionalligisten SG Sonnenhof Großaspach muss in diesem Jahr nun doch noch zurück auf den Platz. Gleich vier Begegnungen warten auf Mittelstürmer Meiser und seine Mitspieler.⇥ Foto: Avanti/Ralf Poller

Völlig überraschend hatten die Regionalliga-Verantwortlichen den 22 Vereinen der Regionalliga Südwest am vergangenen Freitag mitgeteilt, dass sie sich auf einen Re-Start des Spielbetriebs im Dezember einstellen sollen. Doch die angekündigte Rückkehr auf den Platz stößt längst nicht bei allen Vereinen auf Begeisterung. Fast die halbe Liga übt offen Widerstand.

Völlig überraschend hatten die Regionalliga-Verantwortlichen den 22 Vereinen der Regionalliga Südwest am vergangenen Freitag mitgeteilt, dass sie sich auf einen Re-Start des Spielbetriebs im Dezember einstellen sollen. Doch die angekündigte Rückkehr auf den Platz stößt längst nicht bei allen Vereinen auf Begeisterung. Fast die halbe Liga übt offen Widerstand.

Während die ambitionierten Offenbacher Kickers, die den baldigen Neustart hinter den Kulissen mächtig forciert hatten, sich über die Entscheidung freuen, übten die Liga-Konkurrenten Bahlinger SC und Astoria Walldorf umgehend in offenen Briefen Kritik. Ihre Bedenken äußerten unter anderen auch die Verantwortlichen vom TSV Schott Mainz, dem TSV Steinbach Haiger und von Bayern Alzenau. Die Verhältnismäßigkeiten, und zwar die Aufnahme des Spielbetriebs bei zugleich geltenden Corona-Beschränkungen, werden in Frage gestellt. Es geht dabei allerdings auch um die Verantwortung der Politik und um die Heterogenität der vierthöchsten Spielklasse, die irgendwo zwischen Amateur- und Profisport pendelt.

Rheinland-Pfalz zieht nach

Möglich machte die Rückkehr in den Spielbetrieb noch in diesem Jahr die Entscheidung des Bundeslandes Rheinland-Pfalz, die Regionalliga Südwest als vierthöchste Spielklasse in Deutschland nun doch dem Profisport zuzuordnen. Das Bundesland, das im November für die Zwangspause verantwortlich war, hatte den Wettkampfbetrieb seit Dienstag wieder zugestimmt. Zuvor hatten bereits die anderen Betreiber-Länder der Südwest-Staffel, Hessen, Baden-Württemberg und das Saarland, die vierte Liga als Profi-Spielbetrieb eingestuft beziehungsweise die betroffenen Vereine mit entsprechenden Sondergenehmigungen ausgestattet. Eine Kuriosität gibt es allerdings bei Bayern Alzenau. Die Bayern, die dem hessischen Verband angehören, müssen beim Hessenligisten Rot-Weiß Walldorf trainieren, da es ihnen in ihrem eigenen Bundesland untersagt ist.

„Überall sollen die Kontakte auf ein Minimum reduziert werden, doch die Regionalliga nimmt eine Woche vor Weihnachten den Spielbetrieb wieder auf. So kommen viele Kontakte zusammen, welche von der Politik nicht erwünscht sind, aber erlaubt werden“, schreibt Dieter Bühler, Vorstandsvorsitzender des Bahlinger SC in einem offenen Brief. Und weiter heißt es: „Die wirtschaftlichen Folgen für uns Vereine spielen bei der Entscheidung, dass ohne Zuschauer weitergespielt wird, bei den Verantwortlichen der Regionalliga Südwest GbR überhaupt keine Rolle. Sie werden mit keinem Satz erwähnt. In den Monaten Dezember und Januar sind acht Spieltage angesetzt. Hätte man den Spielbetrieb um einen Monat verschoben, könnten ab März eventuell wieder Zuschauer zugelassen werden.“

Mainzer Manager entrüstet

In die gleiche Kerbe wie Bühler schlägt der Manager und Geschäftsführende Vorstand des TSV Schott Mainz, Till Pleuger, der die Entscheidung gegenüber dem SWR als „falsches Signal an die Gesellschaft“ titulierte. Noch deutlicher formulierte es der Trainer der Bayern Alzenau, Artur Lemm, auf der Homepage des Vereins: Angesichts von Kontaktbeschränkungen sei es „der gesamten Bevölkerung gegenüber unsolidarisch“, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen. „Wenn jeder so egoistisch denken würde, wie einige Funktionäre in dieser Spielklasse, dann würden die Infektionszahlen in ganz Deutschland durch die Decke schießen“, wetterte der Coach.

Vor jedem Punktspiel müssen in Zukunft Schnelltests bei den Mannschaften samt Trainer- und Betreuerstab durchgeführt werden. Außerdem wird den Klubs von der Liga-Leitung empfohlen, mit Privatautos zu den Auswärtsspielen zu fahren. Die Kosten für die Tests müssen die Vereine aufbringen. Pro Spieltag müssen dafür von jedem Verein für Trainer und Mannschaft zwischen 250 und 300 Euro investiert werden.

 
 
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