Vereine und Stadt trifft die Absage teils hart Was fehlt ohne Pferdemarkt?

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2019 gab es zuletzt einen Pferdemarkt in Bietigheim-Bissingen⇥ Foto: Martin Kalb

Heute wäre der Auftakt zur Großveranstaltung gewesen. Zum zweiten Mal fällt sie Corona zum Opfer. Die BZ hat bei Bürgern, Vereinen und der Stadt nachgefragt, was sie vermissen.

An diesem Freitag würde eigentlich der Rummel unter dem Viadukt beginnen, aber wie 2020 muss auch dieses Jahr der Pferdemarkt abgesagt werden. Das Traditionsfest wartet weiter auf seine 86. Ausgabe. Zumindest ein Reitturnier wird es dieses Jahr geben (Mehr dazu auf Seite 11).

Aber es wird Vieles fehlen. Die Bedeutung des Festes für Stadt und Region ist enorm. Es steigere die Attraktivität der Stadt, vermittele ein positives Lebensgefühl und mache die Stadt bekannt, schwärmt Stadtsprecherin Anette Hochmuth zur Bedeutung des Fests.

Die Stadt hat beim Pferdemarkt Einnahmen aus der Vermietung des Festplatzes an Göckelesmaier, der seinerseits nicht nur das Festzelt, sondern auch den Vergnügungspark bewirtschaftet. Hinzu kommen die Einnahmen von Standgeldern des Krämermarkts und der Ausstellung Heim und Garten. 2019 wurden so rund 115 000 Euro erzielt. Dem stehen aber Ausgaben von rund 348 000 Euro inklusive der Leistungen des Bauhofs in Höhe von rund 174 000 Euro gegenüber.

„Der städtische Haushalt verzeichnete also ein Defizit von rund 233 000 Euro. Die wirtschaftliche Bedeutung liegt allerdings eher in den Umsätzen, die die Betriebe und die Gastronomen, Hotellerie und Einzelhändler in der Zeit machen – dank einer Besucherzahl von rund 200 000 bis 300 000 Menschen“, sagt Hochmuth.

Hoher Stellenwert für Vereine

„Der Pferdemarkt ist ein Volksfest, kein Vereinsfest“, erklärt Günter Krähling, Vorsitzender des Stadtverbands Sport und des TSV Bietigheim. Natürlich habe der Pferdemarkt einen hohen Stellenwert, allerdings eher in immaterieller Hinsicht. Die meisten Vereine beteiligten sich am Festzug aus Tradition und um sich zu präsentieren.

Am Pferdemarkt selbst beteiligt sind laut Krähling recht wenige Vereine. Neben dem Reiterverein seien das unter anderem die Segelflieger, die Chorvereinigung, der TSV Bietigheim und die Germania.

Lesen Sie hier: 40. Pferdemarktturnier beginnt in Bietigheim - das „etwas andere Turnier“

Die Auswirkungen, die der erneute Ausfall auf die Vereinskassen hat, könne er nicht genau beziffern, sagt Krähling: „Segelflieger und Chorvereinigung dürften aber schon stärker betroffen sein.“ Das bestätigt auch der Vorsitzende der Chorvereinigung Bietigheim Hans-Dieter Tröster. Jahrzehnte habe man die Vereinskasse durch die Bewirtung „ondr dr Brigg“ aufgebessert. Mehr als 50 Prozent der jährlichen Vereinseinnahmen seien dadurch zustande gekommen. Nun gehe es darum, Alternativen zu finden.

„Auch für uns fällt ein erheblicher Teil der Einnahmen weg“, sagt Holger Conrad, Vorstand beim SV Germania Bietigheim. Teilweise aufgefangen wurde dies durch den Verzicht von Trainern und Spielern auf Zahlungen. Man habe auch auf die Rücklagen zurückgreifen müssen. Ein weiteres Jahr ohne Pferdemarkteinnahmen und das traditionelle Heimspiel zu dieser Zeit würde „ans Eingemachte“ gehen, wie Conrad sagt. Ende September will der Verein aber wieder sein Bierdorf veranstalten.

Info: In der Print-Ausgabe und im E-Paper der BZ vom Freitag, 3. September, gibt es eine große Straßenumfrage unter Bürgern, was sie am Pferdemarkt vermissen.

 
 
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