Verkehr Eng, viel befahren und gefährlich

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Reiner Thaller (links) und Jürgen Bothe setzen sich seit Jahren für Tempo 30 in Kleinsachsenheim ein. In den nächsten Tagen werden solche Plakate aufgestellt. ⇥ Foto: Martin Kalb

2018 hat sich wegen der enormen Lärm- und Verkehrsbelastung die Initiative Ortsdurchfahrt Kleinsachsenheim IOK gegründet. Die Initiative will nun mit Plakaten wachrütteln.

Wieder quält sich ein überlanger LKW durch die Kleinsachsenheimer Ortsdurchfahrt. Ein Traktor mit einem großen Anhänger kommt entgegen. Ausgerechnet am Widdumhof, sozusagen dem Nadelöhr der ohnehin engen und stark befahrenen Ortsdurchfahrt, begegnen sich die beiden Fahrzeuge. Ein Stau ist die Folge, bis sich alles mühsam entwirrt hat.

Ähnliche Szenen spielen sich oft mehrmals täglich an dieser Stelle ab. Die Großsachsenheimer und Löchgauer Straße ächzt regelrecht unter der inzwischen riesigen Verkehrslast und die Anwohner leiden neben der Verkehrsbelastung zusätzlich unter dem Lärm.

Initiative 2018 gegründet

Bereits im März 2018 haben die Anwohner Reiner Thaller und Jürgen Bothe die Initiative Ortsdurchfahrt Kleinsachsenheim (IOK) ins Leben gerufen. Seither haben Jürgen Bothe und Reiner Thaller auf die Unzulänglichkeiten der L1141, die sich als Großsachsenheimer Straße und als Löchgauer Straße durch den Sachsenheimer Ortsteil schlängelt, mehrfach hingewiesen.

An einer Stelle beim Widdumhof misst der Gehweg gerade mal noch 50 Zentimeter, was zusätzlich Fußgänger gefährdet. Vor allem die Ecke am Stachus ist nach Aussage von Thaller und Bote eine permanente Gefahrenstelle. Dort fahren Autos in Richtung Ortsmitte, oft mit recht hoher Geschwindigkeit um die schlecht einsehbare Kurve. Unmittelbar dahinter ist die Bushaltestelle. Wenn dann dort ein Bus hält, entstehen oft gefährliche Situationen. Durch den Bau eines Kreisverkehrs in Freudental und der dort momentan gesperrten Straße weicht nach Aussage von Reiner Thaller seither der Schwerlastverkehr verstärkt auf die L 1141 aus, wodurch die ohnehin schon sehr stark befahrene Ortsdurchfahrt zusätzlich belastet werde.

Forderung nach Tempo-30-Zone

Eine zentrale Forderung der Initiative ist seit Jahren, die gesamte Ortsdurchfahrt als Tempo-30-Zone auszuweisen.

Zumindest einen Teilerfolg konnte die Kleinsachsenheimer Initiative erzielen. 2018/2019 wurde vor dem Kleeblattheim ein Tempo-30-Abschnitt eingerichtet. Im Mai 2018 haben Thaller und Bothe dem Kleinsachsenheimer Bezirksbeirat eine Liste mit 200 Unterschriften sowie eine Liste mit Forderungen übergeben, um die aus ihrer Sicht schlimme Verkehrssituation auch in den Gemeinderat einzubringen.

Der Landtagsabgeordnete Markus Rösler (Grüne) hat sich im März 2019 die Situation angeschaut. Rösler hielt bei dem Vor-Ort-Termin Tempo 30 für Ortsdurchfahrten für sinnvoll und verwies damals auf die Umsetzung des Lärmaktionsplans und ein ganzheitliches Verkehrskonzept, das einen Verkehrswegeplan für Autos und auch für Radfahrer umfasst.

Im April 2019 hat die Kreistagsfraktion der Freien Wähler ebenfalls die Situation vor Ort begutachtet und zugesagt, die Anliegen der IOK zu unterstützen.

Weitere Forderungen

Seither hat sich zum Leidwesen der IOK nicht viel geändert. Bothe und Thaller fordern in einem Schreiben an das Landratsamt die Prüfung, ob in der Großsachsenheimer Straße ein weiterer Überweg eingerichtet werden kann, und Geschwindigkeitskontrollen auf der Großsachsenheimer Straße von Großsachsenheim kommend. In diesem Bereich werde nach Auskunft von Thaller und Bothe häufig zu schnell gefahren.

Weil der Radweg am oberen Teil der Alten Großsachsenheimer Straße endet, werde der Gehweg wegen des hohen Verkehrsaufkommens oft zusätzlich als Radweg genutzt. Deshalb ist eine weitere Forderung ein Radweg, der durch Kleinsachsenheim führt. Zuletzt weisen die IOK-Vertreter darauf hin, dass die Umsetzung des Lärmaktionsplans für Kleinsachsenheim immer noch offen stehe.

Gerade diesen Punkt greifen Jürgen Bothe und Reiner Thaller nun mit einer eigenen Initiative auf. In den nächsten Tagen werden entlang der vielbefahrenen Ortsdurchfahrt auf privaten Grundstücken rund zehn Plakate mit der Bitte „Freiwillig 30 km/h in Kleinsachsenheim“ aufgehängt. Tempo 30 für die gesamte Ortsdurchfahrt bei Tag und Nacht erhöhe die Sicherheit und vermindere nach Aussage von Thaller und Bothe die Lärmbelastung für die Anwohner spürbar.

Rund 7500 Fahrzeuge pro Tag

Thomas Feiert, Fachbereichsleiter Technik, Stadtplanung und Mobilitätskonzepte der Stadt Sachsenheim, kennt die Problematik der überlasteten und beengten Ortsdurchfahrt bestens. 2015 habe man bei einer Verkehrszählung bereits täglich rund 7500 Fahrzeuge gezählt, davon vier Prozent große Lkw. Diese großen Lkw seien problematisch, und der Verkehr habe seither spürbar zugenommen. Grundsätzlich steht Feiert der Forderung nach Tempo 30 offen gegenüber.

Das Landratsamt muss rechtlich prüfen, ob eine Tempo-30-Zone vertretbar ist und dann die Zone samt Beschilderung genehmigen. An dem Thema sei man seitens der Stadt dran. Was die Forderung nach Geschwindigkeitskontrollen in Richtung Großsachsenheim angeht, halte sich nach Ansicht von Feiert der Großteil der Autofahrer an die Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Auch mit dem Verkehrsministerium steht die Kleinsachsenheimer Initiative nach eigener Aussage, in regem Austausch. Reiner Thaller und Jürgen Bothe wünschen sich von den Verkehrsteilnehmern mehr Rücksicht auf die Anwohner.

Der Wunsch der Initiative sei, so Reiner Thaller, ein Runder Tisch, an dem Betroffene und Verursacher unter Vorsitz des Bürgermeisters konstruktiv ins Gespräch kommen.

 
 
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