Verkehr Löchgau Sperrung der L 1107: „Unsere Existenz ist bedroht“

Von Gabriele Szczegulski
Elke und Frank Scheuler haben Einbußen von bis zu 70 Prozent ihres Umsatzes. Die Sperrung liegt mitten in der Hochsaison ihrer Haupterwerbsfrüchte – Spargel und Erdbeeren. Foto: /Martin Kalb

Sowohl der Scheuler- als auch der Petershof leiden unter der Sperrung der Landesstraße. Die finanziellen Einbußen seien katastrophal.

Auf dem großen Parkplatz vor Scheulers Hofladen an der L 1107 zwischen Bietigheim und Löchgau herrscht gähnende Leere. Zur besten Kaffee- und Kuchenzeit parken dort drei Autos, zwei gehören Mitarbeiterinnen. Im Gastraum sitzen zwei Frauen – das war’s. Am Spargelstand, an dem es sonst zu fast jeder Zeit eine lange Schlange aus Kunden gibt: kein einziger. „Es ist eine Katastrophe, manchmal haben wir am Vormittag nur einen Kunden“, sagt Inhaberin Elke Scheuler.

Derzeit ist eigentlich Hauptsaison bei den Scheulers. Spargel und Erdbeeren warten darauf, verkauft zu werden. Zwei Drittel ihres Jahresumsatzes, so Elke Scheuler, werden in den Monaten Mai, Juni und Juli erwirtschaftet. „Wir haben derzeit täglich Umsatzeinbußen von bis zu 70 Prozent“, sagt sie. „Unsere Existenz ist bedroht“, so die Landwirtin. Seit Pfingsten und bis voraussichtlich Ende August ist von Bietigheim kommend keine Anfahrt zum Scheulerhof möglich. „Laufkundschaft, wie beispielsweise viele Touristen, die nach Tripsdrill fahren, bleiben komplett aus“, sagt sie. Auch Gruppen, die zum Spargelessen oder für die selbst gebackenen Kuchen kommen, sagen Reservierungen ab. „Seit Pfingsten haben wir keine Gruppe mehr da gehabt, normalerweise ist unser Gastraum an fast allen Tagen ausgebucht.“ Auch Stammkunden würden weg bleiben, da ihnen die Anfahrt zu kompliziert sei.

Doch der Spargel sprießt und auch die Erdbeeren reifen auf den Feldern. „Die Erdbeeren lassen wir zum Teil hängen, weil wir sie nicht verkaufen können“, so Scheuler. Der Spargel wird zum Teil auf dem Großmarkt und in der Münchinger Filiale verkauft – oder entsorgt. „Ja, da blutet mir mein Herz, ich schmeiße ungern Lebensmittel weg“, so Scheuler. Noch hat sie keinen ihrer Mitarbeiter entlassen, nach Hause geschickt aber schon.

Die Kosten für den Betrieb bleiben dieselben, Elke Scheuler hat Angst vor einer zunehmenden Verschuldung. Ihr Mann Frank wird deutlicher: „Wenn das so weitergeht und 2028 dann der Kreisel in Richtung Löchgau dicht gemacht wird wegen Sanierung, dann besteht schon die Möglichkeit, dass wir unser Geschäft schließen müssen.“

Warum die Sperrung bis Ende August gehen soll, sei ihm, so Frank Scheuler, schleierhaft. „Die Arbeiten sind schon weit fortgeschritten“. Das bestätigt auch Andreas Klein, der beim Regierungspräsidium Stuttgart (RPS) für die Planungen zuständig ist. Sobald die Arbeiten an der L 1107 beendet seien, werde die Straße auch wieder für den Verkehr freigegeben. Die Sperrung der Straße werde nicht künstlich verlängert, bis auch die Auwiesenbrücke fertig saniert ist.

Auch Andrea Weigel vom benachbarten Petershof klagt über hohe finanzielle Einbußen. Bei ihr sind es vor allem Kirschen und Beeren von den eigenen Bäumen und Büschen, „auf denen wir gerade sitzen bleiben“, so Weigel. Sie versucht, über Kollegen das Obst zu verkaufen, aber auch sie hat schon welches entsorgen müssen. „Die Laufkundschaft fehlt und auch Stammkunden kommen weniger häufig.“ Eine Kundin aus Bietigheim nehme in Kauf, dass sie statt fünf Minuten nun eine Dreiviertelstunde Fahrtzeit auf sich nehmen müsse. „Und sie war an diesem Tag die einzige Kundin.“

Beide Hofbesitzer vermissen auch eine bessere Kommunikation mit dem Regierungspräsidiums Stuttgart (RPS), das für die Straßensanierung zuständig ist. „Vorbereiten auf die Sperrung konnten wir uns nicht, wir haben davon aus der BZ erfahren“, sagt Elke Scheuler und dies bestätigt Andrea Weigel. Und zwar kurz vor der Informationsveranstaltung des RPS und der Stadt Bietigheim-Bissingen, an der Scheulers und Weigels teilnahmen. „Ich verstehe nicht, warum wir büßen müssen, dass die Stadt Bietigheim-Bissingen diese Sperrung forderte, damit während der Sperrung der Auwiesenbrücke der Verkehr in der Innenstadt entzerrt wird“, sagt Frank Scheuler.

Nur durch Gespräche mit der Bauleitung vor Ort und deren Entgegenkommen sei es für ihn möglich, über die Baustelle zu seinen Feldern, Äckern und Tieren zu kommen. Anfang August wird direkt vor dem Scheulerhof die Bushaltestelle behindertengerecht umgebaut und die Einfahrt zum Laden erschwert. „Da schließen wir jetzt für zwei Wochen“, so Elke Scheuler.

Andrea Weigel moniert vor allem die Umleitungsbeschilderung aus Richtung Besigheim und Löchgau, die suggeriere, dass die Straße ab dem Löchgauer Kreisel in Richtung Bietigheim komplett gesperrt ist und die Zufahrt sowohl zu ihrem Hof als auch zum Scheulerhof nicht möglich sei. Die Umleitung führt über die kleine Verbindungsstraße und nicht über die L 1107 und das Königsträßle, was ihren Höfen Passierverkehr beschert hätte.

Werbeschilder am Löchgauer Kreisel

In einer „konzertierten Aktion“, so Weigel, haben die beiden Hofladenbesitzer am Kreisverkehr Schilder angebracht, die zeigen, dass die Zufahrt zu den Höfen frei ist. „Sehr unglücklich“, so Weigel, sei die Führung der Umleitung und die Beschilderung. Ihre Anfrage beim RPS, dies doch bitte zu ändern, sei zur Kenntnis genommen worden, mehr nicht.

 
 
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