Michael Hofer hatte sich gefreut, als im Oktober vergangenen Jahres eine E-Ladesäule an der Kelter in Hohenhaslach aufgestellt wurde. Schließlich ist er leidenschaftlicher Fahrer eines Elektroautos und wohnt in dem kleinen Ort am Strombergrand.
Verkehrswende in Sachsenheim Eine von zwei E-Ladesäulen im Kirbachtal funktioniert nicht
Eine Ladesäule für Elektroautos steht seit Monaten in Hohenhaslach still. Was ist da los und wie steht es allgemein um Ladestationen im Stadtgebiet?
Dass es im ganzen Kirbachtal bisher so gut wie keine öffentliche Lademöglichkeit gibt, veranlasst Hofer zu Kopfschütteln. „Die Elektromobilität kommt im Kirbachtal bislang kaum an“, sagt der 47-Jährige, „nicht aus mangelndem Willen der Bevölkerung, sondern wegen fehlender beziehungsweise nicht funktionierender Ladeinfrastruktur.“
Ein konkretes Beispiel sei die stromlose Ladesäule in Hohenhaslach. „Sie ist offenbar noch immer nicht ans Stromnetz angeschlossen“, so Hofer. Für viele Bürger wirke sie inzwischen wie ein Symbol einer stockenden Verkehrswende. Das Problem betreffe nicht nur Pendler, die täglich auf eine verlässliche Lademöglichkeit angewiesen seien, sondern auch die zahlreichen Besucher des Weitblickweges Hohenhaslach, die an der Kelter parken und dort vor einer nicht nutzbaren Ladesäule stehen. „Das ist weder alltagstauglich noch ein gutes Signal für Naherholung und Tourismus“, moniert Hofer. Am Sonntag Anfang März seien auf dem Parkplatz elf Elektroautos gestanden. „Der Betreiber lässt sich da einiges entgehen“, so Hofer. Die zentralen zwei Fragen für den Hohenhaslacher lauten: „Warum dauert es Monate, bis eine einzelne Ladesäule funktionsfähig ist? Und wer trägt dafür die Verantwortung?“
Anschlusskabel ans Stromnetz war zu kurz
Auf die Frage, woran es hakt, dass diese Ladesäule noch nicht funktioniert, antwortet Arved Oestringer, Pressesprecher der Stadt Sachsenheim: „Derzeit besteht ein technisches Problem beim Anschließen an das Netz, das durch das Unternehmen Deer noch nicht behoben werden konnte.“ Hier laufe der Austausch zwischen Deer und dem Eigentümer der Stromnetze, also Netze BW, weiter. Netze BW ist eine Tochter von EnBW und der größte Verteilnetzbetreiber in Baden-Württemberg.
Die Ladesäule in Hohenhaslach wurde bisher nur vorbereitet, heißt es von Deer aus dem Schwarzwald. „Es fehlen noch Teile und es dauert noch, bis die Ladesäule in Betrieb geht“, lautet die unbefriedigende erste Antwort des Calwer E-Mobilitäts-Unternehmens. Auf genauere Nachfrage informiert Eileen Stork, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit von Deer: „Es fehlt der Zähler der Netze BW.“ Die Setzung und Inbetriebnahme des Zählers durch den Netzbetreiber sei die technische Voraussetzung, dass es losgeht.
Es fehle seit fünf Monaten der Zähler, „weil sich die Netze BW noch nicht um unsere Anfrage gekümmert haben und wir auf Rückmeldung warten“, gibt sie weiter Auskunft. Deer könne noch nicht absehen, wann die Ladesäule denn endlich genutzt werden könne. Es sei nicht geplant gewesen, dass die Ladesäule so lange nicht in Betrieb gehe. „Wir planen, alles möglichst zeitnah fertigzustellen. Dies ist in der Zusammenarbeit mit mehreren Parteien leider nicht immer möglich“, so Stork.
Die Pressesprecherin von EnBW, Maike Hagedorn, erklärt den Fall aus Sicht des Netzbetreibers: Die Monteure von Netze BW seien bereits an zwei Terminen vor Ort gewesen und hätten versucht, den Zähler einzubauen. „Leider mussten die Kollegen beide Male feststellen, dass die technischen Voraussetzungen für den Einbau des Stromzählers nicht gegeben waren.“
Beim ersten Termin sei demnach der Hausanschlusskasten nicht wie vorgeschrieben an das Netz angeschlossen. Beim zweiten Termin sei das Anschlusskabel an den Stromzähler zu kurz gewesen. Der zuständige Elektroinstallateur der Firma Deer sei daraufhingewiesen worden, die Fehler zu beheben. Aktuell seien die Kollegen dabei, einen weiteren Termin mit Deer und dem zuständigen Elektroinstallateur zu vereinbaren.
Viele Schritte bis zur neuen Ladesäule notwendig
Bis eine neue Ladestation steht, sind folgende Schritte notwendig, wie Sachsenheims Sprecher Oestringer erklärt: An erster Stelle kommen entweder Betreiber von Ladesäulen wie Deer, EnBW oder die Stadtwerke auf die Kommune zu, oder sie sieht selbst einen Bedarf und initiiert den Bau neuer Ladestationen. In diesem Falle war der Initiator die Firma Deer.
Die Kommune prüft im nächsten Schritt verfügbare Flächen. Es folgt eine Standortbegehung und -auswahl sowie ein Gemeinderatsbeschluss hierzu. Die Standorte werden zur Einschätzung der Umsetzbarkeit durch Netze BW technisch geprüft. Es folgt der Vertragsabschluss mit dem Betreiber - in diesem Falle Deer –, die technische Umsetzung durch den Betreiber und das Tiefbauunternehmen und schließlich die offizielle Standorteröffnung. Die Stadt Sachsenheim begrüße den Ausbau der Elektromobilität und ein stetiges Wachstum der Infrastruktur, unterstütze dies und stelle hier gerne Flächen zur Verfügung, betont Oestringer.
In Ochsenbach ist auch eine Ladestation geplant
Die Hohenhaslacher Ladesäule soll nicht die einzige von Deer auf Sachsenheimer Gemarkung bleiben. Das Unternehmen plant Ladesäulen in Großsachsenheim an zwei Standorten, in Kleinsachsenheim an zwei Standorten und in Ochsenbach aufzustellen.
„Ich beobachte, dass die Ladeinfrastruktur in Bietigheim-Bissingen deutlich besser ist als in Sachsenheim“, sagt Hofer. In Bietigheim-Bissingen betreiben die Stadtwerke zahlreiche Ladestationen. Hofer: „Ich habe das Glück, im Geschäft laden zu können.“
Hier fließt Strom in E-Autos in Sachsenheim
Öffentlich nutzbare Ladespunkte gibt es laut Landratsamt Ludwigsburg aktuell 31 in Sachsenheim: 27 Normalladepunkte (NLP) sowie vier Schnellladepunkte (SLP). Die Deer GmbH betreibt zwei NLP an der Stadtverwaltung, ALDI SÜD in Kleinsachsenheim auf dem Kundenparkplatz zwei NLP, Amba operations zwölf NLP in der Ludwigsburger Straße, Eliso ebenfalls in der Ludwigsburger Straße vier NLP, die EnBW drei NLP und ein SLP (in der Ludwigsburger Straße beim Rewe und in der Siemensstraße), LEV Veranstaltungstechnik ein NLP im Gewerbegebiet Eichwald und die E.ON Drive beim Autohaus Schneider im Holderbüschle (ein SLP und ein NLP).
Zwei Ladestationen am Bahnhof von Energie Calw listet zudem der ADAC in seiner Online-Ladesäulen-Karte auf. Michael Hofer aus Hohenhaslach bemängelt, dass die Ladeoptionen am Bahnhof „meist von den Sharing- Fahrzeugen belegt sind“. Leser Wolfgang Koch gab der BZ den Hinweis, dass in Ochsenbach beim Kindergarten die einzige E-Ladesäule im Kirbachtal steht, die funktioniert.
