Verlängerung der S-Bahn-Linie 5 S-Bahn bis Kirchheim und Lauffen?

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Bisher fahren nur die gelb-weißen Züge der Frankenbahn zwischen Bietigheim-Bissingen und Heilbronn. Ob auch die rote S-Bahn sich lohnt, will jetzt die Region Stuttgart herausfinden.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Lohnt sich eine Verlängerung der Strecke über Bietigheim-Bissingen hinaus? Das will die Region Stuttgart untersuchen lassen. Die Rathauschefs entlang der Strecke begrüßen das Vorhaben.

Es dauert lediglich etwa 25 Minuten, bis man vom Bahnhof in Besigheim am Hauptbahnhof in Stuttgart ankommt. Doch Kornwestheim, Feuerbach oder Asperg – wer den ÖPNV bevorzugt, um beispielsweise zur Arbeit zu kommen, muss am Bietigheimer Bahnhof in die S-Bahn umsteigen. Ob es sich lohnt, die S-Bahn-Strecke von Bietigheim aus über Besigheim, Walheim und Kirchheim bis Lauffen zu verlängern, will jetzt die Region Stuttgart herausfinden. Im Etat der Region für 2022 stehen für entsprechende Untersuchungen 180 000 Euro bereit, von denen ein Teil allerdings auch für die Strecke der Filstalbahn bis Geislingen reserviert sind.

Im Jahr 2014 hatte sich die Region schon einmal mit dieser Frage befasst. Doch die Städte und Gemeinden Besigheim, Walheim und Kirchheim seien mit Regionalzügen gut zu erreichen, lautete das damalige Fazit. Mit dem Fortschritt von Stuttgart verändern sich aber die Rahmenbedingungen, sagte eine Sprecherin der Region auf Nachfrage der BZ. Jetzt soll noch einmal „gesamthaft“ untersucht werden, wie und in welcher Form die S-Bahn-Strecke verlängert werden kann.

Engere Vertaktung

In den Rathäusern entlang der Strecke hört man diese Botschaft gerne. Zuletzt Anfang dieses Jahres habe man sich in dieser Angelegenheit an Regionaldirektorin Nicola Schelling und Landrat Diermar Allgaier gewandt, erläutert der Besigheimer Rathauschef Steffen Bühler. Es stimmt: Die Anbindung an Stuttgart ist gut, räumt er ein, wenn die Frankenbahn denn pünktlich verkehrt. Trotzdem bestehe die Forderung nach einer Verlängerung der S.Bahn seit Jahren. Durch eine verbesserte und enger getaktete Anbindung werde die Attraktivität des Standortes weiter erhöht. Im Regionalverkehrsplan werde die Trasse bisher lediglich freigehalten, um mit anderen Planungen nicht in Konflikt zu kommen und die Perspektiven offen zu halten. „Wenn diese Fragen jetzt weiter geklärt und präzisiert werden, dann freut uns das.“

Aus Sicht von Bühlers Amtskollegen Uwe Seibold in Kirchheim wäre die S-Bahn-Verlängerung ein Vorteil für die gesamte Region. Die Frankenbahn sei nicht zuverlässig, erinnert er an die häufigen Zugausfälle und Verspätungen. Kürzere Taktungen seien die Voraussetzungen, dass mehr Menschen den ÖPNV nutzen, sagt Walheims Bürgermeisterin Tatjana Scheerle. „Eine S-Bahn-Anbindung macht flexibler und anziehender“, sagt sie. Aktuell seien die Züge zu den Zeiten des Berufsverkehrs „mehr als voll“.

Als Endpunkt sei Kirchheim allerdings nicht geeignet, erläutert Seibold. Dieser müsse nach Lauffen im Landkreis Heilbronn verlegt werden, der bekanntlich nicht der Region Stuttgart angehört. Dort gibt es die Möglichkeit die Gleise so einzurichten, dass S-Bahnen für die Rückfahrt bereit gestellt werden können. Im Nachbarlandkreis sei auch im Gespräch, die Zabergäu-Bahn wieder zu reaktivieren, die danach an die S-Bahn angeschlossen werden könnte.

Druck auf das Wohnungsangebot, höhere Immobilienpreise und Nachbesserungen der Infrastruktur – das sind in der Regel die Folgen einer verbesserten Anbindung an den ÖPNV. Das sieht auch der Besigheimer Bürgermeister so. „Noch mehr Attraktivität durch die S-Bahn, verbunden mit unseren zentralen Möglichkeiten als Schulstandort und den vielen Freizeitangeboten würde den Siedlungsdruck auf jeden Fall erhöhen“, sagt Bühler.

Die Attraktivität von Walheim als Wohngemeinde würde ebenfalls steigen, hofft Rathauschefin Scheerle. Im neuen Flächennutzungsplan seien bereits neue Wohnbauflächen ausgewiesen. Für zusätzliche Infrastruktur, beispielsweise Kindergärten, müsste dann Geld in die Hand genommen werden.

 
 
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