Versuchsfeld Bönnigheim Im Versuchsfeld wächst die Zukunft

Von Hannah Reutter
Auf dem Versuchsfeld in Bönnigheim wird Weizen der Sorte „LG Optimist“ getestet. Vorne links die Beraterinnen Annika Vetter, hinten Mitte Anja Brugger (links) und Franziska Grötzinger vom Landwirtschaftsamt Heilbronn. Foto: /Martin Kalb

Ein Blick hinter die Kulissen des Zentralen Versuchsfelds in Bönnigheim zeigt die Herausforderungen der Zukunft in der Landwirtschaft.

Trockene Sommer, launisches Wetter und die Frage nach dem Umweltschutz: Die Landwirtschaft steht vor riesigen Herausforderungen. Wie der Spagat zwischen vollen Ernten und grünem Gewissen gelingen kann, wird direkt vor unserer Haustür erforscht. Ein Blick hinter die Kulissen des Zentralen Versuchsfelds in Bönnigheim, wo die Zukunft des regionalen Anbaus schon heute wächst.

Zwei Landratsämter tüfteln gemeinsam

Welcher Weizen wächst trotzt der nächsten Hitzewelle? Welche Kartoffel liefert trotz unvorhersehbarer Wetterkapriolen eine stabile Ernte? Und taugt die Sojabohne eigentlich als neuer, grüner Star auf den Feldern rund um Bietigheim und Besigheim? Wer Antworten auf diese drängenden Fragen sucht, muss nicht in sterile Labore schauen, sondern einfach nach Bönnigheim. Auf dem Zentralen Versuchsfeld des Landes, tüfteln die Landwirtschaftsämter der Landratsämter Ludwigsburg und Heilbronn gemeinsam an der Landwirtschaft von morgen. Bei zwei gut besuchten Führungen am vergangenen Mittwoch durften Landwirte und neugierige Bürger den Experten über die Schulter schauen und einen Blick auf die Zukunft unserer Ernährung werfen.

Das Prinzip hinter dem rund zwei Hektar großen Areal im fruchtbaren Bönnigheim ist ebenso simpel wie effektiv: Ausprobiert wird, was in der Praxis unter echten Bedingungen wirklich funktioniert. Was hier auf den Testparzellen von den Experten der beiden Landratsämter intensiv betreut und wissenschaftlich begleitet wird, landet später als offizielle Empfehlung direkt bei den Höfen der Region. Traditionell dreht sich in Bönnigheim dabei vieles um das tägliche Brot, genauer gesagt um den Weizen. Über 30 verschiedene Winterweizensorten stehen aktuell im direkten Vergleich, um herauszufinden, welcher am robustesten ist, die beste Qualität liefert und Krankheiten ohne fremde Hilfe abwehrt.

Gleichzeitig wird mit minimalem Pflanzenschutz experimentiert, um den Einsatz von Chemie so effizient und wirtschaftlich wie möglich zu gestalten. Auch die Braugerste für das regionale Feierabendbier wird genauestens auf ihre Klimaresistenz geprüft, da zunehmende Wetterextreme die Landwirte immer öfter zum Umdenken zwingen. Doch es wird in Bönnigheim nicht nur Altbewährtes optimiert, sondern auch mutig experimentiert. Sogenannte Leguminosen, also Hülsenfrüchte, erobern Jahr für Jahr mehr Raum auf dem Versuchsfeld.

Sojabohnen für den heimischen Ackerbau

Sojabohnen werden hier schon seit einigen Jahren auf Herz und Nieren getestet. Sie gelten als interessante Alternative für den heimischen Ackerbau, weil sie ein echtes Naturwunder vollbringen: Sie lockern nicht nur die Fruchtfolge auf, sondern ziehen sich den nötigen Stickstoff einfach selbst aus der Luft, was den Einsatz von teurem Dünger massiv reduziert. Daneben spielen auch Erbsen und Ackerbohnen eine wachsende Rolle in den Biodiversitätsversuchen. Dass moderner landwirtschaftlicher Fortschritt und aktiver Naturschutz Hand in Hand gehen können, zeigt ein weiterer großer Schwerpunkt des Projekts.

Auf speziellen Flächen wachsen Hafer, Erbsen, Ackerbohnen und Sonnenblumen wild-romantisch durcheinander. Durch bewusst breitere Reihenabstände bei diesen Mischungen entstehen wertvolle Rückzugsorte, Lebensräume und Brutplätze für Insekten und bedrohte Feldvögel. Angesichts des spürbaren Klimawandels und immer strengerer Umweltauflagen wird diese Arbeit der Landratsämter immer wichtiger.

Man brauche belastbare Daten direkt aus der Praxis, um den Landwirten in diesen dynamischen Zeiten eine echte Orientierung zu bieten, betonten die Fachleute bei den Rundgängen. Die gesammelten Ergebnisse dieses Sommers werden nun akribisch ausgewertet und anschließend veröffentlicht. Für die Landwirte der Region fungieren sie als digitaler Kompass für die nächsten Aussaaten – und sorgen dafür, dass die heimische Landwirtschaft fit für die Zukunft bleibt.

 
 
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