Vesperkirche Ludwigsburg Ein Ort, an dem man gesehen wird

Von Helga Spannhake
Gleich am ersten Tag der Ludwigsburger Vesperkirche war die Friedenskirche bis auf den letzten Platz gefüllt. Foto: /Martin Kalb

Vesperkirchen verstehen sich als Ort der Begegnung aller Menschen. In der Friedenskirche startete die 15. Vesperkirchen-Saison unter dem Motto „Miteinander für Leib und Seele“.

Vor den hohen Kirchentüren in der Stuttgarter Straße 42 hat sich bereits eine kleine Menschentraube gebildet, die geduldig auf den Beginn der Vesperkirche um 11.30 Uhr wartet. Drinnen gibt Renate Hammer, selbst seit 14 Jahren dabei, noch letzte Anweisungen an die, im Kreis um sie herumstehenden, Ehrenamtlichen: „Bei Suppe und Salat ist es immer geschickt, wenn man das gleichzeitig bedienen kann“, erläutert sie. Denn beides passt zusammen perfekt auf das Tablett, lässt sich dadurch bequem zu den Esstischen tragen, bevor die großen Teller mit den beiden Hauptmenüs kommen.

Am Eröffnungstag der Vesperkirche am Sonntag sind das Schweinebraten sowie Gemüseschnitzel für die Gäste, die sich vegetarisch ernähren. Kaffee, Tee und Kuchen werden ebenfalls an den liebevoll mit hellgrünen Tischdecken gedeckten 35 Tischen gegessen. Blumentöpfe mit leuchtend bunten Primeln sorgen zusätzlich für eine fröhliche Atmosphäre.

Neben dem Essbereich hat sich Martin Strecker, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbandes Ludwigsburg mit Schwamm und Schaber bewaffnet. Aufgrund von krankheitsbedingten Ausfällen beim Team der Ehrenamtlichen stellt sich der Chef eigenhändig an die Schmutzstation: „Jetzt wird es spannend“, bekennt er schmunzelnd und kratzt geschwind das übrig gebliebene Essen von den immer zahlreicher werdenden abservierten Tellern.

Neue Organisatorin der Ludwigsburger Vesperkirche

Als neue Organisatorin der Ludwigsburger Vesperkirche ist Nathalie Gaus erstmals dabei und sie ist beeindruckt, dass in Zeiten von weltweiten Krisen und Inflation viele Menschen und Firmen trotzdem ihre Ressourcen zur Verfügung stellen: „Es ist ein großer Organisationsaufwand, aber es macht sehr viel Spaß, weil die Gemeinschaft einfach toll ist“, ergänzt sie und Christa Fröhlich, ebenfalls im Organisationsteam, lobt die fleißigen Ehrenamtlichen, die sich schon beim Aufbau sehr ins Zeug gelegt haben: „Unter den Tischen ist extra ein Boden verlegt worden und alle sind herumgekrabbelt und haben den festgeklebt“. Die Vesperkirche versteht sich als Ort, an dem sich jede und jeder wertgeschätzt und respektiert fühlen soll.

Daher gibt es ein Begrüßungsteam, zu dem seit sieben Jahren auch Sigrid Böhle gehört. Sie freut sich, jedes Jahr vertraute Gesichter wiederzusehen: „Ich habe gerade eine Familie begrüßt, bei der die Kinder unbedingt herkommen wollten“, erzählt sie und verrät auch den Grund für den Wunsch der Kleinen: „weil sie die Kinderecke bei uns so schön finden“.

Der Begriff Ecke wird ihr allerdings nicht gerecht, denn im Seitenschiff ganz vorn und links vom Altarraum stehen kleine Tische und Stühle für bis zu 20 Kinder bereit. Gesellschaftsspiele, Stofftiere, Puppen und Bauklötze laden ein zum ausgiebigen Spielen. Außerdem hat das dreiköpfige Betreuungsteam noch ein Bastelprogramm in petto. Aktuell werden Stoffbeutel, die die drei Damen selbst genäht haben, von den Kindern farbenfroh bemalt und die Ergebnisse dürfen die kleinen Künstlerinnen und Künstler selbstverständlich mit nach Hause nehmen.

Ein schönes Gefühl, helfen zu können

Immer mehr Menschen kommen hinein und werden im Gang zwischen den Kirchenbänken von Angela Stoll den Tischen zugeteilt: „Ich arbeite gern mit“, sagt sie und besonders gefällt ihr diese Begegnung unterschiedlichster Leute, die an einem Tisch zusammenkommen.

Neben den altbewährten Ehrenamtlichen gibt es aber auch ein paar Greenhorns – wie Stefan Matthaei: „Ich bin zum ersten Mal dabei und darf hier bedienen“, kommentiert er seinen Einsatz für die gute Sache. Ursula Pawlizki dagegen bringt schon seit acht Jahren in der Vesperkirche den Gästen ihr Essen. Sie freut sich jedes Mal über die Dankbarkeit der Leute und geht stets beschwingt heimwärts: „Wir haben viele, die werden nie bedient, die bekommen nie ihr Essen serviert. Die werden nie gefragt, ob es ihnen geschmeckt hat und das, was uns diese Menschen dann zurückgeben, ist unbezahlbar und vermittelt ein wirklich schönes Gefühl“. Denn in der Vesperkirche wird sozialer Kälte und Ausgrenzung Mitmenschlichkeit und Liebe gegenübergestellt und so ein Zeichen gesetzt für ein wünschenswerteres Miteinander.

 
 
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