Vogelliebhaber in Bietigheim-Bissingen Die kostenlose Vogelschau im Bürgergarten

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Der Verein Vogelliebhaber Bietigheim-Bissingen zeigt die Bewohner der Bürgergartenvolieren. Von links: Claus-Dieter Eisenbeiß und Heinz Schrempf mit Enkel Luca Klein.⇥ Foto: Oliver Bürkle

Die Vogelliebhaber kümmern sich ehrenamtlich um die vier städtischen Volieren im Bürgergarten. Rund 50 Vögel leben dort.

Der Bürgergarten in Bietigheim-Bissingen wurde anlässlich der Landesgartenschau 1989 zu beiden Seiten der Enz als „Grüne Mitte“ angelegt. Wo Natur ist, ist auch Lebensraum für zahlreiche Tiere, darunter Vögel. So ist es wenig verwunderlich, dass im Bürgergarten jede Menge Gezwitscher zu hören ist. Je näher man jedoch der Gaststätte Storchen kommt, umso lauter wird es, und das hat auch seinen Grund: Die Stadt hat zur Landesgartenschau nicht nur den Bürgergarten angelegt, sondern auch Vogelvolieren, die seitdem von den Vogelliebhabern und dem Kleintierzüchterverein Bietigheim-Bissingen gepflegt wurden, bis die Vogelliebhaber die Pflege gänzlich übernahmen.

Ersatz für Tierparks

Nicht zuletzt durch die pandemiebedingten Schließungen erlebten viele Menschen die Volieren als Ersatz zu Tierparks. Das weiß auch Heinz Schrempf, Vorsitzender und Gründungsmitglied der Vogelliebhaber. Zur Pflege gehört für den Verein auch die Vielfalt. „60 Prozent der Vögel kommen von Vereinsmitgliedern, 40 Prozent werden zugekauft.“ Zu sehen sind nun unter anderem Flammenkopf-Bartvögel, Dreifarben-Glanzstar, Rotschwingenstar und diverse Sittiche. „Alle Vögel sind eigene Nachzucht. Importvögel gibt es nicht mehr“, erklärt Schrempf.

Das sei früher anders gewesen. In den Anfangsjahren lebten beispielsweise Rote Sichler, Seidenreiher und Löffler hier. „Da gab es sogar einen Teich in der Voliere, da diese Vögel nur Fische essen.“ Den Nachwuchs der Tiere konnte der Verein sogar an Zoos vermitteln. Eines Tages jedoch wurden die Eier von Vandalen mit Stöcken zerstört und die teils schon ausgebildeten Küken getötet. Für Vogelliebhaber ein Grund, sich umzustellen. Nun leben hier Schönsittiche, Wellensittiche und Nymphensittiche. „Das sind privat die meist gehaltenen Vögel“, so Schrempf. Ausnahmsweise leben auch zwei Papageien, zwei Agaporniden einer Privatperson in den Volieren.

Zwischen 40 und 50 Vögel zehn verschiedener Arten sind es mittlerweile. Darunter der Höhepunkt für viele Besucher: zwei weibliche turkmenische Uhus. Die beiden leben seit 1989, also seit mehr als 30 Jahren, im Bürgergarten. „Das zeigt, dass sie gut betreut werden“, sagt der Vorsitzende und ergänzt, dass die Pflanzen in der Uhu-Voliere bewusst auch etwas wilder wachsen dürfen. „So können sie sich verstecken.“

Zaun aufgeschnitten

Während sich so manch ein Besucher über den Anblick der Uhus freut, gibt es jedoch auch Kritiker. Vor einem halben Jahr habe ein selbst ernannter Vogelschützer zweimal den Zaun aufgeschnitten und sogar tote Mäuse an die Bäume gebunden, um die Uhus herauszulocken, so Schrempf. „Die Tiere leben schon solange in der Voliere, sie würden innerhalb weniger Tage in der freien Natur sterben.“ Als Reaktion darauf wurden der Zaun verstärkt und Kameras angebracht.

Mehr zu schaffen, macht Claus-Dieter Eisenbeiß, wenn Menschen die Vögel unbedarft mit allem möglichen füttern. Er ist Vereinsmitglied und als Minijobler beim Verein für die Pflege der Volieren angestellt. Seit einem halben Jahr schon hat Eisenbeiß diesen Job inne und er weiß, was er tut. „Ich habe selbst an die 200 Vögel.“ Trotz dem Schild „Bitte nicht füttern“ findet Eisenbeiß jedoch die unterschiedlichsten Sachen in den Volieren. Eiswaffeln oder Brot seien allerdings kein geeignetes Futter, nennt er Beispiele. Im schlimmsten Fall können die Vögel davon sterben. Der Verein und Eisenbeiß füttern mit speziellem Futter und Obst, freuen sich jedoch über Spenden wie Äpfel und Trauben oder gar eine Geldspende. „Wir werden von der Stadt finanziell unterstützt.“ Das Budget sei jedoch gering, vergleicht man es mit den Kosten, so Schrempf.

Erst vor einiger Zeit erlitten die Vogelliebhaber einen Schaden in Höhe von 5000 Euro durch Ratten. Sie fraßen nicht nur das Essen weg, sondern auch die Vögel und untertunnelten die Volieren. Seit der Boden zweier Volieren ausbetoniert wurde, gebe es kein Rattenproblem mehr und das seit rund zwei Jahren. Als nächste Umbauarbeiten könne sich Heinz Schrempf vorstellen die Volieren heller zu gestalten, auch ein neues Dach wäre sinnvoll. Das jedoch müsse zunächst innerhalb des 165 mitgliederstarken Vereins abgesprochen und durchgerechnet werden. Die farbenfrohen Vögel sind jedoch auch in dunkleren Volieren ein schöner Anblick.

 
 
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