Voltigierenbei Reiterverein Allein unter lauter turnenden Frauen

Von Helga Spannhake
Auf dem Holzpferd trainiert Tobias Laiß erst alle Übungen, bevor es auf den Rücken des lebenden Tieres geht. Foto: /Martin Kalb

Das Turnen auf dem sich bewegenden Pferd ist vor allem bei Mädchen beliebt. Nur wenige Männer interessieren sich für diese Sportart. Einer dieser wenigen ist Tobias Laiß. 

Konzentriert ist sein Blick geradeaus gerichtet. Tobias Laiß läuft an der Longe entlang auf die Schulter des Pferdes zu, nimmt den Galopprhythmus des Wallachs Comic auf und springt beidbeinig vom Boden ab. Dem Aufschwung folgt ein kurzer Grundsitz und schon steht er auf dem Pferderücken. Die Arme sind seitwärts ausgestreckt, mit den leicht gebeugten Knien federt er locker die Bewegungen unter sich ab. Vor allem bei Mädchen ist das Turnen auf dem sich bewegenden Pferd beliebt. Nur wenige Jungen und Männer interessieren sich für diese Sportart. Einer dieser wenigen ist Tobias Laiß, Mitglied im M-Team Bietigheim.

„Einfach auf dem Pferd zu stehen in verschiedenen Positionen, ist meine eigentliche Lieblingsübung. Weil: das ist wie schweben“, erklärt Tobias Laiß lachend. Die größte Herausforderung dabei: sich locker auf den Pferde-Laufrhythmus einzulassen. Außerdem gehören aber auch noch Sprünge auf dem Pferderücken zu seinen Lieblingsakrobatikübungen, ergänzt Tobias Laiß.

Laiß’ Mutter war Voltigiertrainerin

Schon als ganz kleiner Stöpsel kam er durch seine Mutter zum Voltigieren. Sie trainierte damals die Gruppen im Reiterverein Bietigheim-Bissingen. Und der achtjährige Sohn, der immer schon gern geturnt hat, schwang sich erstmals im Voltigieranzug auf den Pferderücken. Die Liebe zum Eishockey aber gewann zunächst, und Tobias Laiß spielte 15 Jahre mit großer Begeisterung beim SC Bietigheim-Bissingen im Nachwuchsprogramm der Steelers. Das Voltigieren aber ließ ihn trotzdem nicht so ganz los. Durch eine Freundin kam er zurück in den Pferdestall, verbrachte das erste Jahr allerdings nur auf dem Holzpferd. „Ich durfte nicht aufs Pferd, weil ich zu verkrampft war durch das Eishockeyspielen und die Geschmeidigkeit fehlte“, erinnert er sich.

Spaß hat es dem inzwischen 33-Jährigen trotzdem gemacht, und es war auch ein guter Ausgleich: Kraft und Ausdauer kamen vom Eishockey, und die Dehnung gepaart mit Geschmeidigkeit erlangte er durch das Voltigieren. „Das hat mir für beide Sportarten viel gebracht“, berichtet Tobias Laiß. Damals war er fast volljährig. Die durchaus etwas spöttischen Kommentare der Eishockey-Kollegen zum Kunstturnen auf einem Pferd machten ihm nichts mehr aus: „In dem Alter steht man da schon drüber und kann sagen: Hey Leute, das macht mir eben großen Spaß. Ich habe die Kumpel dann auch mal mitgenommen“, erzählt er und fügt grinsend hinzu: „Was dann schon entsprechend auf dem Holzpferd aussah“.

Neben dem Voltigieren im Team erwarb Tobias Laiß die nötigen Lizenzen und Abzeichen, um ab 2012 auch als Einzelvoltigierer zu starten. Ab 2016 widmete er sich mit seiner damaligen Partnerin zudem dem Doppelvoltigieren. Bei diesem Pas de Deux gehen immer zwei Voltigierer an den Start. „Das Doppel war immer meine Lieblingsdisziplin“, schwärmt Tobias Laiß von vergangenen Tagen.

Ruhepol in der RV-Mädchenriege

Inzwischen ist er seit zwei Jahren wieder festes Mitglied beim M-Team Bietigheim und mit 33 Jahren auch ein alter Hase beim Voltigieren. „Diesem Thema muss ich mich ganz klar stellen – vor allem, wenn neue Voltigiererinnen ins Team kommen“, sagt er. Denn in der heutigen Zeit als bald 34-jähriger Mann mit deutlich jüngeren Mädchen zu turnen, dazu braucht es Fingerspitzengefühl.

Aber mit seiner ruhigen sympathischen Art hat Tobias Laiß bisher in dieser Hinsicht keinerlei Probleme gehabt. In der manchmal doch etwas aufgewühlten Mädchenriege fungiert er immer wieder als willkommener Ruhepol. Zusätzlich ist bei den unterschiedlichen Hebefiguren auf dem Pferderücken seine Kraft absolut von Vorteil. Von daher denkt er noch lange nicht ans Aufhören, auch wenn das Privatleben durch die vielen Stunden im Pferdestall – Tobias Laiß engagiert sich neben dem Voltigieren auch als Mitglied im Vorstand des Reitervereins - doch öfter mal etwas zu kurz kommt.

 
 
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