Vortrag Akademietage in Bietigheim-Bissingen Wohl von Mensch und Umwelt als oberstes Wirtschaftsziel

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Christian Felber kommt am 17. November im Rahmen der 16. Akademietage ins Kronenzentrum nach Bietigheim-Bissingen und referiert über die „Gemeinwohl-Ökonomie“. Foto: Rainer Friedl

Christian Felber, österreichischer Autor und politischer Aktivist ist als Redner bei den 16. Akademietagen im Kronenzentrum in Bietigheim-Bissingen. Am Montag ist die Auftaktveranstaltung, bei der Prof. Dr. Michael Hartmann referieren wird.

In Bietigheim-Bissingen sei er zwar noch nicht gewesen, in der Region Stuttgart und allgemein in Baden-Württemberg jedoch schon viele Male, denn: „Die Gemeinwohl-Ökonomie boomt hier“, sagt Christian Felber im Gespräch mit der BZ. Von unterwegs aus ruft er an, hörbar zu Fuß, denn er ist noch ganz außer Atem.

Initiator der GWÖ-Bewegung

Der 49-jährige Österreicher ist viel gefragt. 2010 schrieb er ein Buch mit dem Titel „Die Gemeinwohl-Ökonomie“, das derzeit aktueller denn je ist – inmitten von ökologischen Krisen, politischen Konflikten und gestressten Menschen. „Es ist eine ganze Krisenlandschaft“, resümiert Felber und prophezeit: „Die große Stunde wird erst noch kommen.“ Was er meint: Die Hochphase der Gemeinwohl-Ökonomie, deren Initiator er ist und die eben nicht nur ein Wirtschaftsmodell darstelle – davon gebe es genügend andere – sondern eine ganzheitliche Lösung anbiete.

Und damit ist man schon in den Kosmos von Christian Felber und der Bewegung „Gemeinwohl-Ökonomie“ (GWÖ), die mittlerweile in 33 Staaten aktiv ist, eingetaucht, worüber Felber auch am 17. November (11.15 Uhr) im Kronenzentrum referieren wird.

Felber ist nämlich einer von sieben Rednern und Rednerinnen, die an den diesjährigen und 16. Akademietagen in Bietigheim-Bissingen sprechen werden (siehe Infobox). In diesem Jahr geht es um das Thema „Arm oder reich - Schicksal oder Selbstbestimmung?“ Es wird über soziale Ungleichheit in Deutschland, ein mögliches bedingungsloses Grundeinkommen und über neue Wirtschaftsmodelle gesprochen.

Felber erklärt, dass die GWÖ ein ethisches Wirtschaftsmodell etablieren möchte, dass alle wirtschaftlichen Aktivitäten auf das Gemeinwohl ausrichtet. Das Wohl von Mensch und Umwelt werde somit zum obersten Ziel des Wirtschaftens. Gemeinwohl- statt Bruttoinlandsprodukt und Partizipation der Bürgerschaft statt Politik von oben herab. Gemeinsam sollen Ziele und Teilziele formuliert und erreicht werden.

Vermögen ist nicht mehr das Ziel

„Alles wird auf das gemeinsame Ziel abgestimmt. Es geht nicht mehr um Vermögensvermehrung“, so Felber. Man schaue auf das, was zählt. Geld gibt es in der GWÖ, allerdings als Mittel zum Zweck und nicht als das Ziel.

Mehr als 2000 Unternehmen unterstützen laut GWÖ das Modell, rund 400 sind Mitglied oder haben eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt, darunter die Sparda-Bank München, Schachinger Logistik und Vaude. Auch etliche Unternehmen aus dem Raum Stuttgart sind drunter, etwa der Eigenbetrieb Stadtentwässerung Stuttgart.

Bei der GWÖ-Bewegung gehe es nicht nur um wirtschaftliche Aspekte, sondern auch um Soziales, Sinnhaftigkeit, flexible Arbeitszeiten und Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Trägt denn ein bedingungsloses Grundeinkommen zum Gemeinwohl bei? „Ich vertrete eine agnostische Position“, sagt Felber. Die Gesellschaft armutssicher zu machen sei jedoch in der GWÖ ein wichtiger Punkt. Ob das über ein bedingtes oder bedingungsloses Grundeinkommen oder eine ganz andere Neustrukturierung funktionieren soll, „dafür ist eine Variantendiskussion von einem BürgerInnenrat erwünscht“, sagt er und stellt klar: „Die GWÖ ist ein Gegentrend zum Demokratieabbau, der auf weltweiter Ebene zu beobachten ist.“ Es gehe um die Stärkung einer souveränen Demokratie.

Als Schmankerl kündigt Felber für seinen Vortrag im Kronenzentrum an, ein Abstimmungsspiel mit dem Publikum durchzuführen, das sich um die Gerechtigkeitsfrage und die Begrenzung von Ungleichheit drehen soll. Darauf freue er sich schon.

Die 16. Akademietage

Die Akademietage
 sind eine Veranstaltung der Stadt BIetigheim-Bissingen, des Dachverbandes für Seniorenarbeit Bietigheim und der Schiller-Volkshochschule Kreis Ludwigsburg, in Zusammenarbeit mit der BZ. 

Es referieren:
Dr. Judith Niehues, Prof. Dr. Michael Opielka, Prof. Dr. Christoph Butterwegge, Prof. Dr. Kai Maaz, Mag. Christian Felber, Prof. Dr. Wilhelm Schmid.

Karten kosten
70, ermäßigt 50 Euro für den 16. und 17. November. Die Auftaktveranstaltung ist am kommenden Montag um 19 Uhr. Prof. Dr. Michael Hartmann referiert über „Die Wirtschaftselite“ (Kosten: 8 Euro).

Anmeldung
unter Telefon (07141) 1 44 26 66, per E-Mail an: info@schiller-vhs.de oder unter: www.schiller-vhs.de (Kursnummer 22B058106).

 
 
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