Vortrag Vortrag stimmt auf WM ein

Von Sandra Bildmann
Sport-Jurist Christoph Schickhardt Foto: /Martin Kalb

Sportrechtsanwalt Christoph Schickhardt gab manche Insider-Info preis.

Zum zweiten Mal nach 2022 stimmte Prof. Christoph Schickhardt das Sachsenheimer Publikum auf die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft ein. Unter dem Motto „Elf Freunde müsst ihr sein“ hatte der Sportrechtler zahlreiche Informationen rund um den Fußball zusammengetragen und präsentierte sie den Interessierten am Sonntagabend im Kulturhaus.

Seit 1983 ist der Rechtsanwalt spezialisiert auf Sport-Recht und hat unzählige Verfahren geführt, vertritt bis heute Bundesliga-Vereine, mitunter prominente Sportler, Spieler und Trainer. Dem Sachsenheimer Publikum berichtete er zum Beispiel von „durchgeknallten Verhältnissen“ während der WM 2022 in Katar und wie die Entlassung von Bundestrainer Hansi Flick vonstattengegangen sein soll. Schickhardt war und ist oft nah dran, manchmal mittendrin. So sprach er gern in der „Wir-Perspektive“.

Seinen Vortrag gliederte der Ludwigsburger Nachbar des Sachsenheimer Kulturreferenten Alexander Sterzel in einen längeren ersten Teil rund um die WM 2026 sowie Rückblicken auf jene Endrunden, bei denen das DFB-Team den Titel holte. Im kürzeren zweiten Teil widmete sich der Fachanwalt dem Thema Gewalt im Fußball-Kontext, zeigte die hässliche Fratze der Szene, bei der es „schon lange nicht mehr um Fußball“ gehe.

„Unentschieden gegen Curacao müsste mindestens drin sein“

Zunächst erfuhren die Zuhörer zum Beispiel, dass auf der Karibikinsel Curaçao Papiamentu gesprochen wird, wie sich deren Nationalhymne anhört und dass der Auftaktgegner der deutschen Nationalmannschaft bei der bevorstehenden WM nur acht Mal größer ist als Sachsenheim. Ein Unentschieden müsste also mindestens drin sein, wagte Schickhardt mit einem Augenzwinkern zu prognostizieren. Da erstmals auch fast alle Gruppendritten die nächste Runde erreichten, sei ein Ausscheiden in der Vorrunde wie zuletzt „fast nicht möglich. Wir sollten das eigentlich nicht schaffen“, fügte er noch süffisant an.

Der ehemalige Journalist widmete ein längeres Kapitel seines Vortrags dem Thema Mentalität und Teamgeist und stellte die VfB-Spieler im potenziellen WM-Aufgebot vor. In seine Präsentation eingebaut hatte der Jurist auch kurze Rückblicke auf zurückliegende Endrunden, zeigte etwa das legendäre Interview von Per Mertesacker nach dem Achtelfinalgewinn gegen Algerien 2014.

Eindrücklich waren Aufnahmen von Polizeieinsätzen, Eskalationen rund um Pyrotechnik und Gewaltszenen in und um Stadien, teils brandaktuell vom Südschlager des VfB bei den Bayern. Auch in diesem Kontext hat Christoph Schickhardt Mandanten vertreten und räumte mit dem Vorurteil auf, gewalttätige Schläger seien „nicht mehr nur Kriminelle aus dem Frankfurter Bahnhofsmilieu“, sondern zunehmend auch Akademiker und „normale“ Menschen aus der Mitte der Gesellschaft.

Albrich: „Lust auf die schönen Seiten des Fußballs geweckt“

Die anschließende Einladung zur Fragerunde nahmen die Zuhörerinnen und Zuhörer gerne an. Inspiriert durch Fragen aus dem Publikum gab Schickhardt dann auch so manche Insider-Info preis, die der Öffentlichkeit sonst vorbehalten bleibt, die aber vermutlich nicht nur auf breites Interesse stoßen, sondern auch so manche Einschätzung revidieren würde. So erzählte er auch von seiner Mandantin Martina Voss-Tecklenburg, der bei den Vertragsverhandlungen für ihren Job als Bundestrainerin des Frauen-Nationalteams zunächst ein Dreißigstel dessen angeboten worden sei, was der damals amtierende Bundestrainer der Männer verdiente.

„Sie haben die Lust auf die schönen Seiten des Fußballs geweckt. Es war aber auch gut, dass Sie ein Schlaglicht auf die Schattenseiten geworfen haben“, dankte Bürgermeister Holger Albrich dem Gast, der auf ein Honorar verzichtet hatte, zum Abschluss der Veranstaltung. Sandra Bildmann

 
 
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