Es sei „eine große Ehre“, die Menschen im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen als Direktkandidat im Landtag vertreten zu dürfen, sagt Tobias Vogt, der CDU-Abgeordnete des Wahlkreises Bietigheim-Bietigheim. Er ist bei der Landtagswahl am Sonntag mit 37,5 Prozent der Erststimmen klar auf Platz eins im Wahlkreis 14 gelandet (Zweitstimmen: 31,5) und hat Tayfun Tok (Grüne) damit das Direktmandat abgenommen. Vogt sieht dies als Bestätigung der Wahlkreisarbeit der letzte fünf Jahre, sagte er gegenüber der BZ am Wahlabend.
Wahlkreis Bietigheim-Bissingen Vogt wirft Grünen „Schmutzkampagne“ vor
Mit deutlichem Abstand hat Tobias Vogt (CDU) das Direktmandat im Wahlkreis 14 gewonnen. Tayfun Tok zieht über die Liste aber trotzdem in den Landtag ein.
CDU sieht „Hass und Hetze“
Mit Blick auf die Landesebene sei es hingegen „ein Wechselbad der Gefühle“ gewesen, so der Generalsekretär der Landes-CDU, der gegen die Grünen heftige Vorwürfe erhebt. Die seien nicht mehr die bisherigen „Kretschmann-Grünen“, so Vogt. Es sei eine „Schmutzkampagne“ gegen den CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel losgetreten worden, mit „Hass und Hetze“ im Stile der MAGA-Bewegung in den USA. Grüne Influencer hätten zehn bis 14 Tage vor der Wahl eine Diffamierungskampagne gegen Hagel gestartet – bis hin zu einem Vergleich wegen seines „Rehaugen-Videos“ mit dem Straftäter Jeffrey Epstein durch die Grünen-Bundestagsabgeordnete Renate Künast. Das Vertrauen in den Koalitionspartner sei jetzt „massiv geschädigt.“ Von der Bundesebene hätte sich Tobias Vogt mehr Rückenwind gewünscht, Hagel sei hingegen „der richtige Kandidat“ gewesen.
Grüne: „Sensationelles Ergebnis“
„Super Stimmung“ herrschte am Wahlabend hingegen bei den Grünen, berichtet der Abgeordnete Tayfun Tok. „Wir haben die Wahl gewonnen, ich bin sehr glücklich“, so Tok gegenüber der BZ. Das Wahlergebnis sei „sensationell“, es erfülle ihn mit Stolz, so der Grünen-Abgeordnete. Gefragt nach den Gründen, muss Tok nicht lange überlegen. Es habe an Spitzenkandidat Cem Özdemir gelegen, der großes Vertrauen in der Bevölkerung genieße. Dass die Grünen im Wahlkreis wesentlich mehr Zweitstimmen (30,2 Prozent) als Erststimmen (27 Prozent) erhalten haben, könne daran gelegen haben, dass Grünen-Wähler gewissermaßen als Ausgleich Schwarz gewählt hätten, vermutet Tok. Er selbst kann den Verlust des Direktmandats verkraften, da er über die Liste auch so ins Landesparlament einzieht.
AfD: Stimmen verdoppelt
„Wir sind heute der Gewinner“, sagt AfD-Kandidat Reno Geisler, für den es selbst nicht in den Landtag gereicht hat. Die AfD habe ihre Stimmen verdoppeln können. „Das ist eine fantastische Geschichte.“ Er sei auch ein bisschen stolz auf sein Abschneiden als Dritter im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen mit 18 Prozent der Stimmen (Zweitstimmen 18,1 Prozent), so Geisler – „und das als Neuling“. Dass die AfD hinter ihren Umfragewerten zurückblieb, führt er zum einen auf die Polarisierung im Wahlkampf zwischen Grünen und CDU zurück. Dadurch seien Wähler von der AfD zur CDU abgewandert, um einen Ministerpräsidenten Özdemir zu verhindern. Auch die Vorwürfe der Vetternwirtschaft und andere Attacken hätten der AfD sicherlich geschadet – er habe deshalb sogar noch ein schlechteres Ergebnis befürchtet, sagt der AfD-Kandidat.
SPD: „Absolutes Desaster“
Persönlich besser als seine Partei hat SPD-Kandidat Daniel Haas im Wahlkreis abgeschnitten, der auf 7,3 Prozent der Erststimmen kam (5,4 Prozent Zweitstimmen). Doch: „Wir sind ziemlich geschreddert“, lautet sein ernüchterndes Fazit. Das Wahlergebnis, bei dem es der SPD gerade noch für den Einzug ins Parlament reichte, sei „ein absolutes Desaster“. Er sieht die Gründe in einem schlechten Bundestrend und darin, dass die Wahl in den letzten Wochen zu einem Zweikampf zwischen Grün und Schwarz geworden sei. „Wir haben die richtigen Themen gesetzt“, sagt Haas, „doch die Wähler trauten uns die Umsetzung nicht zu“. Sein Erststimmenergebnis zeige jedoch, dass das Engagement im Wahlkreis nicht vergeblich gewesen sei, so Haas, für den es der zweite vergebliche Anlauf war.
FDP: Wahlparty schnell vorbei
FDP-Kandidat Paul Wien war während des Telefonats mit der BZ im Zug auf der Rückfahrt von der Wahlparty der Liberalen im Landkreis Ludwigsburg, die sich aufgrund des desolaten Ergebnisses der Partei schneller aufgelöst hatte als geplant. Als „sehr enttäuschend“ beschreibt der FDP-Mann das Verfehlen der Fünf-Prozent-Hürde und die starken Verluste seiner Partei. Viele FDP-Wähler hätten beide Stimmen der CDU gegeben, vermutet Wien, damit diese auf den ersten Platz komme – am Ende vergeblich. „Die Stimmung war gut“, sagt Wien, doch der Zweikampf Hagel – Özdemir habe diese Stimmung gewissermaßen auf den letzten Metern kippen lassen. Das sei auch daran abzulesen, dass die Briefwahlergebnisse für die FDP deutlich besser ausgefallen seien als die an der Wahlurne. Bei den Erststimmen kam Wien auf 3,8 Prozent, bei den Zweitstimmen lag die FDP mit 4,3 Prozent etwas besser.
Linke: Besser als je zuvor
Enttäuschung auch bei Linken-Kandidatin Ingrid Petri über das Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde. Sie führt dies ebenfalls auf den Hagel-Özdemir-Effekt zurück, der dazu geführt habe, dass viele Linken-Wähler ihre Stimmen den Grünen gaben, um einen grünen Ministerpräsidenten zu bekommen. Zugleich freute sie sich aber über die Steigerung der Zahlen im Vergleich zur letzten Wahl im Land. „Wir sind besser als jemals zuvor“, so Petri. Persönlich schnitt sie mit 4,5 Prozent Erststimmen im Wahlkreis besser ab als ihre Partei (3,7 Prozent).
Die Wahlbeteiligung im Wahlkreis 14 lag bei 72,8 Prozent.
